Aufsatz 
Königliches Gymnasium zu Fulda : Festschrift zur Gedenkfeier des 100jährigen Bestehens der Anstalt seit ihrer Neugestaltung 1805-1905
Entstehung
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I. Die erste und zweite Schule Fuldas.

Von Oberlehrer Dr. Konrad Lübeck.

Die erste Schule Fuldas: die Schule der Benediktiner.

Nie später so berühmt gewordene Schule zu Fulda entstand um die Mitte des achten Jahrhunderts. ¹) Nach der Sitte der Zeit wurden dem Kloster, welches der hl. Sturmius im Odlande Boconia in der Nähe des Flusses Vultaha am 12. März 744 gegründet hatte, schon alsbald nach seiner Vollendung Kinder zur Erziehung und zur Heranbildung für den geistlichen Stand übergeben. Musste dieser Zweck bereits eine systematische Unterweisung zur Folge haben, so wurde dem Unterrichte zweifellos eine besondere Aufmerksamkeit zugewandt, als Sturmius i. J. 748 aus ltalien zurückgekehrt war, wo er sich mit den Einrichtungen und Gebräuchen der Benediktinerklöster bekannt gemacht hatte. Die sittliche Erziehung und geistige Ausbildung der den Mönchen an- vertrauten Jugend bildete aber dortselbst eine Hauptaufgabe und Hauptbeschäftigung der Klöster, und so ist sicher die Annahme berechtigt, dass auch Sturmius nach seiner Rückkehr dem Unterrichte der Klosterjugend eine besondere Bedeutung beilegte. Dies umsomehr, als auch der hl. Bonifatius, der väterliche Freund und Berater der Fuldaer Mönche, der Ausbildung der pueri oblati sich stets in der liebevollsten und hingebendsten Weise annahm und Sturmius selbst in einer Klosterschule(Fritzlar) seine Erziehung empfangen hatte. Entsprechend dem Gründungszwecke des Fuldaer Klosters, welches in erster Linie der Askese und Kontemplation, nicht aber der Missionierung Germaniens dienen sollte, trug anfänglich die Ausbildung der Schüler ein vorwiegend asketisch-theologisches Ge- präge, doch wurden die profanen Wissenschaften und Künste nicht völlig vernachlässigt. Schon frühe beschäftigte man sich mit dem Abschreiben und Studium klassischer Werke, und die künstlerische Betätigung in Malerei, Skulptur u. s. w. wurde durch das Gebot

der Handarbeit seitens der Benediktinerregel geradezu gefordert und deshalb auch nicht wenig gefördert.

*) Des geringen mir zur Verfügung stehenden Raumes wegen muss ich in der nachfolgenden

Skizze auf Quellenangaben und kritischen Apparat verzichten. An einem anderen Orte gedenke ich einige der hier vertretenen Sätze näher zu begründen.