20 sicherung, Tuε*,EvGc, zu marschieren. Am dritten Tag nimmt er selbst wieder sorglos auf seinem Wagen Platz und hat nur wenige Mannschaft v räéet vor sich. Der grösste Teil des Heeres marschiert dyareraoεeoy, ohne Marschordnung, und die Waffen der Soldaten werden bereits wieder auf Wagen oder Lasttieren befördert.¹1) Und niemand ahnt, dass ein paar Kilometer davon ein riesiges Heer sich zur Schlacht aufstellt.
Wie überall, so fällt auch in dieser Beziehung ein Vergleich zwischen der Marsch- ordnung der griechischen Fremdenlegion und der Legionen Cäsars durchaus zu gunsten der Römer aus. Schon bei seinen ersten militärischen Massnahmen in Gallien, bei der Verfolgung der Helvetier, sichert Cäsar seinen Vormarsch durch eine Kavalleriedivision, deren Aufgabe es ist, in steter Fühlung mit dem Feind zu bleiben(qui videant, quas in partes hostes iter faciant, I. 15. 1.) und die Verbindung mit der eignen Truppe aufrecht zu erhalten.
Bei der Vernachlässigung der allereinfachsten Gebote der Sicherung trotz der unmittel- baren Nähe des Feindes ist es kein Wunder, dass auf die plötzliche Meldung vom Heranrücken des Feindes grosse Verwirrung, xονλ ¹ανα, entsteht, und dass die Griechen mit Recht fürchten, der König werde sie in dieser allgemeinen Unordnung angreifen, raνεοεςι ριν 21oa, d. h. bevor die Gefechtsbereitschaft, sιμιοαέα, hergestellt sei.
Das Heransprengen des IIaribα— dXabyy Ayd o 1O5yLI T c, 8. 1.— und seine erregte Meldung erinnert einigermassen an die Szene, wo Considius— equo admisso— angaloppiert kommt und eine wichtige, aber falsche Nachricht bringt(I. 22. 3.).
Kommt man bei dieser oder einer ähnlichen Gelegenheit auf die Vermittlung von Meldungen und Befehlen und auf Nachrichtendienst überhaupt zu sprechen, so kann sehr wohl die Cäsarstelle(VII. 3.) herangezogen werden, wo erzählt wird, wie rasch die Kunde von wichtigen Ereignissen„clamore per agros regionesque“ verbreitet wird, sodass Vorgänge, die sich frühmorgens in Cenabum abspielen, schon vor 9 Uhr Abends 240 km weiter, im Land der Arverner bekannt sind; ebenso kann daran erinnert werden, wie am römischen Limes entlang von Station zu Station Zeichen gegeben wurden. Ausserdem könnte gelegentlich mit einigen Worten darauf hingewiesen werden, welche Hilfsmittel heutzutage der Kriegskunst bei der Beförderung von Meldungen und Befehlen zu Gebote stehen. Der optische Signal- apparat,— unter Umständen nur aus fahnenschwenkenden, in entsprechenden Entfernungen aufgestellten Leuten bestehend,— fängt an zu arbeiten; der Feldtelegraph spannt hurtig seine Drähte den Strassen entlang, und, wenn nötig, über Stock und Stein; der Heliograph giebt auf weite Entfernungen hin seine Zeichen; der Späher im Fesselballon meldet vermittelst seines Telephons aus luftiger Höhe jede Bewegung und Veränderung bei Freund und Feind zur Erde; selbst die Tierwelt, die Brieftaube und der Kriegshund, findet als Depeschenträger Verwendung. Auf dem Schienenweg saust der Eilzug dahin und befördert tausende von schriftlichen Befehlen und Meldungen, das flinke Torpedoboot vermittelt den Nachrichtendienst zwischen Flotte und Hafen, während die Kriegsschiffe auf hoher See Flaggen-, Laternen- und Raketensignale austauschen, auf der Landstrasse jagen Radfahrer und Automobile aneinander vorüber,— und alles, weil im Krieg so ausserordentlich viel auf rechtzeitige und zuverlässige Nachrichten, über den Feind und von der eignen Truppe, ankommt.
Es wird sich bei der Lektüre der alten Schriftsteller oft Gelegenheit bieten, den Schüler auf den Unterschied zwischen antiker und moderner Kriegführung hinzuweisen und
1) Dass Ausrüstungsstücke der Soldaten nachgefahren werden, ist bei uns nur eine Ausnahme.„Das Fahren der Tornister gewährt naturgemäss eine bedeutende Erleichterung und steigert dementsprechend die Marschleistung. Die damit verbundene grosse Vermehrung der Bagage beschränkt diese Massregel indessen auf Ausnahmefälle und kleinere Verhältnisse“. Felddienst-Ordnung Nr. 202.


