Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 2. Teil
Entstehung
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erstmalige Einweihung handeln, wie Adamy a. a. O. seltsam genug annimmt, son- dern nur um eine Neueinweihung. Diese hatte aber keinen Sinn, wenn nicht eine fun- damentale Anderung mit der Grabkapelle vor sich gegangen war, d. h. wenn sie nicht ihrer bisherigen ausschließlichen Bestimmung als Grabkapelle, der sie ohnedies schon seit langer Zeit nicht mehr diente, entzogen und einem neuen Zwecke übergeben wurde. Den Anlaß zu dieser Anderung könnte dann aber sehr wohl die Errichtung eines Nonnenklosters bezw. Hospitals abgegeben haben, die als Schutzpatronin eben die Jungfrau Maria empfingen, die Trösterin der Betrübten und Königin der Jung- frauen..

Sonach hätten wir seit 1052 anstatt der Karolingischen Grabkapelle, die wohl dem hl. Michael geweiht war, eine Marienkirche mit zugehörigem Nonnenkloster und Hospital. Daß diese Neuschöpfung noch im Jahre 1320 ein selbständiges Leben hatte, beweist die Kap. I S. 6 erwähnte Zuwendung, während es andererseits ganz un- natürlich wäre anzunehmen, daß in damaliger Zeit die Vehenkirche noch lediglich als Totenkapelle bestanden habe.

Ich kehre nunmehr wieder zum Kloster Altenmünster zurück. In dem Lor- scher Kopialbuche wird dasselbe als vetus monasterium von dem Chronisten zum letzten Male in einer Urkunde vom Jahre 1170 erwähnt(C. L. Nr. 164), worin Papst Alexander III. die Privilegien der Fürstabtei Lorsch und ihren Bestand für ewige Zeiten garantiert. Aber dieser Gnadenerweis konnte den Verfall der Fürstabtei und ihre annullatio, mitten in deren Darstellung der Chronist etwa mit dem Jahre 1180 abbricht, auf die Dauer nicht hintanhalten. Unter Abt Sighard(1167 1108), der durch Empfehlung vornehmer Verwandten auf den Abtsstuhl gekommen war, hielt sich die Abtei noch auf einer gewissen Höhe, ja an äußerer Ehre stieg sie noch durch Ver- leihung der Bischofsmitra und des Bischofsringes von Rom aus(s. oO. Kap. II§ 1). Unter seiner Regierung wird auch der Propstei Altenmünster 1195 nochmals ge- dachtéo). Um so jäher war aber der Verfall der Abtei Lorsch unter dem 39. und letzten Abte Konrad, der etwa von 1215 an ihr Schicksal lenkte und besiegelte. Seine leichtfertige Verschleuderung von Gütern, Gefällen, selbst Kirchenparamenten, und sein schlechtes Beispiel führten eine völlige Verwilderung der Sitten herbei. Auf eine Klage der Mönche beim Papste wird daher der Abt von einem päpstlichen Kommissar seines Amtes entsetzt und 1228 die Abtei Lorsch zur Verwaltung und Umbildung dem Erzbischof Siegfried II. von Mainz übertragen. Nach seinem Tode 1230 wußte sein Nachfolger Siegfried III. es dahin zu bringen, daß ihm April 1232 von Kaiser Friedrich II. die Fürstabtei Lorsch mit Zubehör geschenkt wurde.

Doch sollte er des kaiserlichen Geschenkes nicht froh werden. Denn einmal erhob Kurpfalz Ansprüche auf einen großen Teil der Lorscher Verlassenschaft, was zu Jahrhunderte langen Reibereien und Fehden zwischen ihm und Kurmainz führteéi), und andererseits räumten auch die bisherigen Benediktiner nicht freiwillig das Feld, sondern verjagten zweimal die von Mainz eingeführten Zisterzienser, wobei einmal sogar Blut floß, bis sie schließlich selbst unsanft entfernt wurden. Nachdem dann das Kloster eine Zeitlang leer gestanden hatte, führte Erzbischof Siegfried auf

⁵0) Schannat, hist. ep. Worm. I p. 177 und Christ, Vom Rhein, 1907, S. 35. ³¹) S. 0O. Kap. II § 1 und§ 2 sowie Wagner J. I. I. S. 118 f.