Aufsatz 
Statistik der Taubstummen im Herzogthum Nassau
Entstehung
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25. Das Amt Wallmerod hat bei 16,0714 Einw. 8 Taubſt., alſo 1 Taubſt. auf 2008,s Einw. 26. W eh en 11,244 6 1 1952,3 N. Weilburg 20,402 20 14 1020,1 28. Wiesbaden 35,255 20 1 1211 1262,

Es haben demnach die meiſten Taubſtummen die Aemter: 1.) Uſingen mit 1 Tbſt. auf 746,1, 2.) Naſſau mit 1 Tbſt. auf 814,3, 3.) Braubach mit 1 Tbſt. auf 835,5, 4.) Dillenburg mit 1 Tbſt, auf 850,6 und 5 Idſtein mit 1 Tbſt. auf 879,9, Einwohner; wogegen am günſtig⸗ ſten ſtehen die Aemter: 1.) Hadamar mit 1 Tbſt. auf 2554,7, 2.) Rennerod mit 1 Tbſt. auf 2145,2, 3.) Wallmerod mit 1 Tbſt. auf 2008,5, 4.) Höchſt mit 1 Tbſt. auf 2007,6 und 5.) Wehen mit 1 Tbſt. auf 1952,3 Einwohner.

Dem Geſchlechte nach befinden ſich 216 männliche und 165 weibliche Taubſtumme im Her⸗ zogthum. Das Verhältniß der männlichen zu den weiblichen Taubſtummen iſt ſonach annähernd 100:75 oder 4:3. Ein gleiches Verhältniß hatte auch Dr. Schmalz ſchon 1836 im König⸗ reiche Sachſen, wo ſich unter 1094 Taubſtummen 628 männliche und 466 weibliche vorfanden, berechnet. Auch im Königreich Hannover ſtellte ſich bei der 1856 vorgenommenen Zählung das⸗ ſelbe annähernde Verhältniß heraus,(bei 1305 Taubſtummen 744 männliche und 561 weibliche alſo 100: 75 oder 4:3.) Die ebenfalls im Jahr 1856 im Großherzogthum Heſſen ſtattgefundene Aufnahme ergab ein etwas beſſeres Verhältniß. Es wurden hier unter 907 Taubſtummen 479 männliche und 428 weibliche gezählt; alſo 100: 89, oder annähernd 10:9. Im Jahr 1855 wurden im Großherzogthum Oldenburg 194 Taubſtumme gezählt, von denen 99 männlich und 95 weiblich waren. Der Unterſchied zwiſchen männlichen und weiblichen Taubſtummen iſt dem⸗ nach hier nicht ſo erheblich als anderwärts.

Ich habe dieſe Zählungen der unſrigen vergleichend nur deßhalb beigefügt, um die That ſache hervorzuheben, daß nicht allein in unſerem Lande, ſondern auch in andern Staaten, in welchen Zählungen ſtattgefunden haben, ſich ſtets eine größere Anzahl von männlichen als weiblichen Taubſtummen ergeben hat.

Dieſe Erſcheinung iſt um ſo auffallender, da faſt allerwärts mehr weibliche als männliche Bewohner gefunden werden. Dr. Lachmann hat berechnet, daß alljährlich auf 100 Mädchen 105 bis 106 Knaben geboren werden. Viele Aerzte, namentlich in Deutſchland und England, haben ſich mit der Löſung der Frage beſchäftigt, weßhalb das männliche Geſchlecht mehr der Taubſtummheit ausgeſetzt ſei, als das weibliche. Dr. E. G. Carus ſucht dieſe Erſcheinung in ſeinem Syſtem der Phyſiologie dadurch zu erklären, daß ſchon im Fötus bei dem männlichen Geſchlechte die Reſpirationsorgane ſtärker entwickelt werden, als beim weiblichen Geſchlechte. Dr. Schmalz ſagt in ſeinem Buche über die Taubſtummen und ihre Bildung:Da das Ge⸗ hörorgan, ſowie das Riechorgan für Wiederholungen der Reſpirations⸗Gegend am Kopfe anzu⸗ ſehen ſind, ſo folgt daraus, daß auch dieſe Organe eine ſtärkere Ausbildung bei dem männlichen Geſchlechte finden müſſen. Die höhere Entwickelung eines Organs bedingt aber erfahrungs⸗ mäßig allemal auch eine größere Geneigtheit zu Krankheiten desſelben. Kommen nun in Hinſicht der Gehörorgane häufiger Krankheiten bei dem männlichen Geſchlechte vor, ſo müſſen ſie auch

oft die Taubſtummheit bewirken. In wie weit dieſe Anſicht von ärztlichem Standpunkte aus Glaubwürdigkeit verdient,

muß ich dahin geſtellt ſein laſſen, habe jedoch beſtätigend anzuführen, daß auch bei uns mehr männliche als weibliche Perſonen durch Krankheiten taubſtumm geworden ſind; denn von den in den Liſten als durch Krankheiten taubſtumm geworden bezeichneten 150 ſind 86 männlich und 64 weiblich.