— 4— Die drei zuerst Genannten wurden von der mündlichen Prüfung dispensirt. Diese fand resp. am 12. u. 13. März und 19. September unter dem Vorsitz des Königl. Commissarius Herrn Provincial- schulrath Dr. Rumpel statt.
Wir erwähnen hier der Auszeichnung, welche einem Schüler unserer Anstalt für sein im historisch-geographischen Fach bewiesenes Talent zu Theil geworden ist. Der Unterprimaner Fritz Immanuel, Sohn eines hiesigen geachteten Bürgers, hatte sich seit einer Reihe von Jahren in seinen Mussestunden mit grossem Eifer auf solche Studien gelegt, zuletzt aber eine sorgfältige Arbeit der Art über den deutsch-französischen Krieg ausgeführt und an den Generalfeldmarschall Grafen von Moltke eingesandt. Hierauf erhielt er von dem berühmten Strategen im Anfang December v. J. folgendes Schreiben:»Sie haben mir durch die Ueberreichung einer von Ihnen entworfenen Zusammenstellung »der im Feldzug 1870/71 namhaft gewordenen Orte nebst den dazu gehörigen Karten eine besondere »Freude bereitet. Ich erkenne in dieser sorgsam ausgeführten Arbeit, welche, soweit Ihre Quellen »reichten, auch den Character der Genauigkeit und Zuverlässigkeit trügt, nicht bloss grossen Fleiss »und vielversprechendes ernstes Streben, sondern auch ein erfreuliches Zeichen echt patriotischer »Gesinnung, welche unsere heranwachsende Jugend beseelt.— Ich habe Ihre fleissige Arbeit der Bibliothek »des Generalstabes überwiesen, und es wird mich freuen, wenn ich später hören werde, dass Sie auf »wissenschaftlichem Gebiete mit Erfolg und Nutzen thätig sind. Mit bestem Gruss und mit Dank „für die freundliche Zusendung etc.«
Wir bedauern, dass die Rücksicht auf die Zukunft des Schülers es wünschenswerth macht, dass er sein letztes Schuljahr in Berlin zubringe, sind aber überzeugt, dass der bescheidene junge Mann auch den anderen Lehranstalten, welche er noch zu besuchen gedenkt, Ehre machen wird.
An dem Fest wegen der Vollendung des Hermann-Denkmals(16. Augast) betheiligten sich unsere Schüler durch eine Deputation, bestehend aus den Oberprimanern Lorenz Eber und Hermann Sommerlad, dem Unterprimaner Alex. Sternberg und dem Obersecundaner Paul Thebesius.— Die Gedächtnissfeier für die Schlacht bei Sedan am 2. September wurde im Kaisersaal feierlich begangen. Den Gesang leitete zum grössten Theil Herr Musikdirector Henkel, dem wir für diese Gefälligkeit besten Dank sagen; die Festrede hielt Herr Prof. Dr. Creizenach. Von den Schülern wurden Gedichte vorgetragen: Horat. Od. IV, 4 von Karl Bopp(Ja); Aesch. Pers. 350— 432 von Adolf Schneider(Ia), Klopstock's Ode»Mein Vaterland« von Emil Strauss(IIa),»die Schlacht bei Wörth« von Wilhelm Vowinkel(IIIb A), Rückert's»die drei Gesellen« von Georg Schick(IIIb B),»der Trompeter an der Katzbach« von Karl Holdefehr(V).— Die Louisenfeier und die Feier des kaiserlichen Geburtstages (10. u. 22. März 1876) wurden, da es uns an einer Aula fehlt, im Locale der mittleren Bürgerschule, welches im Augenblick verfügbar war, begangen; der fröhliche Gesang unserer Jugend und die fesselnden Vorträge des Herrn Prof. Dr. Creizenach setzten alle Zuhörer schnell über das Missgefühl weg, unter fremdem Dache den Platz suchen zu müssen, der uns im eigenen Hause versagt wird.— Im September und October besuchten unsere Schüler, unter Führung der Classenlehrer, zahlreich und wiederholentlich die Kunst- und Gewerbe-Ausstellung, wobei sich uns ein hiesiger Künstler Herr Stiæ und die Geschichts- lehrer des Gymnasiums, die Herren Professoren Dr. Creizenach und Dr. Janssen, besonders hilfreich


