Aufsatz 
Physikalische Versuche / von August Köhler
Entstehung
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6. Zur Geſchichte der Anflalt.

Zu Oſtern 1897 wurde die Unterſekunda des Progymnaſiums eingerichtet. Dadurch war die Einſtellung eines weiteren klaſſiſchen Philologen notwendig geworden. Die Behörde überwies uns zu dieſem Zwecke den Lehramtsacceſſiſten Karl Zimmer aus Darmſtadt.

Karl Zimmer, geboren zu Friedberg(Heſſen) am 8. Dezember 1869, beſtand Oſtern 1890 die Reifeprüfung am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt und ſtudirte darauf an der Univerſität Gießen klaſſiſche Philologie, Deutſch und Geſchichte, in welchen Fächern er im Sommer 1894 das Staatsexamen beſtand. Bis zum Frühjahr 1895 war er jour⸗ naliſtiſch thätig und trat dann in das mit dem neuen Gymnaſium zu Darmſtadt verbundene pädagogiſche Seminar ein, deſſen Mitglied er bis Oſtern 1896 war. Nachdem er ſeiner Militärpflicht genügt hatte, wurde er Volontär am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium. Vom 26. April 1897 an ward ihm die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrſtelle an der Realſchule und dem Progymnaſium zu Bingen übertragen.

Im Laufe des Sommerhalbjahres erlitt die Anſtalt einen ſchweren Verluſt. Der Großh. Reallehrer Fleiſchhauer erlag am 9. Juli 1897 zu Bad Neuenahr einem tückiſchen Nieren⸗ leiden. Seine ſterbliche Hülle wurde zu Neuenahr beſtattet. Der Direktor und eine Abordnung des Lehrercollegiums gaben dem ſo früh dahingeſchiedenen Kollegen das letzte Geleit und legten im Namen von Schülern und Lehrern Kränze am Grabe nieder. Das Andenken an den treuen Kollegen und tüchtigen Erzieher wird im Herzen Aller, die ihn gekannt haben, fortleben. An ſeine Stelle kam der Lehramtsacceſſiſt Dr. Philipp Männchen.

Dr. Philipp Männchen, geb. am 11. Oct. 1869 zu Hohen⸗Sülzen(Kreis Worms), beſtand im Auguſt 1888 die Reifeprüfung am Großh. Realgymnaſium zu Worms. Seit 20. Nov. desſelben Jahres bekleidete er eine Stelle als Schulverwalter an der Stadt⸗ Mädchenſchule in Gießen. Am 1. Mai 1894 trat er aus dem Schuldienſt aus und ſtu⸗ dierte in Gießen Mathematik, Phyſik, Geographie und Deutſch. Am 3. Auguſt 1896 er⸗ hielt er in den genannten Fächern die facultas docendi. Mit Rückſicht auf ſeine frühere Lehrthätigkeit wurde ihm vom Großh. Miniſterium d. J. das erſte Acceßjahr erlaſſen und am 1. Oct. 1896 wurde ihm die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle am Großh. Realgymnaſium in Mainz übertragen. Am 21. Sept. 1897 wurde er an die Großherzogl. Realſchule in Bingen verſetzt.

Eine weitere Veränderung erlitt der Lehrerbeſtand der Anſtalt durch den Weggang des Kollegen Georg Nehb, der ſich beurlauben ließ, um in Gießen neuere Philologie zu ſtudieren. Sehr ungern ſahen wir den langjährigen, tüchtigen und ſtrebſamen Kollegen und Freund von uns ſcheiden, und groß war der Schmerz unſerer Kleinſten, die in ihm den geliebten Führer ihrer erſten Schuljahre verloren. Möge ſein ernſtes Vorwärtsſtreben von beſtem Erfolge gekrönt ſein. Zu ſeiner Vertretung wurde uns der Lehramtsacceſſiſt Georg Bock aus Bensheim überwieſen, der am 10. November eintrat.

Georg Bock, geb. am 8. Febr. 1872 zu Bensheim, beſtand Oſtern 1892 am Gym⸗ naſium daſelbſt die Reifeprüfung. Sodann widmete er ſich an den Univerſitäten Straß⸗ burg und Gießen dem Studium der klaſſiſchen Philologie. Oſtern 1896 verließ er die Landesuniverſität mit der Facultas für klaſſiſche Sprachen, Deutſch urd Geſchichte. Seinen Acceß abſolvierte er am pädagogiſchen Seminar zu Darmſtadt. Während ſeines Volontär⸗ jahres war er abwechſelnd am Gymnaſium zu Bensheim und am Realgymnaſium zu Darmſtadt thätig. Vom 15. Mai bis zum 10. October 1897 war er für eine Hauslehrer⸗ ſtelle in Reinheim i. Od. beurlaubt. Am 10. November desſelben Jahres wurde ihm die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrſtelle an der Realſchule zu Bingen übertragen.

Auch Herr Pfarraſſiſtent Scriba verließ uns zu Beginn des Winterhalbjahres, um eine Pfarrſtelle in Groß⸗Winternheim zu übernehmen. Dem treuen Seelſorger, dem zuverläſſigen Kollegen