Aufsatz 
Einweihung des neuen Schulgebäudes
Entstehung
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III. Chronik.

1. Unterricht, Veränderungen im Lehrerkollegium.

Das Schuljahr wurde am 8. April mit einer gemeinsamen Andacht im kleinen Saale des Saalbaues eröffnet..

Die Zahl der Klassen war die gleiche wie im Vorjahre, nämlich elf, da wiederum auf zwei Stufen, der Obertertia und der Untersekunda, Doppelabteilungen errichtet werden muſsten. Auſser diesen beiden Klassen wiesen auch die Unterprima und die Quarta eine Schülerzahl auf, die erheblich über die zulässige Grenze hinausging. Doch war die Teilung von mehr als zwei Klassen schon aus räumlichen Gründen unmöglich.

Für die israelitischen Schüler war ein regelmäſsiger Religionsunterricht in den Lehr- plan aufgenommen. Mit vereinzelten Ausnahmen nahmen sämtliche israelitische Schüler daran teil. Den Unterricht der Oberstufe(Obersekunda bis Oberprima) leitete Herr Rabbiner Dr. Seligmann, den der Mittel- und der Unterstufe(Untertertia bis Untersekunda, Sexta bis Quarta) Herr Dr. Höxter.

Die durch das Ausscheiden des Herrn Professors Dr. Riese erledigte Oberlehrer- stelle war dem Oberlehrer an dem hiesigen Realgymnasium Musterschule, Herrn Dr. Julius Schönemann, übertragen worden. Er trat mit dem Beginne des Schuljahres sein neues Amt an. Wir freuen uns, in ihm einen Mitarbeiter gewonnen zu haben, der von warmer Begeisterung erfüllt ist für seinen Beruf und als wissenschaftlicher Forscher und einsichtiger Lehrer und Erzieher der Jugend sich in gleichem Mafse bewährt hat. Uber seinen Lebens- gang berichtet Herr Dr. Schönemann das Folgende:

Dr. Julius Schönemann, geb. 13. April 1864 zu Hannover, cvangelischer Konfession, besuchte das Lyceum II seiner Vaterstadt bis Ostern 1881, studierte in Göttingen und Bonn klassische Philologie und Ger- manistik und erwarb zu Bonn im August 1886 den philosophischen Doktorgrad. Dazu schrieb er:De lexico- graphis antiquis, qui rerum ordinem secuti sunt, quaestiones praecursoriae(Hannoverae 1886). Vom Herbst 1886 bis Ostern 1889 bei Narwa in Rußland als Hauslehrer tätig, bestand er im Juni 1888 zu Bonn die Prüfung pro facultate docendi und ward, nachdem er seiner militärischen Dienstpflicht genügt hatte, Ostern 1890 dem päda- gogischen Seminar am Lyceum I zu Hannover überwiesen. Von Ostern 1891 bis dahin 1892 leistete er am Lyceum II daselbst sein Probejahr ab. Ostern 1892 wurde er als wissenschaftlicher Hilfslehrer an das städtische Progymnasium zu Schlawe in Pommern berufen und dort am 1. April 1893 zum Oberlehrer ernannt. Vom 1. Oktober 1897 bis Ende März 1898 war er als Stipendiat des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts nach Griechenland und Italien beurlaubt. Michaelis 1898 folgte er einem Rufe an das Realgymnasium Muster- schule in Frankfurt a. M. und ging Ostern 1902 an das Lessinggymnasium über. Der Armee gebört er als Leut- nant der Reserve an.

Von dey wissenschaftlichen Hilfslehrern, die während des voraufgegangenen Schul- jahres an der Anstalt tätig gewesen waren, blieb uns Herr Steiger auch weiterhin erhalten. Dagegen schied der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Fechner aus, um in derselben Eigenschaft an das Königliche Wilhelmsgymnasium in Cassel überzugehen. Für die treuen und erfolgreichen Dienste, die er von dem Probejahr ab der Anstalt geleistet hat, gebührt ihm warmer Dank.