Aufsatz 
Der französische Anfangsunterricht im Gymnasium / von Julius Jäger
Entstehung
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durchgearbeitetes Gedicht oder Leſeſtück auswendig lernen zu laſſen; dies jedoch erſt dann, wenn man durch vorausgeganges häufiges Vorleſen und allmählich korrekt gewordenes Nachleſen eine gewiſſe Garantie dafür gewonnen hat, daß ſich die Schüler keine falſchen Laute einprägen. Darüber, wann mit dem ganzen Leſe⸗ ſtück zu beginnen, und wie dasſelbe ſonſt zu behandeln iſt, ſiehe unten.

Schon oben(S. 9.) iſt davon geſprochen worden, daß die Unterweiſung in Ausſprache und Orthographie Hand in Hand gehen müſſen. Die für die letztere, zum Teil aus dem Vorhergeſagten, ſich ergebenden Uebungen ſeien im folgenden noch einmal zuſammengeſtellt: vor allem ſtetes Hinweiſen auf die Laute, von denen der einzelne durch verſchiedene Zeichen oder durch zuſammengeſetzte Zeichen ausgedrückt werden kann, z. B. o durch o, au, eau,; e durch e, ei, ai; k durch qu u. ſ. w.; ferner häufiges Buchſtabieren der aus⸗ wendig gelernten Vokabeln, Anſchreiben derſelben an die Wandtafel und dabei Kontrolle durch die Schüler, endlich von Zeit zu Zeit ein Diktat durchgenommener, aber teilweiſe abgeänderter Sätze oder eines kurzen Leſe⸗ ſtückchens.

Nächſt Ausſprache und Orthographie iſt das zur Erreichung der Lehrziele des Franzöſiſchen im Bym⸗ naſium wichtigſte Gebiet die Grammatik, da die Kenntnis der Geſetze derſelben notwendig iſt ſowohl zum vollſtändigen Erfaſſen des in der fremden Sprache Dargebotenen, als auch zum korrekten Ausdruck in derſelben.

Der in der Elementargrammatik von Plötz dargebotene Stoff kann, wenn ein tüchtiges Verarbeiten ſtattfinden ſoll, nicht wohl in weniger als zwei Jahreskurſen bewältigt werden. Da von dieſen der der Quarta. 5 Stunden, der der Unter⸗Tertia nur 2 Stunden wöchentlich hat, ſo wird als Penſum der erſteren aufgeſtellt werden können: Lektion 1—79, 82— 84, 86, 87, 92, 93, 97, 99, 100— 102, d. h. die Formen der ſoge⸗ nannten regelmäßigen Konjugationen, Artikel, Adjektiv, Adverb, Steigerung, ſogenannte regelmäßige Plural⸗ bildung, Erſatz der Deklination und die Pronomina. Die übrigen Lektionen, ſowie eine Repetition der die Pronomina betreffenden, fallen der Unter⸗Tertia zu, in deren zweitem Halbjahr die wichtigſten unregelmäßigen Zeitwörter noch nach der größeren Grammatik durchgenommen und eingeübt werden können.

Wie ſoll nun dieſer grammatiſche Stoff im Unterricht behandelt werden? Die Neuerer, die das Leſe⸗ ſtück zum Ausgangs⸗ und Mittelpunkt des letzteren machen, verlangen, daß alles Grammatiſche vermittelſt eines induktoriſchen Verfahrens aus der Lektüre abſtrahiert werde. So ſagt Kühn(Anfangsunterricht, S. 28): „Aus den Leſeſtücken werden allmählich die elementarſten Dinge der Grammatik gewonnen, vor allem die Konjugationsformen, die Negation, die Formen des Artikels und des Fürworts, der Erſatz der Deklination ꝛc. Da das Verfahren ein induktives iſt, ſo werden zuerſt die nächſtliegenden und häufigſten Punkte erörtert und geübt, während die ſeltenern an das Ende des Elementarkurſus gelegt oder aus demſelben ganz entfernt werden.“

Dieſe Forderung iſt aus folgender Erwägung hervorgegangen, die Münch in klarer und anſchaulicher Weiſe mitteilt.„Im Knabenalter tritt das Reflexionsvermoͤgen noch durchaus zurück“;„Nachahmen und Nachbilden iſt das vorzüglichſte Thätigkeitsmotiv in dieſem Alter“(a. a. O. S. 7).„So ſoll denn namentlich zu Anfang an die Stelle der einſeitig herrſchenden bewußten Reflexion reichlichere Nachahmung treten, an reicherem Anſchauungsmaterial ſoll das Sprachgefühl entwickelt werden; es ſoll dem unmittelbaren Erlernen eine beträchtliche Rolle zugewieſen werden, und es ſoll, im Zuſammenhang damit, von vornherein ein erheblicheres Können erzielt werden, zu welchem alles Wiſſen doch nur Vorſtufe bleibt.“(a. a. O. S. 14.) Die hiernach vorgehende Methode„ruht weſentlich auf der Geſundheit der Sinne zur Aufnahme und Nachahmung, auf der Stärke des natürlichen Gedächtniſſes, auf der Macht der Gewöhnung, auf den mehr inſtinktiven Geiſteskräften, dann auf der logiſchen Operation des Analogieſchluſſes“....„Sie hat ihre vollſte Verwirklichung in dem Erlernen der Mutterſprache im Kindesalter, eine annähernd ausſchließliche auch in dem volkstümlichen Erlernen einer fremden Sprache bei perſoͤnlicher Berührung und aus dem praktiſchen Bedürfnis

heraus.“(Münch, a. a. O.) Allein dem Kind, das ſeine Mutterſprache lernt, und dem Erwachſenen, der 2.