Aufsatz 
Kurze geschichtliche Darstellung der alten lateinischen Schule und des darauf gefolgten ehemaligen Pädagogs zu Dillenburg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

beſchloſſen, im Jahr 1812 als Collaborator an die lateiniſche Schule zu Ha⸗ chenburg berufen, und demnaͤchſt, nach dem im Monat Juny 1814 erfolgten Tode des Magiſter Trepka, als Magiſter an dem Paͤdagogium zu Dillenburg

angeſtellt. §. 6.

Gründung des neuen Pädagogs bieſelbſt, Stifter, umfaſſender Zweck.

Durch das hoͤchſtverehrliche Edikt unſeres Durchlauchtigſten und gnaͤdig⸗ ſten Herzogs Wilhelm zu Naſſau, vom 24ten Maͤrz 1817, wurde hier ein neues Paͤdagogium errichtet. Die weiſen und wohlthaͤtigen Beſtimmungen darin, wie in der darauf folgenden Schul⸗Verordnung, ſind bekannt und for⸗ dern zur tiefſten Ehrfurcht und Dankbarkeit auf.

Es ſey mir erlaubt, mit Ruͤckſicht auf die vorigen Bildungsanſtalten, einige Bemerkungen hieruͤber zu machen:

1) Kurz nach der Reformation waren die gelehrten Schulen wohl nur fuͤr die Bildung der noͤthigen Geiſtlichen berechnet. Nachher wurde ihr Zweck aus⸗ gedehnt. Dennoch blieb derſelbe zu beſchraͤnkt und gereichte nur den zum Studiren beſtimmten Juͤnglingen hauptſaͤchlich zum Vortlall.

Nach der jetzigen Einrichtung iſt aber der Jugendunterricht allen Staͤn⸗ den mit gleicher Gnade dargeboten und fuͤr jede kuͤnftige Laufbahn zweck⸗ maͤßig eingerichtet.

2) Die verordneten, vorher nicht uͤblichen monatlichen Conferenzen koͤnnen groͤſ⸗ ſere Theilnahme der Lehrer fuͤr das Wohl der Schule erregen, ſie dienen zur genaueren Kenntniß der Schuͤler, halten dieſe wirkſam zur Ordnung an und von Vergehungen ab, laſſen Lehrmaterialien auffinden und die Lehrmethode beſſern und dienen uͤberhaupt zur wechſelſeittgen Ausbildung der Lehrer.

3) Die Hauptlehrer vereinbaren ſich uͤber die Uebernahme der Unterrichtsge⸗ genſtaͤnde. Auch hierdurch kann groͤßerer Erfolg im Lehramte entſtehen, weil die aus freyer Wahl unternommene Arbeit am beſten gelingt.