Aufsatz 
Über die Legionen, welche in Obergermanien standen / K. Klein
Entstehung
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diesen Namen erhalten habe. Wiewohl wir nun nicht wissen, wann und warum dieses Beiwort der Legion gegeben wurde, so müssen wir es doch, was schon alle Beiwörter der Legionen zeigen, nur in gutem Sinne fassen; sie mag es erhalten haben, weil sie mit unwiderstehlicher Tapferkeit Alles mit sich fortriss, wie sie namentlich an der Stelle des Tacitus(II. 43), wo er sie zuerst rapax nennt, wegen ihres alten Ruhmes gepriesen wird(vetere gloria insignis); das Beiwort heisst also die reissende. Die andern Beinamen, die hie und da angeführt werden, wie Claudia, Severiana, gemina beruhen auf falschen Lesarten oder unrichtigen Erklärungen.

Bis jetzt sind von ihr nur wenige Denkmäler bei uns entdeckt worden, denn sie scheint nur vorübergehend hier gewesen zu sein; nur ein schöner Grabstein ist noch erhalten(Zeitschr. 41), ein anderer existirt nicht mehr, wie auch mehrere Fragmente(Lehne 210; 211); die Ara aus Finthen (Zeitschr. 69) wird der Leg. XXII zu vindiziren sein. Ein Stempel bei Fuchs(II. S. 106) ist un- sicher. Auch anderwürts finden sich wenig grössere Denkmäler, so in Vindonissa(Windisch), wo sie längere Zeit lag, nur die Grabsteine eines Soldaten und eines Arztes Tiberius Claudius Hymnus (Mommsen Bulletin. etc. S. 100; Or. Helv. 254); ferner eine Ara in Pont à Mousson(unecht ist Or. Helv. 163); dagegen gibt es in der Schweiz und im Decumatenland viele Stempel derselben, namentlich in Windisch, Kloten, Tättwyl, Kulm und anderwärts, jenseits des Rheines in Thiengen, Wiesloch bis Rottenburg im

Württembergischen und Friedberg in der Wetterau; dann im Nassauischen bei Höchst, Hofheim, Wiesbaden.

Eine neue Veränderung mit dem Stande der Legionen, namentlich am Rheine, trat mit der Regierung des Kaisers Vespasian ins Leben. Da nämlich die germanischen Legionen wie wir gesehen haben, theils an den bürgerlichen Unruhen der letzten zwei Jahre Theil nahmen, theils bei der Em- pörung der Bataver sogar zum Feinde übergingen: so ergriff Vespasian, sobald seine Regierung befestigt war, manche Massregeln gegen dieselben; die IIII Macedonica des Oberlandes, die XVI im Unterland löste er auf, und die neuen, die er unter gleicher Zahl mit dem Namen Flavia bildete, schickte er jene an die Donau, diese nach Syrien. Statt der ersteren liess er die VIII Augusta, welche wegen der Bataver Empörung an den Rhein gekommen war, in Obergermanien einrücken, und da beim Tode Nero's nur 3 Legionen daselbst lagen, Vespasian aber vier wie bisher für nöthig erachten mochte, so bezog die XIIII gemina Martia victrix, welche, wie erwähnt, aus gleicher Ur- sache aus Britannien gekommen war, ihr früheres Standquartier in Mainz wieder ⁶²); so stehen nach 70 wieder vier Legionen die VIII Augusta, XIII gemina Martia victrix, XXI rapax, XXII primigenia in Obergermanien. Ehe 20 Jahre vergingen, trat neuer Wechsel ein. Unter Domitian ging, wie wir oben zeigten, die Leg. XXI rapax verloren; an ihre Stelle trat die XI Glaudia. Später kam die Leg. XIIII gemina Martia victrix nach Oberpannonien, dafür finden wir die Leg. I adjutric. Am Oberrhein stehen also nach dem Anfang des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung die XXII primigenia (seit Claudius), die VIII Augusta Geit Vespasian), die XI Claudia(seit Domitian) und die I adjutrix (seit Trajan). Die neu hinzugekommenen betrachten wir wieder genauer.

6²) Lehne II. S. 46 verlegt noch von dieser Zeit an die Leg. X fretensis an den Oberrhein und meint, dass sie, da man um Mainz keine Spur von ihr finde, in Strassburg gelegen, und dort noch unter Alexander severus gewesen. Worauf er dieses gründet, kann ich durchaus nicht errathen: so viel wir wissen lag die Leg. X fretensis beständig in Asien; dagegen die Leg. X gemina war unter den Flaviern in Niedergermanien, wo mehrere Steine ihrer gedenken; von beiden kenne ich aber in Obergermanien keine Denkmäler.(Zeit- schrift I. 2 ist unvollständig, 2b6u90 Or. Hel. 69; letztere gehört nicht einmal hierher)