Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Fulda : Festschrift zur Gedenkfeier des 100jährigen Bestehens der Anstalt seit ihrer Neugestaltung 1805-1905
Entstehung
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Einen besonderen Aufschwung nahm das wissenschaftliche Streben unter den Abten Baugulf(779— 802) und Ratgar(802— 817). Das Grab des hl. Bonifatius, welches sich in der Hut des Klosters befand, übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf seine Landsleute aus und rief viele derselben zum Gebete vor seine Reliquien. Der Besuch dieser höher und vielseitiger gebildeten angelsächsischen Mönche, denen sich, des alten nationalen Gegensatzes vergessend, auch viele Iren anschlossen, konnte aber nicht ohne den günstigsten Einfluss auf das literarische Leben der jungen Schule bleiben: er musste sie heben und ihrem Streben neue Ziele setzen. Tüchtige Lehrkräfte zu gewinnen sandte Ratgar deshalb die befähigtesten Mönche seiner Abtei zu den gefeiertsten Gelehrten der Zeit: den Raban und Hatto zu Alcuin nach Tours, den Modestus nebst mehreren anderen zu dem Schotten Clemens, den Candidus(Brun) zu Einhard an das Hoflager des Kaisers.

UÜber die Zahl der Schüler in der ältesten Zeit ist uns nichts näheres bekannt, doch dürfte dieselbe recht ansehnlich gewesen sein. Der Mönche nämlich, welche ja zumeist aus den Klosterschülern hervorgingen, waren es schon bei Sturmis Tode an vierhundert und die vielseitigen Bemühungen Karls d. Gr. um die Bildung seines Volkes werden sich zweifellos auch im waldreichen Buchonien bemerkbar gemacht haben.

Ihre grösste Blüte erreichte die Klosterschule unter dem eben genannten Rabanus Maurus, dem fünften Abte Fuldas(822— 842), einem der bedeutendsten Männer seiner Zeit.

Schon nach seiner Rückkehr von Tours übernahm er die Leitung der Schule und wirkte an derselben mit seinem Mitschüler Samuel, dem späteren Bischofe von Worms, mit ausgezeichnetem Erfolge. Doch bald kamen infolge der leidenschaftlichen Baulust Ratgars und der Opposition der Mönche unruhige Zeiten über das Kloster, und Raban wurde von seinem Abte des Lehramtes enthoben. Er erhielt es erst zurück, als dieser (817) abgesetzt und der einsichtsvolle Eigil zum Vorsteher gewählt worden war. Jetzt fanden die wissenschaftlichen Bestrebungen wieder erfreuliche und beständige Förderung. Sie nahmen aber einen geradezu glänzenden Aufschwung, als Raban selbst nach Eigils Tode zum Abte erhoben wurde, und er ihnen nunmehr das wärmste Interesse und die liebevollste Unterstützung zuteil werden liess. Wenn auch die Sorge für die Angelegen- heiten des Klosters ihn sehr in Anspruch nahm, so konnte er sich doch nicht ganz vom liebgewonnenen Lehramte trennen; er behielt die Unterweisung der Kleriker im Lesen und Erklären der hl. Schrift bei, indes die Leitung der Schule in den Händen seiner vorzüglichsten Schüler ruhte. So wirkte er bis zum Jahre 842. Da sah er sich wegen seiner politischen Stellung aus der Abtswürde verdrängt und verliess das Kloster,—— der Ruhm, welcher unter seiner Amtsführung die Schule glänzend umstrahlt hatte, begann zu erbleichen und zu erlöschen.

Im fränkischen Schulwesen war seit der Synode von Aachen(817) eine bemerkens- werte Anderung eingetreten. Waren bisher die wenigen Laien, welche ein Verlangen nach hnöherer Geistesbildung hatten, mit den Mönchen zusammen innerhalb der Kloster-— mauern unterrichtet worden, so konnte der infolge der Bestrebungen Karls d. Gr. entstandene Zudrang der Laien zu den Schulen der asketischen Richtung der Klöster