Aufsatz 
Die Herbarien im Königlichen Museum zu Kassel. Ein Beitrag zur Geschichte der Herbarien
Entstehung
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10* flüssige vorher so sorgfältig abgeschnitten worden, dass man dieselbe bei manchen Pflanzen kaum mehr bemerkt. Fast alle in Deutschland gesammelten Pflanzen sind dagegen vorher nicht aufgeklebt gewesen. Der Autor hat sich bemüht, von den einzelnen Pflanzen ein möglichst naturgetreues Bild zu geben und dieselben deshalb in den Fällen, in welchen es möglich war, mit Wurzeln, Stengel und Blättern einge- legt. Zu diesem Zwecke hat er sich denn auch in vielen Fällen eine künstliche Zusammenstellung erlaubt, wobei er hier und da Blätter und Blüthen verschiedener Pflanzen zu einem Ganzen vereinigt hat, welcher Umstand das Erkennen der Species sellr erschwert, ja in einzelnen Fällen ganz unmöglich macht. Den meisten Pflanzen sind die damaligen gebräuchlichen lateinischen und deutschen Namen beigefügt, einer grossen Anzahl daneben auch noch die Synonymen und die Benennungen derselben in griechischer, französischer, spanischer, italienischer, böhmischer etc. Sprache, nicht wenigen, namentlich denjenigen, welche Ratzenberger in Italien und Frankreich sammelte, ferner noch der specielle Fundort. Ratzenb erger hat also, was die Pflanzen selbst und deren Benennung betrifft, seinem Herbarium dieselbe Ein- richtung gegeben, welche die damaligen gedrucktenKräuterbücher von Fuchs, Camerarius, Tabernaemontanus etc. hatten; statt der Abbildungen und Beschreibungen in diesen gibt Ratzenberger nur die Pflanzen selbst, daher auch

die Bezeichnung seines WerkesLebendiger Herbarius. Zur Veranschaulichung der ganzen Einrichtung lasse ich hier eine Zeichnung der Pflanze auf Blatt 573 im dritten Theil mit den Inscriptionen folgen. Obgleich diese Pflanze künstlich

zusammengesetzt ist, so habe ich dieselbe doch als Beispiel gewählt, weil sie einmal fast gut erhalten ist, und dann, weil die erwähnten Inscriptionen alle dabei ange- bracht sind. Nur wenige Pflanzen sind ohne alle Bezeichnung, scheinen deshalb Ratzenberger nicht bekannt gewesen zu sein.

Eine systematische Anordnung der Pflanzen ist, dem damaligen Stande der Wissenschaft entsprechend, in dem Herbarium nicht zu finden; nur hier und da sind einzelne Familien- und Gattungs-Verwandte zusammengestellt.

Ausführlicheres über das ganze Werk, insbesondere über die einzelnen Pflanzen, welche dem Herbarium einverleibt sind, enthält das Werkchen:Das älteste und erste Herbarium Deutschlands etc., beschrieben und commentirt von Dr. H. F. Kessler. Cassel, bei Freyschmidt.