Aufsatz 
Zur Kritik des II. Buches der Gesta Friderici von Otto von Freising / von Karl Lindt
Entstehung
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Zur Kritik des II. Buches der gesta Friderici von Otto von Freising.

Von Oberlehrer Professor Dr. Karl Lindt.

1 ber den hervorragenden Wert der gesta für die Geschichte der ersten Regierungs- jahre Friedrichs I. besteht heutzutage kein Zweifel. Darin stimmen Wattenbach, Grotefend und Lüdecke ¹) überein.

Nun hat, wie Grotefend feststellt²), in dem 2. Teile des II. Buches der gesta, in dem Abschnitte von der Mitte des 11. 26. Kap., bei der Beschreibung des ersten Romzugs Barba- rossas, Otto von Freisingdurchweg, selbst in Einzelheiten seiner Schilderung ³) einen Brief zu Grunde gelegt, der, aus der kaiserlichen Kanzlei hervorgegangen, einen kurzen Abriss von dem Verlauf jenes Römerzuges giebt.

Aber trotz des Umstandes, dass Otto sich durchweg eng an seine Quelle anschliesst, dürfte doch nicht zu leugnen sein, dass die gesta nicht nur hie und da wichtige Zusätze machen, dass sie auch mitunter in wesentlichen Punkten ihrer Vorlage widersprechen. Dies will ich im folgenden zu begründen versuchen.

Im Kap. 11 der gesta schildert zunächst Otto von Freising den Alpenübergang. Während aber seine Vorlage nur kurz feststellt¹), dass Friedrich mit starker Heeresmacht in die Poebene eingerückt sei, vergisst der Bischof von Freising nicht zu erwähnenb), dass während des Alpenübergangs Mangel an Lebensmitteln die deutschen milites veranlasste,einige geheiligten Orte zu berauben.

An eine ausführliche Erzühlung der Heeresmusterung auf den Ronkalischen Feldern (Kap. 12), auf die näher einzugehen hier keine Veranlassung vorliegt, schliesst sich dann in dem Kap. 13 der gesta die berühmte Darstellung der Geschichte Italiens an. Auch im Ver- lauf dieser Schilderung setzt sich Otto in einem Punkte im Gegensatz zu seiner Vorlage.

1) Wattenbach, Geschichtsquellen. 1. Auflage 1858. p. 354. Letzte Aufl. II, 278 ff. Grote- fend, der Werth der gesta Friderici imperatoris des Bischofs Otto von Freising für die Geschichte des Reichs unter Friedrich I. 1870. Lüdecke, der historische Werth des ersten Buches von O. v. F. Gesta Friderici. Diss. Hal. 1884. Forts. als wissenschaftliche Beilage zum Programm des Gymnas. zu Stendal. 1885. 2) a. a. O. p. 48. 3) a. a. O. 4)§S. XX, p. 348. expeditionem Romam movimus, et in valida manu Longobardiam intravimus. 5) a. a. O. p. 395. Cap. 11. Denique miles per claustra montium transiens, dum penuriam magnam pateretur, nonnulla sacra leca violarat.

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