29
Knieß für einen Teil seiner Stunden der Kand. des höheren Schulamts Herr Dr. Unbehaun in dankenswerter Weise der Schule ihre Kraft zur Verfügung gestellt. Im Herbst 1900 trat Herr Dr. P. Sack zur Ableistung des Probejahres in unsere Anstalt ein.
Der Tod hat in den Kreis unseres Lehrerkollegiums ganz unerwartet eine tief schmerzliche Lücke gerissen. Am Vorabend des Weihnachtsfestes starb nach kurzer Krank- heit Herr Professor Dr. Valentin, eines der ältesten Mitglieder des Lehrerkollegiums unserer Anstalt, ein Mann von außerordentlich großen Verdiensten wie um das geistige Leben unserer Vaterstadt, so auch um das der Anstalt, der er 30 Jahre lang seine treuen Dienste gewidmet hat. Zahlreiche Generationen dankbarer Schüler, denen der Verstorbene aus einem reichen Schatze vielseitigen Wissens tiefgehende Anregung fürs Leben gegeben hat, werden mit den Mitgliedern des Lehrerkollegiums und mit den Freunden der Wöhlerschule um den Dahin- gegangenen trauern; an dem Begräbnis, bei dem der Unterzeichnete im Namen des Lehrer- kollegiums einen Kranz auf dem Grabe niederlegte, konnte nur ein Teil unserer Schüler teil- nehmen; am 8. Januar fand eine Trauerfeier in der Aula der Anstalt statt, bei der Herr Prof. Marx dem Andenken Prof. Valentins herzliche Worte der Erinnerung widmete.
Mit dem Schluß des Schuljahres werden aus dem Kreise unseres Lehrerkollegiums 2 langjährige und hochverdiente Mitglieder ausscheiden, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Es sind dies die Herren Professor August Schlimbach und Karl Berger. An ver- schiedenen Stellen unserer Anstalt thätig, haben dieselben in gleich erfolgreicher und segens- reicher Thätigkeit zahlreiche Generationen von Schülern zu pleibender Dankbarkeit verpflichtet und sind dem Lehrerkollegium der Wöhlerschule allezeit treue Freunde und Genossen ge— wesen; möchte den beiden um unsere Anstalt so wohlverdienten Männern noch eine lange Reihe glücklicher Jahre der Ruhe nach ihrer segensreich verbrachten amtlichen Thätigkeit beschieden sein!
Auch der bisherige wissenschaftliche Hilfslehrer an der Anstalt Herr Dr. Friedland wird uns zu Ostern verlassen, um an der höheren Mädchenschule zu Bromberg als Ober- lehrer einzutreten; alle Angehörigen der Anstalt werden dem liebenswürdigen und pflicht- treuen Mann ein freundliches Andenken bewahren; unsere besten Wünsche begleiten ihn auf dem neuen Lebensweg.—
Tief schmerzlich wirkte auf Lehrer und Schüler der Anstalt der jähe Verlust eines unserer tüchtigsten und hoffnungsvollsten Schüler, des Oberprimaners Adolf Meyer, der am 17. August 1900 an den Folgen einer Darmentzündung gestorben ist. In ehrenvollster Weise und zur größten Freude seiner Eltern wie seiner Lehrer hatte der Verstorbene seine Lauf- bahn an der Anstalt als einer unserer strebsamsten und erfreulichsten Schüler bis kurz vor das Ziel der Reife durchlaufen. Wer dem Verstorbenen näher getreteu war, mußte sich mit Freuden sagen, daß hier ein ganz hervorragendes Talent, verbunden mit ganz besonders er- freulichen Gemütsanlagen in der schönsten Weise zur wissenschaftlichen Reife herangebildet war. Um so trauriger waren die Gefühle aller Beteiligten, als wir den braven Jüngling am 20. August zum Grabe geleiteten.
Schmerzliche Erwähnung bedarf auch an dieser Stelle der Verlust, den das höhere Schulwesen unserer Stadt im Laufe des Herbstes durch den Tod des Herrn Stern erlitten hat. Nicht nur als Mitglied des Kuratoriums der höheren Schulen hat Herr Stern auch zu unserer Anstalt in Beziehung gestanden, sondern er hat der Wöhlerschule stets ein warmes Interesse gezeigt. Verdanken wir doch seiner freundlichen Schenkung das von Herrn Otto Donner's Künstlerhand ausgeführte Bildnis Kaiser Wilhelm I., das in unserer Aula den Ehren- platz einnimmt. Das Andenken des trefflichen Mannes wird an unserer Anstalt stets in Ehren bleiben.
Am 8. März hatte der Direktor die Freude, im Namen der Anstalt das hochverdiente langjährige Mitglied der Städtischen Behörde Herrn Stadtrat Beck zu seinem 80. Geburtstage beglückwünschen zu dürfen.
Dem verehrlichen Vorstand der Handelskammer ist die Anstalt auch in diesem Jahre für die Zusendung seiner Veröffentlichungen und für die Gewährung freien Eintritts in das


