Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 2. Teil
Entstehung
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Auch in späterer Zeit wird es noch öfters genannt, so 1191, 1218, 1222, 1223 und 1224/856). Danach ist das Lorscher Spital auch auf dem Scharhof bei Mann- heim im Besitze von ausgedehnten Liegenschaften und jährlichen Lehensgefällen. Dabei wird auch ein magister hospitalis, d. h. Spitalmeister namens Otto genannt, dessen Leitung das Spital unterstand. Eine letzte Erinnerung an das ehemalige Ho- spital bewahrt vielleicht heute noch die FlurIn der Elendsbruderschaft= Spi- talbruderschaft an der Grenze der Gemarkung Lorsch gegen Kleinhausen, Lorscher Flurbuch IX Abt. B, die offenbar zum fundus des Spitals für Fremde, d. h. Elende gehörte?).

Sonach unterliegt es keinem Zweifel, daß bei dem Kloster Lorsch schon frühe ein Frauenkloster entstand, das ebenso religiöse wie charitative und weltliche Ob- liegenheiten zu erfüllen hatte. Wann es aber gebaut wurde und wo es lag, kurz seine Geschichte, entzieht sich bislang noch unserer Kenntnis. Da es indessen nicht sehr wahrscheinlich ist, daß das Hospital Jerusalem als Armen-, Kranken- und Frem- denherberge innerhalb der Ringmauern des geschlossenen Klosterbezirkes lagös), und da das Frauenkloster im Testament des Abtes Heinrich offenbar als mit dem Hospi⸗z im Zusammenhang stehend angeführt wird, andererseits aber dasselbe seinem ganzen Wesen und seiner Bestimmung nach nicht weit von dem Klosterbezirk gestanden haben kann, so hat die Vermutung sehr viel für sich, daß die von Kofler auf der Kreuzwiese ausgegrabene ältere Ansiedlung mit kleiner Kirche, größerem Friedhofe, in dem Männer-, Frauen- und Kinderleichen sich fanden, ausgedehntem Klosterhof, Wohn- und Arbeitsräumen und einer Küche eben dies Spital mit Frauenkloster dar- stellt, wozu seine Lage in der Nähe des Klosterbezirkes und an der uralten Straße Worms-Bürstadt-Bensheim bezw. dem alten Lorscher Weg(Lorsch-Heppenheim) sich besonders eignete. Doch bleibt die Lösung dieser Frage wie des Problems der ecclesia varia??) einstweilen noch der Zukunft überlassen, die hoffentlich recht bald Licht in dieses Dunkel bringt. Sollte die Lösung beider Probleme nicht viel- leicht in der Richtung zu suchen sein, daß das jJerusalemer Hospital mit zuge- hörigem Frauenkloster an die varia ecclesia angegliedert wurde und beide außer- halb des Klosterbezirks, aber doch nahe bei Lorsch, d. h. auf der Kreuzwiese lagen? Daß die ecclesia varia oderVehenkirche nach ihrer Fertigstellung c. 882 als Grab- kapelle eingeweiht wurde und somit nicht bloß Ludwig d. D. und sein Sohn Lud- wig d. J., sondern auch die fünf weiteren Personen, die in ihr ruhten, in einer ge- weihten Kapelle beigesetzt wurden, ist selbstverständlich. Wenn demnach der Lor- scher Chronist berichtet, daß unter Abt Arnold(1052 1055) Papst Leo IX. bei seiner Anwesenheit in Deutschland 1052 die varia ecclesia zu Ehren der Jungfrau Maria, aller Apostel und Heiligen eingeweiht habe, so kann es sich dabei nicht um eine

⁵⁶) Vergleiche Christ, Mannh. Geschichtsblätter 1004, Urk. 22 und 1905, Urk. 62, 70, 74 und 82. ) Ueber diese Genossenschaften vergleiche man: E. v. Möller, die Elendenbrüderschaften. Ein Beitrag zur Geschichte der Fremdenfürsorgeim Mittelalter. Leipzig 1900 und dazu Fritz Hermann in Quartalblätter des fist. Vereins für das Grossherzogtum Hessen 1008, N. F. IV Nr. 10 u. 11. Zu den daselbst erwähnten Elendenbruderschaften in Hessen ist demnach auch eine solche in Lorsch nachzutragen. ⁵⁸) Die Sitte Hospitäler extra muros anzulegen ist bekannt. Ein naheliegendes Beispiel bietet Worms, wo mehrere solcher Anstalten ausserhalb der Stadtmauer lagen. Cf. Boos, Urkundenbuch I S. 483 unter Worms-Hospitäler. ⁵⁴⁹) Siehe I. Teil S. 6 f.