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nud Verhältniſſe berührte, bereicherte den Sprachſchatz mit neuen Wörtern und machte neue Conſtruktionen und Wendungen ausfindig. Namentlich aber iſt es die oratoriſche Diktion, welche in den gottbegeiſterten Reden der Propheten zur herrlichſten Entfaltung gelangte und in der goldenen Zeit der prophetiſchen Literatur vielfach geradezu in Poeſie übergeht; die prophetiſchen Reden, beſonders bei Iſaias und Jeremias, ſind viel⸗ fach mit herrlichen prophetiſchen Liedern durchflochten. Dabei trägt ſowohl von den poetiſchen, als den pro⸗ phetiſchen Schriften jede ihr eigenthümliches ſprachliches Colorit, welches entweder in der Heimath oder der Zeit oder der individuellen Begabung des Verfaſſers ſeinen Grund hat.— Daß auch die Proſa an der Entwick⸗ lung und Vollendung der Sprache Antheil nahm, iſt natürlich. Im Ganzen jedoch blieb ſie hinſichtlich des Sprachgebrauches unverändert. Nur vom 7. Jahrhundert an, da Dichter und Propheten abſichtlich eine ſehr knappe und gedrungene Redeweiſe wählten und dadurch der Sprache eine gewiſſe Zierlichkeit zu verleihen ſuchten, drängte ſich dieſe künſtliche Kürze auch in die Geſchichtsſchreibung ein(Ewald, Lehrb. d. hebr. Spr.§ 3, c. vgl. mit§ 104, d und§ 323).
3. Das exiliſche Zeitalter.
§ 20. Um die Zeit des babyloniſchen Exils(606—536) begann für die hebräiſche Sprache ein neues Zeitalter, vielfach das ſilberne genannt, welches ſich namentlich durch Aufnahme aramäiſcher Elemente kennzeichnet und damit endigte, daß die hebräiſche Sprache durch das verwandte Aramäiſcheo) aus dem Munde des Volkes ganz verdrängt wurde. Schon in früheren Zeiten waren in Folge des gegenſeitigen Verkehrs und der Handelsverbindungen mit den Aramäern(Amos 3, 12) aramäiſche Wörter und Sprachformen ins Hebräiſche eingedrungen. Die Verpflanzung von Aramäern in das Gebiet der nach Aſſyrien und Medien abgeführten Bewohner des Reiches Israel ſcheint zwar auf die Sprache der Is⸗ raeliten im Reiche Juda ohne Einfluß geblieben zu ſein, da ſie einander feindlich gegenüber ſtanden. Zur Zeit des Königs Ezechias jedoch mußte das Aramäiſche bereits von den Hofleuten erlernt werden(Iſ. 36, 1¹). Als nun nach dem Tode des Königs Joſias(639— 690) durch die babyloniſchen Invaſionen die Selbſtſtändigkeit Juda's vernichtet wurde, ſchwand auch die Selbſtſtändigkeit der Sprache, und es begann das Aramäiſche ſich mehr und mehr im Lande auszubreiten. Das Gepräge des beginnenden Verfalles tragen ſchon die Reden des Propheten Sophonias(Sephanja), eines Zeitgenoſſen des Königs Joſias. Sie ent⸗ fernen ſich ſchon mehr von der Poeſie und neigen zur Proſa hin, dabei enthalten ſie mancherlei Nachläſſig⸗ keiten in Parallelismus und Strophenbau und ſind auch in ſprachlicher Beziehung incorrekt. Noch deutlicher treten die Spuren des Verfalles bei dem großen Propheten Jeremias(ſeit 627) hervor, welcher außer ſeinem prophetiſchen Buche die ergreifenden Klagelieder auf den Untergang Jeruſalems und des Reiches Juda verfaßte. Nach der jüdiſchen Tradition ſchrieb er auch die Bücher der Könige, welche in der That wie hiſtoriſche Belege zu ſeinen Reden erſcheinen. Eine ſehr populär gewordene Todtenklage auf den König Joſias(II Chron. 35, 25) iſt verloren gegangen. Dieſe Schriften vereinigen Vorzüge in ſich, welche an die claſſiſche Zeit des Prophetenthums erinnern, Innigkeit des Gefühls, Neuheit der Bilder, Zart⸗ heit der Schilderungen, Einfachheit des Styls, Klarheit und Angemeſſenheit des Ausdruckes. In der gram⸗ matiſchen Behandlung der Sprache jedoch offenbart ſich bereits die Entartung derſelben. Da nämlich Jere⸗ mias als Bußprediger hauptſächlich das göttliche Geſetz dem Volke einzuſchärfen hatte, ſo kehrte er wie zum Inhalte ſo auch zur Sprache der älteren Bücher zurück, es finden ſich daher bei ihm wieder urſprünglichere Formen, Archaismen, andrerſeits konnte er ſich dem Einfluß des aramäiſchen nicht verſchließen, und ſo hat ſeine Sprache zugleich hie und da eine aramaiſche Färbunge!). In weit ausgedehnterem Maße macht ſich
20) Unter dem Einfluſſe der aſſyriſchen, üaldäiſch⸗habyloniſchen und mediſch⸗perſiſchen Monarchien verbreitete ſich daſſelbe über das ganze mittlere Aſien(vgl. Scholz, Einl. I,§ 18)
21) Von dem Buche Baruch's, des Schülers und Gefährten des Jeremias, iſt uns nicht das hebräiſche Original, ſon⸗ dern nur eine griechiſche Ueberſetzung erhalten. Die von Einigen aufgeſtellte Behauptung, es ſei urſprünglich griechiſch ge⸗ ſchrieben, wird ſchon durch die hebraiſirende Schreibart der griechiſchen Ueberſetzung widerlegt(Scholz, Einl. III, S. 642).


