III. Chronik.
Zu Anfang des jetzt ablaufenden Schuljahres musste die Untersecunda in zwei Cöten getheilt und in Folge dessen auch die Zahl der Lehrer vermehrt werden. Das Königl. Pro- vinzialschulcollegium wies uns den Candidaten des höheren Schulamts Dr. Meinhold aus Marienburg zur Aushülfe an; derselbe wurde aber unerwartet, gerade als der Unterricht be- ginnen sollte, zu militärischen Uebungen eingezogen, und so mussten seine Lectionen einst- weilen von den übrigen Lehrern übernommen werden. Als er am 29. Mai endlich hier ein- traf, übernahm er: 7 St. Religion in VI, V und IV, 8 St. Rechnen in VI und V, 7 St. Deutsch in VI, V und U. II. b.— Zur Ablegung ihres Probejahres traten gleich zu Ostern zwei Candidaten der Philologie Max Meyer und Elimar Baecker, welche ihrer Staats- prüfung in nächster Zeit entgegensahen, und am 2. August der Candidat des höheren Schulamts Bernhard Günther, welcher die Staatsprüfung zu Königsberg am 13. Januar bestanden hatte und von Ostern bis dahin als Probandus und Hülfslehrer bei dem Gymnasium zu Deutsch-Crone be- schäftigt gewesen war, bei unserem Gymnasium ein. Meyer erhielt den lateinischen Unter- richt in VI, Baecker den griechischen in U. III. b, Günther 4 St. Latein in IV und 2 St. Latein in O. III. 2.
Am 1. October schied der Oberlehrer Anger aus dem Collegium, um das Directorat des Gymnasiums zu Graudenz zu übernehmen. Er hatte vom 15. December 1863 bis zum 1. October 1865 als Hilfslehrer, dann als ordentlicher Lehrer, seit dem 14. December 1880 als- Oberlehrer bei dem hiesigen Gymnasium fungirt und in dieser Zeit sich die wesentlichsten Verdienste um das Gymnasium erworben. Er unterrichtete hauptsächlich in der Religion und in der deutschen Sprache, aber abwechselnd auch in anderen Fächern der Wissenschaft; auch den Turnunterricht hat er viele Jahre hindurch mit unermüdlicher Ausdauer geleitet. Mit hingebender Liebe und mit seltenem Geschick widmete er sich seinem Berufe als Erzieher der Jugend, welche er, wie wenige, an sich zu ziehen, anzuregen und zu fördern verstand. Und, wie er hierdurch deren Anhänglichkeit und Verehrung in seltenem Grade sich erwarb, so sicherte ihm die Vielseitigkeit seiner geistigen Interessen, seine Dienstwilligkeit zu helfen überall, wo es etwas Gutes zu fördern galt, sein selbstloses, offenes Wesen die aufrichtige Freundschaft seiner Collegen und hohe Achtung und Verehrung in den weitesten Kreisen. Das Andenken an ihn wird hier noch lange lebendig bleiben, und wenn wir seinen Abgang von dem hiesigen Gymnasium schmerzlich empfanden, so freuen wir uns doch, dass ihm ein. so ehrenvoller Ruf zu Theil geworden und eine Amtsstellung anvertraut ist, in welcher er- eine noch reichere Thätigkeit zu entfalten vermag. Bei seinem Abzuge wurde ihm von den Gymnasiasten unter lebhafter Theilnahme des Publikums ein sollenner Fackelzug darge- bracht.


