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Militärverhältnisse ordnete, hatte er wie schon erwähnt, bei seinen 23— 25 Legionen keine höhere Zahl als XX. Als 9 p. Chr. wegen der Niederlage des Varus und der Vernichtung dreier Legionen im Teutoburger Wald Rom und August in grösster Angst war, hob Letzterer neue Truppen in Eile aus; damals entstand wieder eine Legio XXI, und zwar wurde sie aus dem niedern Volk dcr. Stadt Rom selbst errichtet(Tac. ann. I. 31; Cassius LVI. 23 u. LVII. 5), sie kam sogleich nach Unter- germanien 56) und war 5 Jahre darauf beim Tode Augusts die Hauptursache der Empörung; nur mit Mühe brachte sie Germanicus zur Ruhe; sie nahm sodann an dessen Feldzügen in Deutschland Theil (Tac. ann. I. 64; II. 16), und verblieb in Niedergermanien, wo sich an vielen Orten 57) Denkmäler derselben erhalten haben. Bei Nero's Tod finden wir sie in Obergermanien(Tac. hist. I. 61); sie war also inzwischen in diese Provinz heraufgekommen, und zwar wie es uns wahrscheinlich dünkt, unter Nero, so dass sie mit der Leg. XVI gleichsam einen Wechsel ihres Standorts einführte. Sie bildete den Kern(robur) der oberrheinischen Truppen, als Vitellius nach Italien zog, kämpfte ruhmvoll bei Bedriacum(Tac. hist. II. 43), aber bei Cremona besiegt, wurde sie nach Obergermanien zurückgeschickt und stand zu Vindonissa(Windisch), als sie wegen des Aufstandes des Civilis nach Untergermanien rückte (IV. 70) und durch den Sieg bei Trier die Empörung endigte(IV. 78). Die Schriftsteller erwähnen sie von jetzt an gar nicht mehr ⁵⁸); da auch keine Inschrift mit Gewissheit einer spätern Zeit angehört als ein Fragment in Italien(Mur. 820, 1= 2032, 4) aus der Zeit des Trajan, auf welchem Publius Cestius Priscus erwähnt wird, der früher, also etwa unter Domitian Tribun dieser Legion war: so hat Borghesi mit vielem Scharfsinne vermuthet, dass sie vielleicht diejenige Legion wäre, welche unter Domitian gegen die Sarmaten mit ihrem Legaten gefallen(Suet. Domit. 6; Eutrop. VII. 15) und daher nicht mehr restituirt worden ist. Vor Kurzem hat zwar Brosi 59) über die weiteren Schicksale dieser Legion Mehreres vorgebracht, und z. B. erzählt,„wie Trajan um das Jahr 102 dieselbe in seine dacischen Kriege an die Donau und zwar in die Provinz Mösia nach Dorosterum(jetzt Silistria) und Transmarisca führte, während die XI von dort her in Vindonissa einrückte, bis unter Septimius Severus(also etwa 100 Jahre später) beide wieder ihre Standquartiere wechselten, und dass die letzten Denkmale der XXI in Vindonissa aus den Zeiten des Claudius Gothicus um 270 seien.“ Allein diese ganze Erzählung stützt sich theils auf blosse Vermuthungen Früherer, theils auf die unverbürgte Deutung von Abbreviaturen auf Stempeln ⁶).
Die Legion führt den Beinamen rapax: dieses Wort wollten Manche 6¹) in der ursprünglichen Bedeutung die räuberische nehmen, sich beziehend auf die Geldgier und die Räubereien, die von ihr nach des Nero's Tod in Helvetien verübt wurden(Tac. hist. I. 67), so dass sie erst seit dieser Zeit
56) Ihr Sommerlager war in finibus Dbiorum(bei Kôln), ihr Winterlager Vetera(Xanten).
57) Z. B. in Cleve, Calcar, Xanten, Köln, Bonn, Andernach; vgl. die Sammlungen von Lersch und Steiner u vorzüglich Urlichs in Bonn. Jahrb. IX. S. 135 ff., wo über die Leg. ausführlich gehandelt wird.
58) Sie ist die einzige von den Oberrheinischen Legionen, welche auf den zwei Columnen in Rom, die alle Legionen wie es scheint aus der Zeit des Septimius Severus aufführen, nicht erwähnt wird(Or. 3368 u. f.).
5) Röm. Alterthümer in Winicon im Geschichtsfreund VIl.(Einsiedeln 1852), S. 123 ff.
60) Z. B. LXXI. S. C. VI auf einem Stempel zu Winicon kann nicht heissen Legio XXI Severiana Claudia sextum, sondern es wird die Officin bedeuten, und so ähnlich bei den paar andern; vgl. Grotef. im Seebod. krit. Bibl. 1828, 46. Ob aber wegen der erhabenen und vertieften Schrift die Stempel in so ver- schiedene Zeiten fallen, das wünschen wir, mögs der gelehrte Verfasser erwähnter Abhandlung aus sicheren Beispielen näher zu begründen versuchen. M
³¹) Fuchs I. S. 485, II. S. 101;3 Henne Schweizerchronik(1843) S. 83.
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