dass ihr Enkel Victorinus II. von seinem Vater, dem Kaiser, kurz vor seiner Ermordung zum Kaiser bestimmt wurde(um 272), aber die Soldaten tödteten auch ihn 181).
Nun veranlasste Victorina, welche auch den Titel Augusta erhalten hatte, durch ungeheure Geldspendungen die Soldaten, dass ihr Verwandter Gaius Pius Esuvius Tetricus, Statthalter zu Aquitania, zum Kaiser und sein junger Sohn Tetricus zum Cæsar ernannt wurden. Der Kaiser war ein thätiger Mann und hielt sich längere Zeit in seiner Stellung, wiewohl der præses Faustinus die Soldaten gegen ihn reizte. Diess war mit Schuld, dass, als der Kaiser Aurelianus, nachdem er fast alle Nebenkaiser unterworfen oder weggeschafft hatte, Tetricus vorzog seine Würde frei- willig abzulegen; er rückte zwar dem herankommenden Aurelianus bis Chalons entgegen, trat aber mit ihm in schriftliche Unterhandlung und übergab ihm bald sein Heer und sich selbst, worauf er nach zweijähriger Regierung im Triumph zu Rom aufgeführt wurde(274); doch bald schämte sich Aurelianus dieses Benehmens und machte den Tetricus zum Statthalter von Italien, liess ihm seine Würden und nannte ihn manchmal Kollege oder gar Kaiser. Auch der junge Tetricus, wie- wohl ebenfalls im Triumph aufgeführt, bekleidete senatorische Würden und wurde ein sehr reicher Mann. Victorina scheint, während Tetricus im südlichen Gallien war, am Rhein geherrscht zu haben; in Trier liess sie viele Münzen schlagen. Ob sie noch unter Tetricus getödtet oder eines natürlichen Todes gestorben sei, ist nicht bestimmt.
Hiermit endete die Regierung dieser gallischen oder rheinischen Kaiser 18²).
28. Mit der Mitte des dritten Jahrhunderts hören die Nachrichten über unsere Stadt und ihre Legaten ganz auf ¹sa) und auch die Inschriften fehlen; denn die Zeit wurde höchst traurig und unglücklich; die Einfälle der Deutschen mehrten sich und das römische Reich vermochte am Rhein keine Hilfe zu leisten; daher herrschte hier Elend und Armuth ¹84), und in solchen Verhältnissen entstehen keine Denkmäler. So gibt es aus der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nur eine aber höchst merkwürdige Inschrift, welche eine ausführliche Erklärung verlangt, die hier wegbleiben muss. Darin wird erwähnt ein decurio(Gemeinderath) der römischen Bürger in Mainz 1s5). Hier- mit enden die Mainzer Inschriften mit Jahresangaben 186), und nur wenige Grabsteine werden einer spätern Zeit angehören.
Einige Statthalter, deren Namen auf Inschriften erhalten sind, können nicht einmal an- nähernd einer bestimmten Zeit zugewiesen werden. So war.... Caerellius...„ wie von an- dern Provinzen, so von Obergermanien Statthalter. Da sein Name oben abgeschlagen ist, erhellt das nomen gentile nur aus dem Namen seiner Kinder ¹87).
181) Ihre Gräber in Köln hatten die einfache Aufschrift: Hier liegen die Tyrannen(Thronanmasser) Victo- rini. Ueber Victorinus siehe Häbner in Bonner Jahrb. XXIX, S. 4 ff.
182) Von manchen derselben, namentlich von Tetricus, sind schon viele Münzen in der Rheingegend gefunden.
183) Etwas später, um das Jahr 290, wird Titus Varius Clemens, wie von vielen andern Provinzen, so auch von den beiden Germanien procurator gewesen sein. O. 485.
184) Ueber das Elend am Rheine in jener Zeit vgl. Opitz: Die Germanen im römischen Reiche vor der Völkerwanderung.(1867) S. 9.
185) Gefunden 1809 vor dem Raimundithor, nun im Museum. L. 70; Br. 1130. Nach dieser Inschrift war Mainz eine römische colonia; wie sie es wurde, weiss man nicht. Nur noch einmal kommt das Wort colonia, wahrscheinlich in Bezug auf Mainz, vor. Zeitschr. 14.
186) Später als diese Inschrift findet sich keine am ganzen Rhein mit sicherer Jahresangabe. Die berühmte ara von Ladenburg(eigentlich von Mainz, nun im Mannheimer Museum), wo auch die civitas Mogontiac. er- wähnt wird, gehört vielleicht allein in's folgende Jahrhundert(das Jahr 303), vgl. I. 133. Wenn weiter I. 361. die Inschrift eines Sarges in Neuhausen, der nicht mehr vorhanden ist, in's Jahr 440 setzt, so ist die halberhal- tene Lesart entweder unrichtig gedeutet, indem auf keiner römischen Grabschrift eine Jahresangabe steht, oder die Inschrift ist eine christliche und gehört dann nicht hierher.
187) Gefunden 1842 im Dominikaner-Kloster, nun im Museum. Zeitschr. 16.


