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IV. Chronik der Anſtalt.
Durch Dekrete Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 18. April 1883 waren der ſeitherige Direktor der Realſchule Dr. Friedrich Schön zum Direktor der Großherzogl. Realſchule zu Offenbach, der Großherzogl. Reallehrer an der Realſchule zu Mainz Dr. von Gall zum Direktor an der Großherzogl. Realſchule zu Oppenheim ernannt worden; es ſollten jedoch beide noch ihren ſeitherigen Dienſt bis zum 15. Juni l. J. fortzuverſehen haben. An dieſem Tage fand die feierliche Einführung des Letzteren in ſeine neue Stelle durch Herrn Geheimen Ober⸗ Schulrat Becker ſtatt. Kurze Zeit darauf, am 4. Auguſt, beehrten der Herr Geheime Staats⸗ rat Knorr und der Herr Geheime Ober⸗Schulrat Becker unſere Anſtalt mit einem Be⸗ ſuch, und wohnten dieſelben dem Unterricht in den einzelnen Klaſſen bei.
Von Mitte Juni an war der Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülern im allgemeinen ein günſtiger zu nennen, und fanden Unterbrechungen des Unterrichts nicht ſtatt, abgeſehen von wiederholten kleinen Störungen, die durch die Thätigkeit des Herrn Pfarrer Diehl in der evangel. Landes⸗Synode und der damit zuſammenhängenden Choralbuchs⸗Kommiſſion entſtanden, und es ſchien, als ob das Schuljahr in dieſer Hinſicht einen günſtigen, regelmäßigen Verlauf nehmen werde. Leider aber ſollten unſere Erwartungen inmitten des II. Semeſters auf das Bitterſte enttäuſcht werden. Bereits im Dezember war Reallehrer Aſchenbrenner mehrmals durch Unwohlſein verhindert ſeiner Thätigkeit in der Schule nachzukommen. Dreimal verſuchte derſelbe im Laufe dieſes und des folgenden Monats ſeinen Unterricht wieder aufzunehmen. Trotz allen Zuſpruchs ließ er ſich nicht zu größerer Schonung ſeiner wankend gewordenen Geſundheit beſtimmen. Am 22. Januar erkrankte er plötzlich in der Schule von neuem, diesmal aber in bedenklichem Grade. Bereits zwei Tage ſpäter entriß ihn ein unerwarteter, aber leichter Tod aus ſeinem Wirkungskreis, in dem er ſich ſtets als ein ganzer Mann, treuer Kollege, gewiſſenhafter Be⸗ amte und hervorragend tüchtiger Lehrer gezeigt hatte.
Ueber den von Kollegen, Freunden und Schülern tief Betrauerten ſchloß ſich am 27. das Grab, bis zu welchem ihm die Schule und zahlreiche Leidtragende das letzte ehrende und dankbare Trauergeleite gaben, und das die Liebe ſeiner Freunde und Schüler wahrhaft unter Blumen begrub.
Durch Dekret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 20. Februar 1884 wurde der prov. Lehrer Ludwig Knöpfel mit Wirkung vom 1. April d. J. zum Lehrer an der Realſchule zu Oppenheim ernannt. Derſelbe iſt geboren den 9. Januar 1857 zu Hanau und beſtand ſeine Staatsprüfung im Januar 1880 vom Standpunkt der Naturwiſſenſchaften aus, nachdem er an den Univerſitäten Gießen, Marburg und Straßburg ſtudiert hatte. Seinen Acceß hat er an der Großherzogl. Realſchule zu Mainz abſolviert, und daſelbſt war er auch bis zur Verſetzung an unſere Schule, den 23. Juli 1883, aushilfsweiſe thätig.
Durch Dekret vom 20. Februar 1884 wurde auch der ſeitherige proviſoriſche Reallehrer Philipp See an unſerer Schule mit Wirkung vom 1. April 1884 zum Lehrer an dieſer Anſtalt ernannt.
Dank dem bereitwilligen Entgegenkommen und der Unterſtützung der ſtädtiſchen Behörden iſt es dieſes Jahr möglich geworden, den Turnunterricht definitiv in die vollſtändig geräumte heiz⸗ und erleuchtbare Stadthalle zu verlegen, nachdem dieſelbe mit einem neuen Tennenboden verſehen worden war. Das ſchon vorhandene Turngeräte der Schule wurde mit einem aus 8 Stangen beſtehenden Klettergerüſte, einer Ringſchaukel, 4 Kletterſeilen, einem neuen Reckgerüſte und zwei wagrechten Leitern vermehrt. Ein früher der Schule geſchenkter Springbock wurde möglichſt wieder hergeſtellt und in Gebrauch genommen. Unſer Turnen hat dadurch ein eigenes Heim gewonnen und einen erneuten, friſchen, vielverſprechenden Aufſchwung erhalten.
Der Großherzogl. Turn⸗Inſpektor Herr Marx, der die Schule am 20. Februar mit einem niſu beehrte, hat bereits in den neu hergerichteten Turnräumen die einzelnen Turnabteilungen inſpiziert.
Von Neuanſchaffungen an Lehrmitteln im verfloſſenen Schuljahr ſind hervorzuheben:
1) Dr. Dronke u. Herkt, Erdkarte(Planigloben);
2) Adami-Kiepert, Himmelsglobus;


