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merksamkeit aber wird der Schüler horchen, wenn nun der Lehrer etwa fortfährt:„Wohl hat es der Dichter mit seiner Episode Eurem Herzen angethan, aber mit Klopstock zu sprechen:
„So empört euer Herz seinem Gesange schlägt, 0 so kennt es Homer noch Und sein dichterisch Herz nicht ganz!“
Wenn der Heiland seinen Einzug in Jerusalem hält und die Hohenpriester und Schriftgelehrten sich entrüsten über dem Hosianna der Unmündigen: wie lautet seine Antwort?„Wo diese werden schweigen, so werden die Steine schreien.“ Einer verwandten Empfindung des warmen Dichter- herzens hat sein Genius die Erfindung unserer Scene zu danken. Nach zwanzig Jahren, in Gefahr und Noth verbracht, kehrt der herrliche Dulder zur Schwelle seines Hauses. Er, der nur verlangte,
. „Einmal noch den Rauch empor von der heimischen Erde Steigen zu sehn und zu sterben“,
soll ihm bei seinem Eintritt nicht wenigstens„ein süss erinnernd Pfand“ werden, dass„die Fernen sich noch liebten“? Er selber bedarf in diesem festlichen Augenblick der Verstellung; der Einzige, der ihn kennt, sein Sohn, ihm ist der Mund durch die gleiche Rücksicht gebunden: da übernimmt das treue Thier die Rolle, die es von nun an adelt für die Jahrtausende zum Typus der Treue selbst.“ Wir fragen: hat der Lehrer mit einer solchen Betrachtung eines Hors d'Oeuvre sich schuldig gemacht und nicht vielmehr das Unerlässlichste einer sachgemässen Interpretation geleistet? Es will uns schwer beigehen, dass wir sollen der Erste sein, dem an unserer Stelle solche Gedanken gekommen; doch haben wir weder in den Comnientaren der Schulausgaben mit dem leisesten Wink darauf hingedeutet gesehen, noch sind wir bei aufmerksamem Herumhören noch je dieser, wir glauben doch unwidersprechlichen Deutung unserer Scene begegnet. ²)
felnde Penelope sich den Einsatz ihrer Frauenehre sparen, hinter den„Vielgewandten“ zu kommen: die Thür ging auf; Argos sprang wedelnd herein, leckt dem Herrn die Hand— und die Gattin sinkt dem erkannten Gatten ans Herz! Mag ein leichter Excurs in die Thierpsychologie und Psychologie überhaupt dem kundigen Lehrer an unserer Stelle nicht verwehrt sein: die Aufgabe bleibt, den ästhetischen Eindruck so rein wie möglich dem Schüler zu Gemüth zu bringen.
2) Die Ameis'sche Ausgabe verweist zu v. 291 auf den kritisch-exegetischen Anhang des Heraus- gebers. Sehen wir dort nach, so werden wir„über den Zweck der folgenden Episode und darauf bezügliche Darstellungen“ weiter verwiesen auf Brunn, troische Miscellen pag. 78. Nachdem wir uns nach der be- treffenden Schrift umsonst am Platze umgethan, kommen wir jetzt endlich durch Güte in den Besitz der betreffenden Stelle. Wir fragen: wenn der Lehrer von einem Commentar für die Schule so von Pontius zu Pilatus geschickt wird,— solche Winke sollen denn doch wohl nicht dem Schüler gelten?— um sich zu guterletzt auf eine Specialschrift verwiesen zu sehen, die kaum Einem und dem Anderen zugänglich ist, statt dass die betreffende Deutung in ewtenso oder wenigstens inhaltlich mitgetheilt wird, wir fragen: wird damit nicht, mag der Commentator jener Deutung zustimmen oder nicht, unwidersprechlich bewiesen die gerügte Unterschätzung der von uns gestellten Cardinalforderung an den Interpreten?— Mag der Leser entscheiden, ob Brunn oder wir es mit der Deutung unserer Scene richtiger getroffen! Brunn sagt:„Od. kehrt in die Heimath zurück, unerkannt von Freund und Feind; selbst die Treusten— sie bedürfen der äusseren Zeichen, um Gewiss- heit seiner Rückkehr zu erlangen— sie, die mit Vernunft begabten Wesen. Diesen menschlichen Zweifeln gegenüber tritt uns der Hund entgegen, ein Zeuge höherer Art für Od.— der natürliche Trieb des Thieres täuscht sich nicht— nach der Erkennung durch den Hund ist Odysseus als Herr des Hauses so zu sagen legitimirt. Nachdem dieses Zeugniss gegeben, konnte der Dichter den Hund sterben lassen; er musste es beinahe, damit der Hund nicht zum Verräther würde.“— Also der„Hund“ als„Zeuge höherer Art“ muss„menschlichen Zweifeln gegenüber“ „Odysseus so zu sagen als Herrn des Hauses legitimiren“? Wir fragen billig: vor wem? Wer nimmt denn Act von unserer Scene? Einmal: Eumäus. Aber Eumäus darf ja zur Zeit den Herrn noch gar nicht erkennen, und rafft sein Herr zu dem Ende seine ganze Seelenstärke zusammen, um den unbetheiligten Beobachter zu spielen.


