Abgegangen waren von der vorjährigen Bestandzahl beim Anfange des Sommer- semesters 1854 im Ganzen 27 Schüler, darunter 16 Abiturienten, welche die Hochschule bezogen, 6 aus den Ober- und 5 aus den Unterklassen, welche zu anderweitigen Berufs- arten, als Bergwesen, Kaufmannschaft, Militär, Gewerbstand übertraten; 4 davon gi auf die Gymnasien zu Welbar und Mainz über. Neu eingetreten sind zu derselben Zei 33 Schüler, und zwar 27 in die Unterklassen VIII— V, und 6 nach IV u. III. Der Gesammtbestand von 133 Schülern hat sich im Wintersemester 1854— 55 erhalten, indem bei Eröffnung desselben 7 Schüler ab-, und ebensoviele zugegangen sind. Von Ersteren bezogen 2 als Abiturienten die Universität, 4 gingen zu bürgerlichen Gewerben, 1 zum Militär über.
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2) Bibliothek und Apparate.
Die Verwaltung der Gymnasialbibliothek, welche während seiner ganzen hiesigen Dienstzeit Herr Professor KChrein mit ebenso grosser Umsicht als Liebe zur Sache und unermüdeter Thätigkeit besorgt hatte, übernahm bei seinem Weggang Herr Professor Schmitt, und wird von nun an die an dieses Institut geknipften bedeutenden Interessen für Schüler, Lehrer und Literaturfreunde mit gleicher Liebe und Bereitwilligkeit vertreten. Es umfasst diese Büchersammlung nun 4250 Bände, welche die verschiedenen Seiten der Literatur, die man an einer Gelehrtenschule sucht und finden soll, nicht unwürdig vertreten, und welche mit spezieller Rücksicht auf den Fortgang der Wissenschaft, wie auf die be- sonderen Bedürfnisse der Anstalt alljährlich durch liberal gewährte Staatsmittel gemehrt werden. Für die unteren und mittleren Klassen sind besondere Abtheilungen, welche den Lese- und Bildungsstoff für dieselben enthalten. Für beide Abtheilungen sind an zwei Wochen- tagen bestimmte Stunden angesetzt. Erstere erhalten dabei an dem für sie bestimmten Tage im Vorzimmer, gegen vorher eingelieferte, von dem Klassenordinarius begutachtete 205 unterschriebene Bestellzettel, die vorhandenen Schriften auf etwa 14 Tage; letzteren ist gestattet, an beiden Tagen auf der Bibliothek zu erscheinen, im Büchersaale selbst durch Autopsie ihre Bücherkenntniss anzubahnen und zu erhöhen, und sie erhalten zu ihren Studien auf längere Zeit die gewünschten Werke, deren Auswahl nur im Allge- meinen von dem Ordinarius und Bibliothekar begutachtet wird. Lehrer und Literatur- freunde erhalten gegen Bescheinigung das Gewünschte zu jeder Zeit.
Auch die übrigen Apparate für den Unterricht, als physikalische und mathematische Instrumente, naturhistorische Sammlung, eographische Karten und Atlanten, Schreib- und Zeichenvorlagen, Musikalien werden verhältnissmässig jedes Jahr durch gleiche Mittel vermehrt, und erhalten sich dadurch auf dem neuesten Standpunkte. Sie werden von ein- zelnen Lehrern verwaltet, wie diese in dem vorjährigen Programm S. 22 aufgeführt sind, welchen, neben der Erhaltung der Sammlung, zunächst die Begutachtung von Neuanschaf- fung, sowie die Abgabe zu den Zwecken des laufenden Unterrichtes zusteht. Bestimmte Verzeichnisse liegen darüber vor, worin alljährlich der Ab- und Zugang eingetragen ist, und wonach am Ende des Schuljahres die Revision des Ganzen Statt hat. Für das laufende Jahr waren an Staatsmitteln für Bibliothek und Apparate verwilligt 689 Gulden.
Die dem hiesigen Gymnasium zukommenden Geehenbe sind, den localen Verhält- nissen gemäss, nur unbedeutend und beschränken sich auf Gegenstände der Literatur. So erhielten wir im Laufe dieses Jahres von Herrn Professor Kehrein seine„Grammatik der deutschen Sprache des 15.— 17. Jahrhunderts, I. Thl., Leipzig 1854“; von Herrn Collab. Ebhardt„Bilder antiken Lebens von Panofka. Berlin 1843; von Herrn Pfarrer Schel- lenberg„Boissardi Topographia Romae. 1627. Folio“ und von Herrn Buchhändler Her 64 in Coblenz, einem geborenen Hadamarer,„a) Püllenberg, empirische LLeiologie für Gymnasien. 3. Aufl. Coblenz 1852; b) Kurze Darstellung des Hauptinhaltes der Logik für Gymnasialschüler. 2. Aufl. Coblenz 1854“, für welche Geschenke wir im Interesse und Namen des Gymnasiums hiermit öffentlich und gebührend danken.
Nach Abschluss dieser Nachrichten erhielt das Gymnasium von Herrn Gutsbesitzer Münch auf dem Schneppenhäuser Hof einen von demselben geschossenen Fischreiher in einem sehr schönen Exemplar, was
wir mit dem grössten Danke nachtragen..


