— 15—
hellenistischer Zeit ein ganzes Bauwerk, wie das s. g. Zachariasgrab, durch Herausarbeiten aus dem gewachsenen Felsen her(8. Kümmel p. 187).
In den plötzlich verlassenen Steinbrüchen erhalten wir einen Einblick in das Verfahren der römischen Steinmetzen, am Felsberg in der Bergstrasse, in Assuan an der Grenze Nubiens und im syrischen Baalbek: Nachdem man durch Versuchsbohrungen die Schichtstärke der Blöcke festgestellt hatte, wurden diese von ihrem Lager losgelöst und auf drei Seiten zugehauen, während die vierte, die an der Versatzstelle nach innen zu liegen kommen sollte, unbearbeitet blieb. Die Technik ist bewunderungswürdig, und die Genauigkeit der Stossfugen fällt besonders auf.
Aus drei Schichten solcher Quadern sollte also das Tempel- podium aufgerichtet werden. An den versetzten Steinen der Unter- schicht stehen noch die Bossen zur Ausarbeitung des Fussprofils, der Plinthe und eines Teils vom Schaft. Die zweite Schicht, von der noch ein Stück auf der Westseite erhalten ist, sollte den Rest des Schaftes abgeben, die dritte, aber nirgends mehr vorhandene Reihe, war augenscheinlich zur Herstellung des Kopfprofils be- stimmt. Diese muss aber schon frühzeitig verschwunden oder überhaupt noch nicht versetzt worden sein, da auf der Südseite die Schuttmassen schon über der untersten Schicht beginnen.
So war der Unterbau beschaffen, auf dem der Tempel empor- strebte. Sechs gigantische Granitsäulen mit ihrem Gebälk haben aber allein dem Sturm der Zeit getrotzt. Alles Ubrige liegt in Trümmern oder ist in Bauten der späteren Zeit von neuem ver- wendet worden. Kaum die Lage der Cella und des Adyton hat sich noch feststellen lassen. Aber nicht Menschenhände, nur verheerende Erdbeben, die vom Jahre 529 an bis 1837 oft genug das Land heimsuchten, haben den Riesenbau zu Fall gebracht. Die Säulenbasen sind so hoch, dass ein grosser Mann ihre Ober- fläche nicht mit den Fingerspitzen zu erreichen vermag. Die darauf- gestellten unkannelierten Granitschäfte messen 2 m im Durch- schnitt und ragen 19 m hoch empor. Aber trotzdem sind sie nur aus 3 verdübelten Monolithen zusammengesetzt, von denen ein jeder 6 m lang ist. Zusammen mit Basis, Kapitell und Gebälk kommen diese Säulen mit 26 ½ m fast an die Schaft- höhe der Trajansäule heran, die 27 m misst, aber aus 18 einzelnen Trommeln zusammengesetzt ist. Auf den reichen korinthischen Kapitellen liegt der Architrav und darüber ein konsolengeschmückter


