Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Fulda : Festschrift zur Gedenkfeier des 100jährigen Bestehens der Anstalt seit ihrer Neugestaltung 1805-1905
Entstehung
Einzelbild herunterladen

SONOSNOSSSSSSSS S

Die zweite Schule Fuldas: Die Schule der Jesuiten.

Die religiöse Neuerung des 16. Jahrhunderts war auch in das Hochstift Fulda eingedrungen und hatte bei Adel und Bürgerschaft starken Anklang gefunden. Abt Philipp Schenk von Schweinsberg(1541— 1550) war zwar der Bewegung durch Zu- geständnisse entgegengetreten, aber seine Nachgiebigkeit hatte einen weiteren Abfall vom alten Glauben nicht zu verhindern vermocht. Unter den Abten Wolfgang ll. (1558— 67) und Wilhelm(1568— 70) erhob sich die Bürgerschaft sogar noch trotziger als zuvor und verlangte laut Abschaffung des katholischen Gottesdienstes und Ein-— führung der Augsburger Konfession.

Als der noch junge und tatkräftige Balthasar von Dernbach 1570 an die Spitze der Abtei getreten war, glaubte er der Neuerung am wirksamsten begegnen zu können durch die Gründung einer Schule, in der die Jugend von hervorragenden Lehrern im alten Glauben unterwiesen werden sollte. Die Schule der Benediktiner hatte damals alle Bedeutung verloren:„in ihr wurde die Jugend nicht mehr sehr emsig unterrichtet“, schon weil die geringe Zahl der Mönche— 4 bis 6 Adelige, welche die Propsteien inne hatten, und nicht viel mehr Bürgerliche— eine umfassende und erfolgreiche Lehr- tätigkeit unmöglich machte.¹) Schuld an diesem Verfalle des Fuldaer Klosters war der allgemeine Niedergang des geistigen, religiösen und gesellschaftlichen Lebens in Deutschland seit dem Ausgange des 15. Jahrhunderts gewesen, ein Niedergang, der umso verhängnisvoller für die Abtei werden musste, als der Lärm der Waffen sehr oft an ihre Tore pochte und den Mönchen ein unruhiges und gefahrvolles Dasein bescherte.

Da Balthasar von seinen eigenen Ordensbrüdern eine befriedigende und erfolgreiche Verwirklichung seines Planes nicht erhoffen konnte, musste er sich nach anderen lehr-— gewandten und erfahrenen Männern umsehen. Sein Blick und seine Wahl fiel auf die Jesuiten, deren ausgezeichnete Wirksamkeit in Würzburg, Trier und Mainz er hatte rühmen hören. ²)

Da der Adel an ihn mit dem Ansinnen herantrat, in dem verlassenen Franziskaner- kloster eine neugläubige Schule zu errichten, setzte sich Balthasar noch i. J. 1570 mit den Jesuiten in Würzburg in Verbindung, und das Ergebnis seiner Bemühungen war, dass schon Ende 1571 einige Patres in den Räumen des genannten Klosters ³⁴) Unterricht erteilten. Es fanden sich in der Folgezeit immer mehr Schüler ein, darunter auch einige aus adeligen Familien. Am 20. Oktober 1572 wurde, nachdem das Jesuitenkolleg als solches gegründet und fundiert war, unter grossen Feierlichkeiten die Schule mit vier

¹) Im Jahre 1540 befand sich neben der Klosterschule auch eine Schule in der Stadt. An ihrer Spitze stand der bekannte Georg Wicelius, der aber schon 1554 die Stadt verliess.

¹) Die nachfolgenden Ausführungen stützen sich vornehmlich auf Komp, die zweite Schule Fulda's und das päpstliche Seminar(Fulda 1877). Leider sind in dieser Schrift nur die Berichte der Fuldaer Jesuiten verwertet, nicht aber auch Zeugnisse und Aeusserungen der Benediktiner.

³) Dasselbe lag auf dem Terrain zwischen der jetzigen Stadtschule und der Abtei der Benediktinerinnen.