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ihn, soweit z. B. Verkehrsmittel und andere Einrichtungen des Nachrichtendienstes in Betracht kommen, auf die ungeheure Überlegenheit der Jetztzeit gegenüber dem Altertum aufmerksam zu machen. Es wird aber auch für ihn doppelt interessant sein, zu sehen, dass wir andrer- seits nach 2 ½ Jahrtausenden noch manches von den Völkern des Altertums lernen können.
Beim Aufenthalt am Euphrat beschaffen sich die Soldaten des Cyrus Nahrungsmittel aus der jenseits des Flusses gelegenen Stadt Charmande, indem sie auf Flössen über den Fluss setzen, die sie auf folgende Weise herstellen:„Sie stopften die Felle, die sie zu Decken prauchten, mit Heu aus, zogen und nähten sie dann zusammen, dass das Wasser nicht an das Heu kommen konnte, und fuhren so über den Fluss, um sich Lebensmittel, nämlich Palm- wein und Buchweizenbrod, zu holen.“(5. 10.)
Bis auf den heutigen Tag bildet der Ubergang über einen grösseren und tiefen Fluss eine der schwierigsten Aufgaben für ein Heer, wenn eine Brücke nicht vorhanden oder wenn eine vorhandene zerstört ist. Selbstverständlich sind unsre Brückentrains im stande, in den meisten Fällen in verhältnismässig kurzer Zeit eine brauchbare Brücke zu liefern. Immerhin kommt es häufig vor, dass diese Trains nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht zur Stelle sein können, und der Truppe bleibt die Aufgabe, mit vorhandenem Material ihren Ubergang selb- ständig zu bewerkstelligen. Die Kavallerie benutzt in diesem Fall ihre Faltboote, die die Mannschaften aufnehmen, während die Pferde den Fluss durchschwimmen müssen. Der In- fanterie fehlt ein solches Hilfsmittel, sie ist auf ihre eignen Kräfte angewiesen für den Fall, dass Fahrzeuge oder Material zu Flössen nicht beschafft werden kann. Unsere Heeresverwaltung war bestrebt, auch hierfür Vorkehrungen zu treffen, indem sie das Beispiel der Griechen bei Charmande getreulich nachahmen liess. Die„Tllustrierte Zeitung“, Band 105, Nr. 2718 vom 3. August 1895 brachte einen durch treffliche Bilder erläuterten Aufsatz über„Wasserübungen der„Sommerpioniere“ auf der Oberspree.“ Dort heisst es von den selbstverfertigten Uber- setzfahrzeugen:„Sie müssen aus unvorbereitetem, vorgefundenen Material unter Zuhilfenahme der dem Infanteristen überwiesenen Armatur- und Ausrüstungsgegenstände hergestellt werden; die ausbildenden Ingenieure strengen daher ihr ganzes Genie an in der Ersinnung von aller- hand Überfahrts- und UÜberbrückungsmitteln. Als ein treffliches Mittel zur Erreichung des gedachten Zwecks hat sich neuerdings das Zeltdach bewährt, dessen einzelne Bahn zur Aus- rüstung des modernen Fusssoldaten gehört. Die wasserdichte Zeltbahn wird voll Stroh ge- packt, mittelst der an ihr befindlichen Haken und Osen festgeschlossen und schlankweg als Wassergefährt benutzt, das sehr wohl einen ausgewachsenen Mann zu tragen imstande ist. Geübte Schwimmer bedienen sich dieses hydraulischen Strohsacks als Stütze, dem sie als eigent- liche Traglast nur das Gewehr anvertrauen, um es so trocken ans jenseitige Ufer zu bringen. Mehrere solcher Schwimmsäcke, durch Stangen mit einander verbunden, lassen sich als voll- kommenes Floss verwenden, nachdem man das Ganze mit einem Bretterbelag bedeckt hat; ein derartiges Floss aus 24 Zeltsäcken zusammengefügt, vermag ganz gut eine Abteilung von 20 feldmässig ausgerüsteten Soldaten zu tragen.“
Entweder hier, bei der Beschreibung der seltsamen Strohsackflösse, auf denen die Griechen bei Charmande über den Euphrat fahren, oder II. 4. 28, bei der Erwühnung der 07*Lo ip degtvat, auf denen Brod, Käse und Wein über den Tigris gefahren werden, oder spätestens III. 5. 8 ff., bei der Besprechung des Projekts eines Rhodiers, der die Griechen auf einer Schiffbrücke aus Tierfellschläuchen über den Fluss bringen will, muss den Schülern erzählt werden, dass die Flussschifffahrt auf dem Euphrat und Tigris bis auf den heutigen Tag noch vermittelst solcher Schlauchflösse betrieben wird. Jener Rhodier will Schlacht- und Zugtiere abhäuten, ihre Felle zu Schläuchen aufblasen, diese zusammenbinden und mit Reis- holz und Erde bedecken, sodass eine Flossbrücke daraus entsteht. Fast genau mit denselben


