Aufsatz 
Neue Beobachtungen und Entdeckungen an den auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten / von Hermann Kessler
Entstehung
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getrennt und von der Randader entfernt entspringen(Fig. 22 und 23). Pemphigus: Unter- flügel mit zwei Queradern, welche dicht neben einander an der Randader entspringen(Fig. 24).

Gerade zu der Zeit, als ich mit diesem Gegenstand beschäftigt war, überschickte mir Dr. Löw einen besonderen Abdruck eines von ihm verfassten und in den Verhandlungen der k. k. zoolog.-botan. Gesellschaft in Wien veröffentlichten Artikels»Zur näheren Kenntniss zweier Pemphiginen, in welchem er Tetraneura alba Ratzb. und Schigoneura compressa Koch behandelt. Ich halte es wegen des in Rede stehenden Gegenstandes, und weil es sich dabei um öffentliche Aufklärung von Irrthümern und Beseitigung von Missverständnissen handelt, für nöthig, etwas näher auf den Inhalt dieser Abhandlung hier einzugehen. Löw sagt auf S. 2: »Ueber Tetraneura alba Rtzbg. erschien im vorigen Jahre, also erst in der neuesten Zeit eine Mittheilung von Bedeutung, welche aus der Feder des Dr. H. F. Kessler hervorging und die kärglichen Angaben Ratzeburg's über diese Art*) in jeder Hinsicht ergänzt. Dr. Kessler zog nämlich auch die 7. alba in den Kreis seiner über die Aphiden des Ulmenbaumes ange- stellten, äusserst sorgfältigen Beobachtungen, deren Resultate er unter dem Titel:»Die Lebens- geschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphidenarten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern« in dem Jahresberichte des Vereins für Naturkunde zu Cassel 1878 veröffentlichte.

In dieser Publication stellt Kessler die Schizoneura compressa Koch als Synonym zu Tetraneura alba Rtzbg., was um so überraschender ist, als von Koch(I. c.) unter dem ersteren Namen ein Insect beschrieben und abgebildet wurde, welches thatsächlich alle Charaktere einer echten Schizoneura an sich trägt. Da ich beide Arten und ihre Gallen durch Autopsie kenne, so muss ich das Zusammenziehen derselben als einen Irrthum bezeichnen, den ich mir nicht anders zu erklären vermag, als dass Kessler sich entweder durch Kaltenbach, welcher (Pflanzenfeinde p. 540) die Schiz. compressa mit einem Fragezeichen zu T. alba zieht, zur völligen Identificirung derselben verleiten liess, oder dass die oben besprochenen mangelhaften Angaben Koch's über die Galle und das Vorkommen seiner Schiez. compressa ihn hierzu veranlassten. Die beiden in Rede stehenden Pemphiginenarten können also schon deshalb nicht identisch sein, weil die eine zur Gattung Schizoncura, die andere zur Gattung Tetraneura gehört.«

Ich schrieb darauf an Herrn Dr. Löw Folgendes:»Dass in meiner vorigjährigen Ab- handlung Schizoneura compressa Koch als synonym zu Tetraneura alba Ratzbg. steht, hat seinen Grund in einer Uebereilung bei der Correctur des Druckbogens, wobei ich übersehen habe, dass das von Kaltenbach vor Schizoneura compressa gesetzte Fragezeichen vom Setzer weggelassen worden war. Ich habe nur(wie Sie in Ihrer Mittheilung»zur näheren Kenntniss zweier Pemphiginen ganz richtig schliessen, durch Kaltenbach veranlasst) die beiden Namen neben einander geschrieben, um Andern, welchen das dazu erforderliche Material zu Gebote steht, zur näheren Prüfung der Sache Gelegenheit zu geben; was nun auch von Ihnen geschehen ist. Dass ich selbst aber beide Arten für nicht identisch halte, geht ja aus meiner Beschrei- bung von T. alba, insbesondere aber aus der Anmerkung auf S. 9 meiner Abhandlung hervor.« Diese Anmerkung lautet:»Zur Beschreibung seiner Schiezoneura compressa p. 267 scheint Koch, was die Färbung des Thieres anbelangt, ein solches beschrieben zu haben, welches kurz vorher die Galle verlassen hat, also noch mit Staub bedeckt war; denn die von demselben den Fühlern, Beinen und Flügeln beigelegten besonderen Merkmale fallen weg, wenn der weisse Staub von diesen Theilen entfernt ist. Die sonstige Beschreibung der Fühler und Flügel und die dazu

*) Ratzeburg's Forstinsecten III. Theil, 1844, p. 222 Nr. 34, Taf. XIII, Fig. 3 X. 4