Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 2. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

von Altardecken, Teppichen, Chormänteln, Meßgewändern u. s. w. wie die Instand- haltung der Kirchenwäsche nahm bei dem Umfang und dem Reichtum des Lorscher Klosters selbst wie bei der großen Anzahl seiner kirchlichen Filialen nicht wenig ge- schickte Frauenhände dauernd in Anspruch. Dazu kam dann noch die Wohltätig- keit im Dienste der Erziehung oder der Armen- und Krankenpflege. Und gerade in diesen Werken der christlichen Charitas zeichnete sich das Kloster Lorsch von An- beginn an aus. So begründete schon Gundeland, der zweite Abt des Klosters, mit Zustimmung Karls d. Gr. eine Armenstiftung(Chronik S. 21/2). So gedenkt auch eine Schenkung in Weinheim an das Kloster Lorsch der Armen 780(C. L. Nr. 14). Ebenso erwähnt das Immunitäts- und Freiheitsprivileg, das Ludwig d. D. im Jahre 852 erneuert, ausdrücklich neben dem Unterhalt(stipendia) der Mönche des Al- mosengebens(elemosyna) an die Armen(C. L. Nr. 30), und Abt Reginbald(1010 1033) wird besonders wegen seiner Mildtätigkeit gegen die Armen gerühmt und vom Chronisten sogar ein Vater der Armen genannt. Auch Abt Heinrich schenkt im Jahre 1165 in Groß-Sachsen vineam ad luminaria ecclesiae pertinentem an das wieder hergestellte Kloster in Neuenburg bei Heidelberg. Dieser Weinberg diente also bis- her mit seinem Ertrage dem Armenwesen, denn luminarium bedeutete ursprüng- lich allerdings nur Beleuchtung, aber schon seit dem 6./7. Jahrhundert nahm es da- neben die Bedeutung Armenwesen an, weil die Armen bei der Beleuchtung Dienste zu leisten hatten.

Das Benediktinerkloster Lorsch ließ sich also schon von Anbeginn an eine geregelte Armenpflege angelegen sein, und daß es hierzu auch vieler weiblicher Hilfskräfte bedurfte, die teils in Hospitälern, teils außerhalb derselben der Armen sich annahmen, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist aber auch, daß an dem Hauptsitze des Klosters Lorsch selbst eine geregelte Armenpflege und wohl. auch ein Armenhaus nicht fehlte, was bei dem ständigen Zuströmen von Wallfah- rern, den vielfachen Bedürfnissen eines ausgedehnten Wirtschaftsbetriebes und der Entstehung eines größeren herrschaftlichen Dorfes bei dem Kloster sehr bald der Fall gewesen sein mußte.

Gleichen Schritt mit der Entwicklung der Armenpflege hielt auch die der Krankenpflege. Gerade die ebenso gelehrten wie praktisch erfahrenen Benediktiner- mönche waren im Besitze ausgedehnter medizinischer Kenntnisse und ärztlicher Er- fahrung, also Arzte, Apotheker und Krankenpfleger zugleich. Ihre starke Inan- spruchnahme durch eine vielseitige Tätigkeit machte auch auf dem Gebiete der Krankenpflege eine Unterstützung durch weibliche Hände notwendig, namentlich da, wo weibliche Kranke in Frage kamen.

So entstand denn auch in Lorsch wie an vielen anderen Orten seines weit aus- gedehnten und zerstreuten Besitzes ein Armen- und Krankenhaus oder Hospital. Ein solches wird zwar erst in einer Urkunde vom Jahre 1147(C. L. Nr. 150) ausdrück- lich erwähnt, bestand aber ohne Zweifel schon lange vorher. Es führte den Namen Jerusalemer Hospiz, wohl in Anlehnung an ähnliche humanitäre Einrichtungen für Pilger, Arme und Kranke, die vor oder während der Kreuzzüge in jJerusalem ent- standen waren. Wenn dasselbe in dem Testamente des Abtes Heinrich verhältnis- mäßig gering bedacht ist, so darf man wohl annehmen, daß es gut fundiert war, also einer größeren Zuwendung nicht bedurfte.