Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Fulda : Festschrift zur Gedenkfeier des 100jährigen Bestehens der Anstalt seit ihrer Neugestaltung 1805-1905
Entstehung
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Diese Schenkungen mehrten sich noch, auch als Raban der Abtswürde entsagt hatte, und über den Glanz seiner Schule sich unheilvolle Schatten zu senken begannen. Seine unmittelbaren Nachfolger in der Leitung der Schule waren Walafrid Strabo und, nach dessen Erhebung zum Abte von Reichenau(839), der als Annalist bekannte Mönch Rudolf. Von den späteren sind uns nur wenige bekannt, auch über die weitere Entwickelung der Schule sind wir infolge des Fehlens einschlägiger Quellenangaben nur sehr oberflächlich unterrichtet. Aus einzelnen Schenkungsurkunden aus verschiedenen Zeiten vermögen wir aber deren Fortbestand nachzuweisen und aus der äusseren Ge— schichte des Klosters deren Schicksale zu manchen Zeiten zu erschliessen.

Die Ursachen des Niederganges der Fuldaer Schule liegen zum grossen Teile in dem bedeutenden Aufschwunge des deutschen Schulwesens. Es entstanden immer mehr Kloster- und Domschulen(Corvey, Reichenau, St. Gallen, Hildesheim, Paderborn, Magdeburg, Trier, Köln), welche über tüchtige Lehrkräfte verfügten und in ehrenvollem Wetteifer und gegenseitiger Konkurrenz dem Unterrichte die grösste Sorgfalt zuwandten. Insbesondere aber war es das benachbarte Hersfeld, welches, schon früh berühmt wegen seines Reichtumes, seiner Bibliothek und seines regen wissenschaftlichen Lebens(Annalistik), hoch kam zum Schaden Fuldas. Dazu kam der Verfall der Zucht, welcher alles geistige Leben in Fulda gegen Ende des 10. Jahrhunderts erkalten liess. Die Schule scheint damals sogar eingegangen zu sein; wenigstens wird unter dem Abte Erchanbald(997 bis 1011) als Leiter der„kürzlich neubegründeten Schule“ genannt Bardo, der spätere Abt von Hersfeld und Erzbischof von Mainz, ein Verwandter Kaiser Konrads II. Er scheint die Schule auch zu neuer Blüte gebracht zu haben. Unter seinen Schülern ragen hervor Sigfrid von Eppenstein, Abt von Fulda, und sein zweiter Nachfolger im Archi- episkopate, Bardo, Abt von St. Alban in Mainz, der Lütticher Scholaster Gozwin und der berühmte Abt Williram von Ebersberg im Freisinger Sprengel. Später wird uns noch genannt Pfalzgraf Friedrich von Sachsen(+ 1088). Ihm wurde gleich Kaiser Heinrich IV. es als etwas ausserordentliches nachgerühmt, dass er an ihn gerichtete Briefe selbst lesen und verstehen könne; soweit habe er es in der Schule zu Fulda gebracht.

Lange scheint der Aufschwung der Fuldaer Schule im 11. Jahrhundert nicht ge- dauert zu haben. Die traurigen Zeitverhältnisse, die Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum, die Streitigkeiten zwischen Fulda und Mainz, waren wissenschaftlicher Arbeit umso ungünstiger, als noch Mönchsrevolten(z. B. unter dem Abte Widerad i. J. 1063) und äussere feindliche Bedrückungen die Lage des Klosters verschlimmerten. Ekkehard zum Jahre 1116 nennt dasselbe tief heruntergekommen und ebenso schildert seinen Zustand wenige Dezennien später Abt Markwart I.(1150— 1166). Doch scheinen sehr bald wieder bessere Zeiten angebrochen zu sein. Es ergibt sich dies einmal aus dem Rechte der Proedrie d. i. dem Rechte, zur Linken des Kaisers zu sitzen, welches 1184 dem Fuldaer Abte verliehen wurde, und dann aus dem Umstande, dass der hohe Adel wieder in der Klosterschule vertreten ist: um die Mitte des 12. Jahrhunderts z. B. befindet sich unter den Scholaren der junge Herzog Boleslav von Schlesien. Damals besass der