Aufsatz 
Geschichte der hebräischen Sprache als lebende Sprache
Entstehung
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Roboams(II Chron. 12, 15) und ſeines Nachfolgers Abia auf(II Chron. 13, 22). Roboam fand zugleich auch an Semeja einen Geſchichtsſchreiber. Auf Jeroboam(975) bezogen ſich„die Geſichte Jedo's.“ Die Zeit Joſaphats(914) wurde von Jehu(II Chron 20, 34), die des Ozias(809) und des Ezechias(725) von Iſaias(II Chron. 26, 22; 32, 32) geſchildert. Jeremias verfaßte Klagelieder über Joſias(639), welche nach II Chron. 35,25 nothwendig geſchichtliche Bemerkungen enthalten mußten. Ein Ereigniß, welches außerhalb Israel ſich zutrug, die bekannte Geſchichte der Weiſſagung über Ninive, behandelt das Buch des Propheten Jonas, welches weder eine Dichtung, noch eine dichteriſch ausgeſchmückte Sage, ſondern wirkliche Geſchichte enthält, aber eine Geſchichte von tiefer ſymboliſcher und typiſcher Bedeutung. Ob Hozai, welcher II Chron. 33, 19 als Verfaſſer eines Geſchichtswerkes genannt wird, den Propheten zuzuzählen iſt, läßt ſich nicht ermitteln. Auch die geſchichtlichen Abſchnitte und Mittheilungen, welche die Propheten, wie z. B. Amos, Iſaias, Jeremias, Ezechiel, Daniel in die Aufzeichnung ihrer Reden verflochten haben, ſind hierher zu rechnen.

Von der Zeit der Könige an begegnen wir außer der prophetiſchen noch einer amtlichen Ge⸗ ſchichtſchreibung. Wie nämlich II Sam. 8, 16 von David berichtet wird, hatten die Könige Kanzler, deren Aufgabe es u. A. war, die merkwürdigſten Ereigniſſe einer jeden Regierung aufzuzeichnen(Haneberg, a. a. O. S. 343). Auch noch ſpäter geſchieht dieſes Amtes Erwähnung, und dürfen wir darum wohl an⸗ nehmen, daß dasſelbe unter allen Königen beſetzt war. Auf dieſe Quelle mögen zurückzuführen ſein die Jahrbücher David's(Chron. 27, 24), die Geſchichte Salomon's(III Kön. 11, 41), die Reichs⸗ annalen der Könige von Juda(III Kön. 14, 29 u. A.) und die Reichsannalen der Könige Israels(lil Kön. 14, 19). Ob dieſe beiden nur verſchiedene Bezeichnungen für das II Chron. 16, 11 ge⸗ nannte„Buch der Könige von Juda und Israel“(Ewald, a. a. O. I, S. 235) oder zwei urſprünglich ge⸗ trennte Werke waren, ſpäter aber zu letzterem vereinigt wurden(Fürſt, a. a. O. S. 214), mag dahingeſtellt ſein. In wie weit außer dieſen ausdrücklich erwähnten Geſchichtswerken noch private Aufzeichnungen beſtanden oder volksthümliche Geſänge, Genealogien, Denkmäler noch mancherlei hiſtoriſches Material enthielten, hierüber läßt ſich nichts beſtimmen. Leider iſt uns außer den in die prophetiſchen Bücher aufgenommenen geſchichtlichen Abſchnitten von allen dieſen prophetiſchen und amtlichen Geſchichtswerken kein einziges erhalten; doch dienten ſie, wie es ſcheint, den im exiliſchen Zeitalter abgefaßten Büchern der Könige und der Chronik als Quellen; wenigſtens wird in dieſen häufig auf ſie verwieſen.

§. 19. Bei ſolch mannigfaltiger und ausgedehnter Pflege der Literatur war es eine nothwendige Folge, daß in dieſem Zeitalter die Sprache in formeller Hinſicht zur höchſten Vollkommenheit und Schönheit ſich fortentwickelte. Den entſcheidenden Einfluß in dieſer Beziehung müſſen wir der Poeſie zuerkennen. Denn wie die Gedanken des Dichters ſich über das Gewöhnliche erſchwingen und ſchöpferiſcher Art ſind, ſo muß auch die Sprache, in welcher ſie zum Ausdruck gelangen, lebendiger und reicher ſein und in Formen und Worten ſich ihren eigenen Weg bahnen, um ſo mehr, je bildſamer die Formen und Wörter ſind. Zugleich bewahrt die Poeſie am treuſten die älteſten Spracheigenthümlichkeiten, indeß ſie zugleich durch die Aufnahme von volks⸗ thümlichen Elementen auf die Zeit und die Heimath hinweiſt, welcher ſie entſprungen. Demgemäß finden ſich in den poetiſchen Schriften dieſes Zeitalters eine Menge neuer Wortſtämme, Wortformen, Wortbedeutungen, kraftvolle Wendungen in der Anordnung der Worte, ſeltene ſyntaktiſche Fügungen, finnreiche Kürzen der Rede. Andrerſeits erhielten ſich in ihnen viele vollere, wohllautendere Formen ſowie gar manche ältere Wörter, welche aus der Proſa geſchwunden ſind(vgl. Hävernick, Einl. I, 1. S. 203 ff.). Sogenannte Ara⸗ maismen d. i. vollere Formen, welche die Poeſie aus der volksthümlichen Sprache aufgenommen oder als Archaismen feſtgehalten hat, finden ſich namentlich im Buche Job, im Hohenlied und im Prediger; in den Pſalmen ſind ſie ſchon ſeltener und ſchwinden faſt gänzlich in der Blüthezeit der prophetiſchen Literatur, z. B. bei Nahum und Habakuk. Claſſiſch reines Hebräiſch herrſcht demnach vorzüglich in den Pſalmen Davids und in den prophetiſchen Schriften aus der Zeit des Königs Ezechias. Ueberhaupt haben die Propheten zur Aus⸗ bildung der hebräiſchen Sprache nicht wenig beigetragen. Die neuen großartigen Ideen, welche ſie zu ver⸗ künden hatten, ſchufen neue Formen und prägten ältere um; ihre Thätigkeit, welche die mannigfachſten Gebiete