Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 2. Teil
Entstehung
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und 10 Mark Silber bedacht wurden, und mitten in ihr das Kloster Hagen. Aus dem kleinen plus von 2 Mark, die Hagen mehr als Frankenthal, oder 5 Mark, die es mehr als 5 andere Klöster erhält, kann meines Erachtens im Hinblick auf die an erster Stelle genannten und sehr reich bedachten Klöster Sinsheim und Schönau un- möglich gefolgert werden, daß unter demreichlicher bedachten Hagen ein Nach- barkloster von Lorsch südöstlich vom Seehof zu verstehen sei, wie dies von Schenk²) tut.

Vielmehr zwingt, ganz abgesehen von vorstehenden Erwägungen, die auf- fällige Tatsache, daß im ersten und zweiten Teil der Vermächtnisse jedesmal Hagen unmittelbar mit Frankendal zusammengenannt wird, zu der Annahme, daß unter diesem Hagen entweder ein Filialkloster von Frankenthal oder ein in seiner Nähe gelegenes Kloster zu verstehen ist. Im ersteren Falle wäre dann mit Hagen die Frankenthaler Filiale Höningen bei Altleiningen gemeint, die nach Christ?³) auch sonst unter diesem Namen vorkommt, und das weiterhin erwähnte Hegenehe etwa von dem Frauenkloster daselbst zu verstehen, im zweiten Falle könnte es auf Hagen- Rodenkirchen bei Kirchheim-Bonlanden bezogen werden, da damals gerade dessen Absetzung von Hagen-Bonlanden im Werkeb¹) und eine reichlichere Beschenkung deshalb gerechtfertigt war, und Hegenehe wäre dann gleich Höningen zu setzen, aber ebensogut könnte es auch von dem nicht allzuweit von Lorsch entfernten Hagen bei Gernsheim verstanden werden, das, wie oben Anm. 40 erwähnt wurde, mit Lorsch in näherer Beziehung stand und auch sonst in den Urkunden schlechtweg Hagen genannt wird. Da indessen Vermutungen und Kombinationen hier ein allzugroßer Spielraum gelassen wird, so wage ich nicht eine Entscheidung zu treffen, die an sich ja auch belanglos ist, aber jedenfalls bietet das Testament des Abtes einrich keine irgendwie sichere Handhabe dafür, in damaliger Zeit ein Kloster Hagen bei Lorsch anzunehmen und dasselbe an die Stelle von Altenmünster südöstlich vom Seehofe zu verlegen, wo erst mehrere Jahrhunderte später ein Monster zum Hane erscheint. Näheres darüber bleibt dem folgenden Abschnitte vorbehalten.

Zum Schlusse vermachte dann noch Abt Heinrich den Nonnen und Witwen von Lorsch 5 Talente Silber, den Armen 3 Talente zur Verteilung bei seinen Exe- quien und dem Hospital Jerusalem 1 Talent(das talentum Silber= 240 Danaren= c. 42 Mark heutiger Währung). Nach der Art der Erwähnung zu schließen bildeten die Nonnen und Witwen eine geschlossene religiöse Gemeinschaft, d. h. ein regel- rechtes Frauenkloster von Jungfrauen und Witwen, die nach einer bestimmten Ordensregel lebtenôb). Nun war es in den älteren Zeiten Sitte, daß neben den Männerklöstern auch Frauenklöster entstanden, die dann in geistlichen und welt- lichen Angelegenheiten den Vorstehern der zugehörigen Männerklöster unterstan- den, mochten diese nun nach der Regel des hl. Augustinus, Benediktus oder Fran- ziskus leben. Man könnte also in unserem Falle ganz gut an Benediktinerinnen denken, die neben den religiösen Pflichten der Andacht auch die der Arbeit hatten. Und zu letzterer war in Lorsch reichlich Gelegenheit. Denn die Herstellung

⁵¹) Hess. Quartalblätter 1905, S. 588 ff. ⁵⁸) Die Schönauer und Lobenfelder Urkunden etc. in Mannh. Gesichtsblätter 1904 u. 1905 passim und Vom Rhein 1906 Nr. 9 S. 68. ⁵⁴) Christ, Vom Rhein 1900 Nr. 10 S. 75. ³²) Dahl, S. 49/50 und 225, Wagner I. l. I S. 414/5.