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lässt nichts Schmutziges, nichts Niedriges, nichts Rohes in der Seele zurückbleiben; er sagt uns, dass die Götter Zeugen von Allem seien; er heisst uns ihren Beifall aufsuchen, für sie auf die Ewigkeit uns vorbereiten“.„Gott ist uns nahe, er ist bei uns, ist in uns; ein heiliger Geist, ein Beobachter und Wächter über alles Gute und Böse in uns. Niemand ist ein guter Mensch ohne Gott. Dieser ist's, der uns grosse und erhabene Entschliessungen verleiht, der uns durch seine Hülfe befähigt, über die Zufälle des Glückes uns zu erheben. Wenn du einen Mann findest, in Gefahren ungebeugt, von Lüsten unberührt, im Unglück glücklich, in Mitten der Stürme ruhig, der die Menschen unter sich, die Götter neben sich erblickt: wirst du nicht sprechen, ein solches Wesen sei zu erhaben, zu gross, als dass es dem schwachen Körper, in welchem es wohnt, gleichartig sein könnte? Eine göttliche Kraft erfüllt ihn. Diese hohe, immer gleiche Seele, welche die Welt als zu klein für sich vergisst, und, was wir fürchten und wünschen, belächelt, diese Seele belebt eine himmlische Macht. Eine solche Grösse kann ohne der Gottheit Mitwirkung nicht bestehen. Darum ist ein solcher Mann seinem besseren Theile nach dort, von wannen er herabgekommen. Wie der Sonne Licht zwar auf die Erde sich senkt, aber dort ist, von wo es ausstrahlt, so ist eine grosse, zu näherer Erkenntniss des Göttlichen herabgesandte Seele zwar im Verkehr mit uns, aber unzertrennlich von ihrer Heimath. Dorthin ist ihr Blick gerichtet, unter uns wandelt sie als ein Wesen höherer Art“.
Solchen und ähnlichen Gedanken, denen wir bei der Lektüre der Schriften der alten Griechen und Römer begegnen, kann doch wahrlich ein günstiger Einfluss auf die religiös- sittliche Bildung der Jugend nicht abgesprochen werden. Dass aber eine Anschauung, die sich in dieser Weise ausspricht, auf die religiös-sittliche Bildung der Griechen und Römer selbst einen mächtigen Einfluss gehabt habe, das erkennen wir am deutlichsten an der bewunderungswürdigen Haltung, die so viele heldenhafte Menschen jener Zeit in der Aufnahme und Durchführung des Kampfes mit dem Schicksale bekundet haben. Denn da, wo man der Thatsache gegenüber steht, dass weder menschliche Berechnung und Vorsicht, noch Unbescholtenheit des Lebens und Gewissenhaftigkeit in Erfüllung der Pflichten gegen Gott und Menschen vor dem in allen Gestalten hereinbrechenden Ungemach zu schützen vermag, wo es vielmehr fast scheinen will, als ob gerade die Besten am meisten vom Schicksale heimgesucht würden, hat der Mensch das höchste Mass sittlicher Kraft, dessen er fähig ist, zu bethätigen; diese Kraft aber verleiht nur eine würdige, unerschütterliche religiöse Ueberzeugung. Nur wer die Ueberzeugung besitzt, dass die Gottheit in ihrer hohen Liebe zu den Menschen über Tugendhafte und Gute nichts Böses verhängen kann, dass sie infolge ihres innersten Wesens gegen die Besten am besten gesinnt sein muss, wird sich des Verhältnisses bewusst, das zwischen ihm und der Gottheit besteht: des Verhältnisses eines Sohnes zu einem Vater, eines Zöglings zu einem Erzieher. In dem Erzieher aber erblickt er einen solchen, der nach seiner unumschränkten Macht die leisesten Wünsehe des Zöglings zu erfüllen im Stande ist, der ferner infolge seiner Weisheit in der Wahl der Erziehungsmittel keinen Fehlgriff thun kann, und der endlich wegen seiner unbegrenzten Liebe zum Zöglinge wollen muss, dass dieser die Wohlthat einer weisen Führung im vollsten Masse erfahre, des Segens einer kräftigen Erziehung theilhaftig werde. Wenn ihn darum zuweilen eine


