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Siedepunkt. Wird die Luft durch starkes Erhitzen des Glases weggetrieben, oder entfernt man die Luft und die Unreinlichkeiten an der Geſässwand durch Kochen mit Schwefelsäure, so wird die Adhäsion vergrössert und der Siedepunkt erhöht. Dies sind die Ansichten von Marcet.*
Der Einfluss, welchen die im Wasser enthaltene und an den Gefässwänden sitzende Luft auf die Höhe des Siedepunkts ausübt, ist einige Jahre später von Donny einer genauen Untersuchung unterzogen worden ¹). Er construirte zu diesem Zweck sogen. Wasserhämmer, d. i. geschlossene, luftleere Glasröhren, welche mit möglichst luftfreiem Wasser gefüllt sind und wies nach, dass man mit Hülfe derselben sehr be- trächtliche Siedeverzüge herstellen könne.
Die Wasserhämmer construirte Donny auf folgende Weise: Einige Zoll vom ge- schlossenen Ende einer Glasröhre wurde eine Kugel angeblasen und darauf das obere Ende in eine lange Haarröhre ausgezogen, so dass das Ganze die Gestalt Fig. 1 an- nahm. Hierauf wurde das Ende X und die Kugel B erhitzt und das Ende E rasch in destillirtes, kochendes Wasser getaucht. Beim Erkalten stieg das Wasser in der Röhre E S empor und floss in die Röhre B X. Nachdem diese Operation mehrmals wiederholt worden, hatte sich die ganze Röhre B X mit Wasser gefüllt. Nunmehr wurde das Ende E des Wasserhammers in Quecksilber getaucht und alsdann abwechselnd die Kugel B und das Ende X erhitzt. Dadurch war es möglich, alle Luft aus der Röhre und dem Wasser zu entfernen.(Wenn das Ende X erhitzt wird, so bildet sich der Wasserdampf meist plötzlich und oft in so grosser Menge, dass die Kugel B zer- springt.) Beim nachherigen Erkalten stieg das Quecksilber in der Röhre S E auf und es wurde nun dicht über der Kugel B die Röhre abgeschmolzen. Doch aber ent- hielt das Wasser immer noch einige Luft and um diese möglichst zu entfernen, führte Donny gegen das Ende X des Wasserhammers(Fig. 2) Stösse aus, durch welche eine Anzahl Luftblasen aus dem Wasser in die Höhe getrieben wurden. Man darf die Operation erst als beendigt ansehen, wenn durch erneute Stösse keine Luftblasen mehr aufsteigen und man beim Hin- und Herbewegen der Röhre das heftige, hammerartige Anschlagen des Wassers an die Röhrenwände bemerkt.
Stellt man hierauf den Wasserhammer in eine heisse Salzlösung, so beginnt das Kochen des Wassers in dem Hammer manchmal erst bei 135 ⁰; der Dampf bildet sich nicht selten plötzlich und in so grosser Menge, dass der Wasserhammer zerspringt. Noch leichter entstehen in offenen Röhren Explosionen. Stellt man einen Wasser- hammer zunächst in siedendes Wasser, damit sich in dem Hammer Dampf von einer Atmosphäre Spannkraft bildet und sprengt man nun die Kugel B ab, so explodirt oft die Röhre M, wenn man sie mittelst einer Spiritus- oder Glaslampe, oder noch besser im Oelbad erhitzt, indem sich eine ausserordentlich grosse Dampfmenge auf einmal bildet.
¹) Donny, Sur la cohésion des liquides ete., Ann. de chim. et de phys. S8ér. III, t. XVI. p. 167 (1846).


