Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Fulda : Festschrift zur Gedenkfeier des 100jährigen Bestehens der Anstalt seit ihrer Neugestaltung 1805-1905
Entstehung
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Adel allerdings auch besondere Vorrechte im Klosterkapitel: manch fürstlicher Herr sandte deshalb seine nachgeborenen, für den geistlichen Stand bestimmten Söhne in kluger Berechnung gerade nach Fulda.

Nachdem schon früher der Abt des Fuldaer Klosters Reichsfürst geworden war, Wurde er i. J. 1365 Erzkanzler der Kaiserin. Seitdem diese weltlichen Würden dem Kloster zugefallen waren, war das Sinnen und Trachten seiner Vorsteher nicht mehr so sehr auf das mönchisch-asketische Ideal gerichtet, es verlor sich vielmehr im Streben nach Ansehen, Ehre und Macht. Die Herrschaft über die in der Fürstabtei ansässigen Adelsgeschlechter aber führte zu mancherlei Fehde und Kampf, der Gegensatz zwischen den bürgerlichen und adeligen Benediktinern schädigte das klösterliche Leben schwer. Dazu liebten die adeligen Kapitulare meistens ein freies Leben und waren einem Bunde mit der Wissenschaft durchaus abgeneigt.

Die Klosterschule hatte von solchen Zustanden und Verhältnissen naturgemäss den Srössten Schaden. Dieser war aber umso empfindlicher, als sie an sich schon seit dem Ende des 12. Jahrhunderts in ihrer Schülerzahl bedeutend zurückgegangen war. Denn als in jener Zeit bei den Laien eine grosse geistige Regsamkeit zu erwachen anfing und selbst unter den Handwerkern infolge des steigenden Aufschwunges aller Gewerbe und der dadurch hervorgerufenen Wohlhabenheit ein starkes Verlangen nach einer gewissen Geistesbildung sich geltend machte, da sagten die mächtig empor- geblühten Städte von den geistlichen Bildungsstätten sich los und errichteten in eigenen Schulen Parallelanstalten zu den kirchlichen. Wenn nun auch von seiten der Stadt Fulda keine solche„Bürgerschule“ gegründet worden war, so musste doch die Schüler- zahl des Klosters infolge des allmählichen Ausbleibens auswärtiger Zöglinge immer mehr sich mindern. Dieser Umstand musste natürlich in Verbindung mit den geschilderten inneren Verhältnissen des Klosters auf den Geist und Betrieb der Schule nicht wenig lähmend einwirken. Sie bestand zwar fort— unter Abt Hermann II. von Buchenau (1440— 49) war Bertold Krahe ihr Rektor; 1499 wurde Ulrich von Hutten ihr übergeben, Crotus Rubianus war sein Mitschüler—, aber es pulste im 14. und 15. Jahrhundert in ihr nicht mehr jenes frische und befruchtende Leben, das einst unter Rabanus Maurus ihre Mauern umschlossen hatten: Männer von Namen brachte sie— wenn wir

von dem Mönche Adam absehen, der i. J. 1490 einen Traktat über die Musik herausgab, — nicht mehr hervor.