Aufsatz 
Über Homerübertragung mit neuen Proben
Entstehung
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So sei denn hiermit diese Arbeit beschlossen. Ein abge- schlossenes Ganzes sollte und konnte sie nicht sein, und die Ge- schichte der deutschen Homerübersetzung im neunzehnten Jahr- hundert bleibt immer noch zu schreiben. Namentlich bedauere ich es lebhaft, dass mir Zeit und Raum fehlten, die Übersetzung von Oskar Hubatsch näher zu würdigen, mit der ich mich vielleicht ein andres Mal beschäftigen werde.

Was nun meine eigenen bescheidenen Versuche angeht, so weiss ich mich frei von der Schwäche, zu glauben, nun mitten in das Schwarze des Zieles geschossen zu haben, dasnoch kein Schütze vor mir getroffen hat. Und auch wo ich geirrt haben sollte, habe ich nicht vergeblich gearbeitet, denn es müssen auch Irrwege gemacht werden, um schliesslich den rechten zu finden. Dieser rechte Weg aber muss gefunden werden, um so mehr je weniger Stolbergs Wort Aussicht auf Befolgung hat:O lieber Leser, lerne Griechisch, und wirf meine Übersetzung ins Feuer! Dennwie am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, sagt Wilh. Raabe,so wird es auch wohl durch das zwanzigste bei der Asthetik unsres Vaters Homer verbleiben. Und vielleicht könnte diese Asthetik den Boden bilden, auf dem sich die grossen Gegensätze der Neuzeit einträchtig und versöhnt die Hand reichten zu segens- reichem Bunde für unser nationales Geistesleben, indem vom Vater Homeros, dem grossen Realisten und Naturalisten, die Idealisten gesunden Realismus, die Realisten gesunden Idealismus lernten.