Schulnachrichten.—
Wenige Jahre sind für unsre Lehranstalt von so grosser Bedeutung gewesen, wie das eben ablaufende oder vielmehr die Grenzscheide zwischen 1875/6 und 1876/7. Durch Magistratsbeschluss vom 7. April 1876(Verfügung des Curatoriums vom 12. April) wurde das Gymnasium in die Lo- calitäůten der Wöhlerschule verlegt; die Uebersiedelung aus dem alten Hause(Prediger- strasse 3) in das neue(Junghofstrasse 18) wurde gleich nach Ostern ins Werk gesetzt, so dass schon am 24. April die Aufnahmeprüfung und am 25. April der Anfang des Unterrichts in den neuen Räumen stattfinden konnte. Wir wissen wohl, dass auch ein schlechtes Kleid manchen edlen Menschen deckt und dass Aschenbrödel darum nicht schlechter war, als seine Schwestern, aber ein Missverhältniss war es doch, dass gerade das Gymnasium so lange sich in dem allerschlechtesten Local behelfen musste, welches überdies der Gesundheit von Lehrern und Schülern in mehr als einer Hinsicht nachtheilig und dadurch wie durch seinen Mangel an Platz der Entwicklung des Gymnasiums hinderlich war. Jetzt waltet die Schule in einem fast neuen(1872 erbauten) schönen und geräumigen Hause; auch ist dem Director daneben ein wohnliches Häuschen eingeräumt. Es ist für den Lehrer eine wahre Lust, sowohl in so hellen freundlichen Zimmern zu unterrichten, als auch unsere sonst so eingeengte Jugend auf dem weiten Spielplatz sich tummeln zu sehen. Das Mobiliar für sämmtliche Classen, für das Conferenz- und Amtszimmer wurde fast gänzlich, und zwar in zweckmässigster Weise, erneuert. Ein grosses daneben liegendes Gebäude so wie ein kleineres auf dem Hofe bieten nicht nur für Physikzimmer und Zeichensaal, sondern auch für die bevorstehende Erweiterung der Anstalt durch Parallelclassen und durch eine daran sich anschliessende eigene Vorschule den schönsten Platz: es ist somit für die Zukunft des Gymnasiums aufs Beste gesorgt. Abgesehen von einer durch das König- liche Unterrichts-Ministerium gegebenen Anregung danken wir diese grosse Verbesserung unsrer Zu- stände vor allem der wohlwollenden Einsicht und Energie unsrer städtischen Behörden, insonderheit dem Vorsitzenden des Curatoriums, Herrn Stadtrath Dr. Sauerländer, wie auch der Unterstützung des Königlichen Provinzial-Schulcollegiums in Bezug auf die durch jene Verlegung für die Interessenten der Wöhlerschule augenblicklich entstehenden Verlegenheiten, und hoffen, dass auch untergeordnetere Wünsche, wie die Beseitigung des allerdings recht störenden Lärms einer naheliegenden Schlosser- werkstätte, die Erbauung einer geräumigen Turnhalle, die Errichtung einer Aula, demnächst ihre Er- füllung finden werden. Aber wenn so das Aeussere gut bestellt ist, haben wir, Lehrer wie Schüler, um so mehr die Pflicht, dafür zu sorgen, dass nun auch alles im Inneren gut sei, damit uns das alte Gymnasium nicht beschäme, aus dessen dunkeln, unansehnlichen Räumen so manche Männer hervor- gegangen sind, die unsrer Stadt und unserem Vaterlande Ehre gemacht haben und noch machen.


