Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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Wir haben oben(S. 15 f.) gesehen, dass Cäsar und der Verfasser des bell. Alex. nur von dem Brande der Schiffe berichten. Neues dazu verdanken wir den Autoren, deren Darstellung auf dem Geschichtswerk des Livius beruhen, so dass wir auch hier die Beobachtung machen können, dass Cäsar wichtige Dinge verschweigt, die Livius erzählt hat.

Während des Strassenkampfes und des Brandes der feindlichen Flotte lässt Cäsar nach seinem Berichte bei Pharus landen und dort eine Besatzung aufstellen: er sagt 111, 6 confestimque ad Pharum navihus milites exposuit, und um den Ausdruck Pharus zu erklären, fährt er c. 112. 1 fort: Pharus est in insula turris magna altitudine, mirificis operibus exstrucka. Es folgt dann eine Beschreibung der Insel. Wenn Cäsar hätte sagen wollen, er habe auf Insel Pharus landen lassen, dann hätte er logisch erst die Beschreibung der Insel und dabei vielleicht die Erwähnung des Turmes vornehmen müssen. Nach dem Zusammenhang hebt er aber ausdrücklich hervor, dass er unter Pharus den Turm verstanden wissen will, und so ist auch§ 4 Pharum wiederum auf den Turm zu beziehen. Es hat also Cäsar, während die Feinde durch den Kampf in der Stadt in Anspruch genommen sind, den Turm Pharus rasch in Besitz nehmen(prehendit) und dort einen Posten aufstellen lassen ¹)ö. Dazu bedurfte es aber nicht vieler Soldaten, die er wohl abgeben konnte. Eine Insel aber zu nehmen, auf der sich domicilia Aegupliorum et vicus oppidi magnitudine befanden, dazu waren grössere Streitkräfte nötig, wie sich später bei der Eroberung der eigentlichen Insel zeigte(vgl. S. 31 f.); solche standen aber augenblicklich Cäsar nicht zur Verfügung. Für die Einfahrt in den„grossen Hafen“ passt auch der Ausdruck angustiae(§ 4), vgl. Strabo XVII, 1, 6. Der Zweck der ganzen Massregel spricht ebenfalls für unsere Annahme: Zufuhr und Hilfs- truppen sollten sicher zu Schiff zu Cäsar gelangen können(c. 112, 6). Dazu bedurfte es einer Sicherung der Einfahrt in den„grossen Hafen“, die durch Besetzung des Turmes gegeben war.

Von den übrigen Quellen erwähnt nur noch Lucan X, 509 ff. das Ereignis. Der Dichter denkt freilich nach dem Zusammenhang an die Besitznahme der Insel(cepit Pharon. Insula so⅓). Der Zweck der Massregel ist derselbe wie bei Cäsar:

Abstulit excursus et fauces aequoris hosti Caesar et auæiliis aditus ac libera ponti Oslia permisit..

Cäsar und Lucan meinen offenbar dasselbe Ereignis.

Bei Florus und Orosius springt die Erzählung sofort zur Darstellung der späteren Eroberung der Insel über.

Nach dem unentschiedenen Kampfe mit Achillas sah sich Cäsar zunächst nach weiterer Hülfe um(b. c. III, 112, 6, b. Alex. 1, 1); davon weiter unten. Inzwischen musste er jeglichen Kampf zu vermeiden suchen; um also den nötigen Schutz zu haben und um nicht gegen seinen Willen zum Kampfe genötigt zu werden(b. c. III, 112, 8), verschanzte er sich. Prüfen wir zunächst, was Cäsar selbst hierüber berichtet. Da heisst es b. c. 112, 7: loca maxime necessaria complexus noctu pruemunit, d. h. Cäsar fasste die notwendigste Gegend zusammen und verschanzte sie in der Nacht. Der Schriftsteller fährt§ 8 fort: in hoc tractu oppidi(d. h. in der Gegend der Stadt, auf die er sich beschränken musste) pars erat regiae exigua, in quam ipse habitandi causa initio erat inductus, et theatrum coniunctum domui, quod arcis tenebat locum aditusque habebat ad portum et ad religua navalia. Darnach war der Stützpunkt von Cäsars Stellung das Theater, eine Art Burg, die gleichzeitig den Vorteil gewährte, mit dem Hafen, in dem sich die römische Flotte befand und durch den die Unterstützungen einlaufen mussten, in Verbindung zu stehen. Nach der S. 15 gegebenen Bestimmung lag diese Stadtgegend der Insel Antirrhodus gegenüber.

¹) Ebenso Judeich, S. 91 und Stoffel, II, S. 50.