Aufsatz 
Statistik der Taubstummen im Herzogthum Nassau
Entstehung
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StatiſtiK der Caubſtummen

Berzogthum Naſſau. 5.

Vorwort.

Der Verfaſſer war beauftragt, die Geſchichte der Herzoglichen Taubſtummen⸗Anſtalt zu Camberg, die er im Jahr 1845 bei Gelegenheit der Feier des 25jährigen Beſtehens der Anſtalt verfaßt, und welche in den Pro⸗ grammen derſelben von 1845 und 1846 ihre Aufnahme gefunden hat, einer nochmaligen Prüfung zu unterwerfen und dieſelbe bis zur heutigen Zeit fortzuſetzen. Dieſe neu ausgearbeitete Geſchichte ſollte ſodann in das dies⸗ jährige Programm aufgenommen werden.

Zur größeren Vervollſtändigung der genannten Arbeit ſowie auch zur Förderung des Taubſtummen⸗Unter⸗ richtsweſen im Allgemeinen wünſchte der Verfaſſer, derſelben eine genaue ſtatiſtiſche Aufnahme aller im Herzog⸗ thum befindlichen Taubſtummen beifügen zu können, da ſeit 1819 keine genaue Zählung der Taubſtummen des Landes mehr vorgenommen worden, und die damals zum Zweck der Aufnahme in das neu zu errichtende Inſtitut zu Camberg nur vorzugsweiſe das Alter und die Bildungsfähigkeit berückſichtigende Zählung 209 Taubſtumme ergeben hatte, während der Director des Blinden⸗Inſtituts zu Braunſchweig, Profeſſor W. Lachmann, in ſeinem Werke:Ueber die Nothwendigkeit einer zweckmäßigen Einrichtung und Verwaltung von Blinden⸗Unter⸗ richts⸗Erziehungs⸗Inſtituten und einer Blinden⸗ und Taubſtummen⸗Statiſtik von 1843 ſchon die Zahl der Taubſtummen des Herzogthums mit 275 angibt.

Auf die Bitte des Verfaſſers um eine ſtatiſtiſche Aufnahme aller im Herzogthum befindlichen Taubſtummen erließ die H. Landes⸗Regierung unter dem 24. Febr. 1863, ad N. R. 27,705, an alle Schulinſpectoren des Landes das nachſtehende Generalreſcript:Es iſt beſchloſſen worden, eine möglichſt genaue Statiſtik aller im Herzogthum beſindlichen Taubſtummen beiderlei Geſchlechts aufſtellen zu laſſen.

Zu dem Ende überſenden Wir Ihnen in der anliegenden Tabelle eine Anzahl von Fragen, deren Beant⸗ wortung unter geeigneter Revidirung der Schulvorſtands⸗Dirigenten Wir den Lehrern anvertrauen, da Wir unter⸗ ſtellen, daß die Lehrer ihrerſeits vollſtändig befähigt ſind, die aufgeſtellten Fragen genügend zu beantworten, oder, daß ſie, wo ihre eigene Wiſſenſchaft nicht ausreicht, ſich bei den geeigneten Perſonen weitere Auskunft ſuchen werden.

Um allen Irrthümern in der Zählung vorzubeugen, beſtimmen Wir, daß der 10. März als der Termin angenommen wird, an welchem die Zählung im ganzen Lande zu geſchehen hat, d. h., daß alle Taubſtummen beiderlei Geſchlechts, ſo viel ſich deren am 10. März in einer Gemeinde des Herzogthums aufhalten, zu dieſer Zählung resp. Beſchreibung gebracht werden ſollen und daß der ſich hierbei ergebenden Zahl die taubſtummen Kinder des betreffenden Ortes zuzurechnen ſind, welche ſich an dem bezeichneten Tage in dem Camberger Taub⸗ ſtummen⸗Inſtitute oder einer ſonſtigen Anſtalt befinden.

Die Zählung resp. Beſchreibung aller Taubſtummen des Herzogthums wurde demgemäß am 10. März 1863 überall vorgenommen.

Inzwiſchen hatte der Verfaſſer die Geſchichte der Taubſtummen⸗Anſtalt faſt ganz ausgearbeitet. Es ſchien dieſelbe den Raum eines Programms weit überſteigen zu wollen. Als nun noch das ſehr umfangreiche Material der Statiſtik hinzutrat, wurde es für zweckmäßig erachtet, von dem Erſcheinen der Geſchichte vorerſt abzuſehen, um nicht die Ergebniſſe der Zählung der Taubſtummen des ganzen Landes auf einige Jahre der Oeffentlichkeit vor⸗ enthalten zu müſſen.

Es konnte nicht die Abſicht des Verfaſſers ſein, die Reſultate dieſer Zählung lediglich in Zahlenzuſammen⸗ ſtellungen und ſtatiſtiſchen Tabellen zu geben, vielmehr ſollen die Hauptergebniſſe kritiſch beleuchtet und das Ganze möglichſt zu einem lebensvollen Bilde verarbeitet werden. Hierbei wird Anſchluß an die Ordnung ſtattfinden, wie ſie in dem Formular oder der Tabelle zur Aufnahme der Taubſtummen aufgeſtellt worden iſt.

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