Aufsatz 
Geschichte der hebräischen Sprache als lebende Sprache
Entstehung
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letztere bei den während des Exils lebenden Propheten Ezechiel(Jecheskel) und Daniel geltend. Erſterer hat, obwohl er wegen der Kraft und Originalität des Inhaltes, der Lebendigkeit der Darſtellung, insbeſondere der Großartigkeit, ſelbſt Kühnheit der Bilder ſtets Bewunderung erregte(vgl. Haneberg, Geſch. d. Offenb. S. 292), die Sprache in auffallender Weiſe vernachläſſigt. Alterthümliche und aramäiſche Ausdrücke und Formen und eigenthümliche Wendungen kehren bei ihm häufiger als bei Jeremias wieder; Geſenius(Geſch. d. hebr. Spr. S. 35) findet ſogar bei ihm unter allen altteſtamentlichen Schriftſtellern die meiſten grammatiſchen Ab⸗ normitäten und Incorrektheiten. Das Hebräiſche Daniel's iſt zwar weniger anormal, dagegen bedient er ſich neben ſeiner Mutterſprache in dem Abſchnitte II, 4—VII, 28 des Aramäiſchen, ein Beweis, daß ihm und einem großen Theile ſeiner Zeitgenoſſen bereits beide Sprachen gleich geläufig waren(Hengſtenberg, Auth. Daniels S. 297).

§ 21. Nach der Wiederherſtellung des Reiches Juda und der Rückkehr der Juden aus dem Exil (536 oder 537 v. Chr.) war man zunächſt bemüht, die geretteten Schätze der hebräiſchen Literatur, vor Allem der heiligen zu ſammeln. Das Hauptverdienſt hiefür gebührt nach der jüdiſchen und chriſtlichen Tradition dem Prieſter Esdras(Esra, um 458), deſſen Werk der Statthalter von Juda, Nehemias(um 445), fortſetzte(vgl. II Makt. 2, 13). Zugleich machte ſich auch ſelbſtſtändige literariſche Thätigkeit geltend, und erhob ſich die hebräiſche Sprache nochmals vorübergehend zur früheren Reinheit und Schönheit. Die Wieder⸗ erweckung des theokratiſchen Lebens, namentlich aber die dadurch veranlaßte Benützung der älteren Schriften trugen hiezu nicht wenig bei(vgl. Kaulen, rudim. ling. Hebr. p. 7). Den Propheten dieſer Zeit, Aggäus (520), Zacharias(520) und Malachias(um 450), die jedoch ihre Reden offenbar nur unvollſtändig aufzeichneten, fehlt es nicht an Kraft und Lebendigkeit, Malachias, beſonders Zacharias muß ſogar Reichthum an Bildern zuerkannt werden. Ihre Diktion iſt mehr proſaiſch als poetiſch, in grammatiſcher Beziehung aber ziemlich rein, Zacharias iſt faſt ganz frei von aramaiſirenden Formen. Einen ungleich herrlicheren Aufſchwung nahm in Folge der Begeiſterung für den Wiederaufbau Jeruſalems und des Tempels die Poeſie, welche ſelbſt unter dem Drucke der Gefangenſchaft nicht verſtummt war, zur Zeit des erneuerten Tempels und Cultus aber mit faſt friſcher Kraft auflebte. Die Lieder dieſer Zeit finden ſich neben älteren Pſalmen hauptſächlich in den zwei letzten Büchern des Pſalteriums(Pſ. 90— 150). Manche ſind nur Nachahmung und Wiederholung der älteren Dichtungen, andere aber, insbeſondere die Stufenlieder(Pſ. 120— 134) können nach Inhalt und Sprache den ſchönſten Pſalmen der davidiſchen Zeit zur Seite geſtellt werden(Ewald, poet. Bücher I, S. 21). Die Poeſie erloſch, als mit der Vollendung der Mauern Jeruſalems die im Volke erwachte religiöſe Begei⸗ ſterung ſchwand.— Das Feld der Geſchichtſchreibung blieb gleichfalls nicht unbebaut. Außer den beim Be⸗ ginn des Exils(von Jeremias) geſchriebenen Büchern der Könige beſitzen wir noch die Bücher der Chronik, deren Verfaſſer nach dem Zeugniſſe vieler Rabbinen und Kirchenväter und aus inneren Gründen wohl Esdras iſt ²), die Bücher Esdras und Nehemias und das Buch Eſther³). In dieſen Büchern tritt jedoch die Corruption der Sprache wieder offen zu Tage, das Buch Esdras enthält ſogar wie Daniel chaldäiſche Abſchnitte(IV, 8— VI, 15 und VII, 12— 26). Hohes ſprachliches Intereſſe bietet die Ver⸗ gleichung der Bücher der Könige und der Chronik, weil beide auf die alten Reichsannalen und ältere prophe⸗ tiſche hiſtoriſche Schriften ſich ſtützen(ſ.§ 18) und ihre Abfaſſungszeit nur etwa um ein Jahrhundert aus⸗ einander liegt. In den Büchern der Könige iſt die Sprache im Ganzen noch ziemlich rein, weil ihr Ver⸗ faſſer ſich ſehr genau an die älteren Quellen anſchloß, und nur hie und da verrathen ſprachliche Eigenthümlich⸗ keiten die ſpätere Abfaſſung. Von den Büchern der Chronik dagegen ſchreibt de Wette(Beitr. z. Einl. I, S. 67):

2²) Ewald,(Geſch. d. V. Isr. I, S. 215 ff.) verlegt die Chronik, wozu er auch die Bb. Esdras und Nehemias rechnet, und deren letzte Bearbeitung in die Zeit des Todes Alexander's d. Gr. Die Gründe für dieſe ſpäte Abfaſſung wurden von Movers, Unterſuchungen über die Chronik, S. 30 und Welte, Einl. II, 1.§ 42 widerlegt.

23) Die Bücher Tobias und Judith waren urſprünglich chaldäiſch geſchrieben, erhalten ſind uns jedoch nur zwei unmittelbare Ueberſetzungen, eine griechiſche(die Septuaginta) und eine lateiniſche(vom hl. Hieronymus, die Vulgata). Zwei hebräiſche Bearbeitungen des B. Tobias ſtammen aus ſpäterer Zeit.