Cäsar erzählt§ 8 weiter: has munitiones insequentibus auæit dichus. Von diesen Verschanzungen berichtet das bell. Alex. 1, 2 ausführlicher, doch ist in den Worten omnes fere oppidi partes, quae minus esse firmae videntur,— templantur eine starke Ubertreibung enthalten, vgl.§ 4 u. b. c. III, 112, 7. Dass auch in§ 3 die Worte incendio fore tuta est Alexandria mit Ubertreibung gesagt sind, wurde bereits oben(S. 18) gezeigt.§ 4 fährt das bell. Alex. fort: Caesar mavime studehat, ut, quam angustissimam partem oppidi palus a meridie interiecta efficiehat, hane operibus vineisque agendis ab reliqua parte urbis excluderet. Darnach schob sich ein Sumpf von Süden her in die Stadt ein und lag so zwischen zwei Stadtteilen(daher interiecta, vgl.§ 5 eum in duas partes esset urbs divisa); den einen, sehr schmalen Teil wollte Cäsar durch Ver- schanzungen von dem anderen, jedenfalls grösseren Stadtteil abschliessen. Dass dieser Sumpf nicht der mareotische Sce sein kann ¹), dies beweist ein Blick auf die Karte ²), denn die Mareotis schiebt sich in der Ausdehnung, wie sie allenthalben dargestellt wird, nicht in die Stadt ein und bewirkt somit weder einen schmalen noch weiteren Stadtteil. Mahmud-Bey hat nun bei seinen Ausgrabungen ein 600— 700 m breites, kanm 3—4 m über dem Meere aufsteigendes flaches Thal gefunden, das sich südlich von der Lochiasspitze bis zum Süsswasserkanal ausdehnte. Dieses Thal wird für die palus a meridie interiecta gehalten ³). Bei seiner Richtung von Norden nach Süden teilte es, so folgert man, die Stadt in zwei Teile, in einen westlichen und einen östlichen, der letztere war sehr schmal im Vergleich zu dem ersteren. Wie verträgt sich mit dieser Annahme die Uber- lieferung? Wir haben oben gesehen, dass der Stützpunkt von Cäsars Stellung das Theater war. Da Cäsar den schmalsten Teil der Stadt durch Verschanzungen von dem übrigen Teile abschliessen wollte, so musste er sich in diesem sehr schmalen Quartier auch befunden haben, es musste also auch das Theater darin liegen. Dies ist aber nach der Mahmud-Bey’schen Hypothese nicht der Fall, im Gegenteil, nach dieser lag das Theater im weiten, im westlichen Teile der Stadt. Was für einen Zweck sollte es aber haben, den angeblich schmalsten östlichen Teil der Stadt, in dem sich Cäsar gar nicht befand, gegen den westlichen, in dem er sich befand, durch Verschanzungen abzuschliessen?
Die von Mahmud-Bey gefundene Niederung hat aber von C. Wachsmuth eine eigentümliche Verwertung gefunden ⁴). Dieser meint, b. Al. 1, 4 sei mit palus allerdings die Mareotis gemeint, ebenso wie 28, 4; dieser Sumpfsee sei zu jener Zeit so von Süden her in das Stadtterrain ein- gedrungen, dass er dasselbe in zwei Hälften zerlegte, welche nur durch einen verhältnismässig schmalen Streifen mit einander in Verbindung standen; eben diese tief eingreifende Einbuchtung der Mareotis sei es offenbar, welche von Strabo XVII, S. 793, als 6˙ ⁄μμηάςo⁴ μηαos genannt werde; dieser Hafen liege in dem von Mahmud-Bey gefundenen tiefstliegenden Teile des Stadtgebiets ⁵). Hiergegen ist zunächst zu bemerken, dass palus b. Al. 28, 4 nicht die Mareotis bedeutet(vgl. Abschn. IV), demnach auch 1, 4 sie nicht zu bedeuten braucht. Ferner ist gegen die Annahme
¹) Drumann, S. 538, Mommsen, S. 424, und jetzt wieder Judeich, S. 86, nehmen die Mareotis an.
²) Vgl. Stoffel, planche 19.
³) Am energischsten vertritt diese Annahme Stoffel, der S. 51 f. auseinandersetzt, wie die römischen Legionare die Verschanzungen an den beiden Rändern des Sumpfes von Norden nach Süden vorgeschoben haben— eine taktisch ganz ungeschickte Bewegung(Judeich S. 86)— und S. 258 ff. eine Begründung im einzelnen zu liefern sucht. Das von den Römern besetzte Quartier ist, besonders nach Osten, auf pl. 19 viel zu gross eingezeichnet.
4) Rh. Mus. XXXV(1880), S. 453 f.; vgl. Rh. Mus. XLII(1887), S. 463, A. 1 und Schambach, Jahrb. f. kl. Philol. CXXV(1882), S. 224, A. 16.
⁵) Die Ansicht Wachsmuths hat bereits auf neueren Karten von Alexandria Berücksichtigung gefunden, so bei v. Spruner-Sieglin, Atlas antiguus, I. Abt., Gotha 1893 und Baedeker, Agypten, 4. Aufl., Leipzig 1897, zwischen S. 8 und 9; Stoffel und Néroutsos kennen sie nicht.


