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Da beim Anfang des Sommerhalbjahres die Unter-Tertia von mehr Schülern besucht war als die beiden Coetus der Quarta, so wurden die letzteren vereinigt, und dagegen Unter-Tertia in zwei Parallel-Coetus getheilt.
Die Vorbereitungs-Klasse, welche, kurz nach der Gründung des Gymnasiums eingerichtet, in ihren äusseren Verhältnissen immer als eine besonders für sich bestehende Abtheilung behandelt worden ist, wurde mit Genehmigung der vorgesetzten Behörden zu Neujahr 1855 in jeder Beziehung auf das Engste mit der Anstalt vereinigt und erhielt deshalb den Namen einer Sexta. Nur wird noch während der Jahre 1855 und 1856 ihr Etat getrennt von dem des Gymnasiums verwaltet werden; später wird eine Vereiunigung derselben mit dem Gymnasial-Etat statt finden.
Im Lehrer-Collegium hat nur die eine Veränderung stattgefunden, dass der Oberlehrer an der hiesigen Realschule Dr. Löwenthal, der nach seinem Abgang vom Gymnasium noch einen Theil des französischen Unterrichts beibehalten, sich seiner anderweitigen amtlichen Thätigkeit wegen genöthigt gesehen hat, denselben gegen Ende Octobers v. J. aufzugeben. Lehrer und Schüler sahen ihn mit Bedauern von der Anstalt scheiden; das räthselhafte Schicksal, das ihn später getroffen, hat uns alle mit starrem Entsetzen ergriffen.
Die Zahl der Schüler der Sexta war seit Michaelis 1854 so bedeutend und namentlich war im Lateinischen deren Verschiedenheit so gross, dass seit Neujahr 1855 ungefähr zwanzig der schwäch- sten Schüler in diesem Lehrgegenstande von den übrigen getrennt unterrichtet werden mussten, da- mit sie selbst mehr gefördert und die übrigen durch sie im Fortschreiten nicht gehemmt würden. Der Candidat Brossmann übernahm den Unterricht der zweiten Abtheilung.
Im Laufe des Sommers 1854 hat der schon längst gehegte Wunsch, dass die Gehalte der Lehrer auf eine für diese vortheilhafte Weise geordnet würden, befriedigt werden können. Es wurde bestimmt, dass das Gehalt eines jeden fest angestellten Lehrers bis zum zweiten hinauf 50 Rthlr mehr als dasjenige des in der Reihenfolge unmittelbar hinter ihm stehenden betrüge.
In der Angelegenheit des Neubaus des Gymnasiums hat im Laufe des Schuljahrs eine För- derung nicht eintreten können.
Der Professor Schönborn hat sich leider durch Unwohlsein genôthigt gesehen, die Leitung des Turn-Unterrichts, den er mit so grossem Erfolg fast zehn Jahre lang geführt hatte, wenigstens fur einige Zeit aufzugeben. Dieser Unterricht ist an seiner Stelle von dem Lehrer Hielscher und dem Primaner Paulcke ertheilt worden.
Am 24. Mai v. J. machten die Lehrer mit den Schülern der oberen Klassen den Maigang nach der Rosenmühle.
Bei der Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs sprach der Unterzeichnete über die Einheit der Schule trotz der in ihrem Wesen herrschenden Verschiedenheiten, und verglich diese Einheit mit der des Staates, welcher durch die waltende Hand des Königs als ein grosses Ganze zu- sammengehalten werde. Die Schüler des Gymnasiums betheiligten sich bei dieser Feier durch den Gesang musikalischer Stücke.
Am 31. October v. J. wurde das Reformationsfest von den evangelischen Lehrern und Schü- lern gefeiert. Der Gymnasial-Lehrer Dr. Krahner hielt eine Rede, in welcher er die Nothwendig- keit und die Bedeutung der Reformation auseinandersetzte. Darauf ertheilte der Herr Ober-Prediger Hertwig den Lehrern und Schülern in der Kreuzkirche das heilige Abendmahl.
Am 17. Februar d. J. fand in Gegenwart von Zuhörern die Aufführung des ersten Theiles des Oratoriums Paulus von Mendelssohn-Bartholdy unter Leitung des Oberlehrers Ritschl statt.
Durch den Tod verlor die Anstalt den Quartaner Kunkel, welcher am 28. Juni beim Baden in der Warthe ertrank. 9


