Aufsatz 
Vergilstudien : 1. Teil. Die Götter in der Aeneis
Entstehung
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Verhältnisse einfacher, da die besorgte Mutter die Ge- mahlin des Vulkan ist. Venus argumentiert zunächst, wie wir es bei Vergils Göttern gewöhnt sind, und nimmt entsprechend dem Streben des Dichters, möxglichst viele hom. Motive wenigstens zu streifen, auch auf den Erfolg der Thetis Bezug. Um die an die Täuschung des Zeus anklingende zärtliche Scene zu motivieren, nennt der Dichter den Vulkan cunctantem, obwohl wir keinen Grund seines Zauderns erkennen und Vulkan nach Vs. 39596 an eine Weigerung nicht denkt.

Eine unhomerische Vermenschlichung liegt in den Worten quidquid in arte mea possum promittere curae. Zu electro vgl. Od. IV 73. Die Werkstatt schildert Homer nach menschlicher Analogie. Vergil verwertet Geographisches und Kosmologisches und stellt eine Be- ziehung zur Cyklopensage her, die hier noch weniger wie in III homerisch gefasst ist.

Vs. 608 616 ist die Uebergabe der Waffen kurz, aber mit dem Vergils Göttererscheinungen eigenen Effekt geschildert. Der Idyllendichter hat einen idyllischen Ort für diesen Vorgang geschaffen. Venus zeigt sich durch- aus anders wie I 407 9. Epische Breite erschien dem Dichter überflüssig. Die Darstellung drängt der Schild- beschreibung zu.

IX.

Vs. 2 schickt Jjuno die Iris zu Turnus. Dieser be- findet sich gerade in geheimnisvoller Abgeschiedenheit im Hain des Pilumnus. Bei ihrem Verschwinden widmet ihr Turnus einen Nachruf. Dass sie decus caeli genannt wird, kommt daher, dass sie Vergil immer mit dem Regenbogen denkt. Hier ist die Erscheinung noch wun- derbarer, vgl. unde haec tam clara repente tempestas etc. gegenüber Vs. 15 u. 18.

Vs. 80 106 knüpfen an III 5 ff. an. Unhomerisch ist prisca fides facto, sed fama perennis. Dem fertur Vs. 82 wird nach Servius von den alten Kritikern teils Lob, teils Tadel gespendet, erstere legen den unrichtigen Massstab des Historikers, letztere unbewusst den richtigen des hom. Stiles an. Torquet qui sidera mundi 903 er- innert an die mühevolle Thätigkeit des Atlas(IV 482), zu Zeus passt es weniger, gemildert erscheint es IV 269 caelum et terras, qui numine torquet. Auch Servius hat offenbar über diese Vorstellung nachgedacht. Der Vor- gang hat keine Scenerie, dagegen ist ein Landschaftsbild mit Ausblick auf langjährige Kultübung eingefügt. (Cybelekultus in Rom.)

638. Ascanias hat den Numanus Remulus getroffen, Apollo schaut auf einer Wolke sitzend den Vorgängen zu. Der Erfolg des Ascanius macht ihm Eindruck, er lässt sich herab, teilt die brausenden Lüfte und verwan- delt sich in den alten Butes. Vergil, der Kontraste liebt, gefällt sich offenbar darin, den jugendlichen Apollo in dieser Metamorphose zu zeigen. Gleichwohl ver- schwindet Apollo unter Offenbarung seiner GCottheit. Dadurch sollte die Mahnung mehr Nachdruck erhalten und den andern Kriegern eine Aneiferung gegeben werden.(Augustus und Apollo.)

X. 1 117 schildern eine Götterversammlung im grossen

Stil. Die Eröffnung und der Schluss zeigen uns deut- lich den Unterschied zwischen Homer und Vergil. Dieser denkt sich den Vorgang wie eine ceremonielle Staats- aktion, die intimen, persönlichen Züge hom. Götterscenen fehlen. Die Charakteristik, die H. Grimm mit Recht von diesen entwirft, könnte man hier nicht wagen. Die Rhe- torik ist die Hauptsache. Terras unde arduus omnes aspectat erinnert an I 223 25. Die Verse 63 64 ent- halten psycholog. richtige Beobachtungen, aber vulgare passt nicht in die Situation. 101 03 sind Ennius nach- gebildet, durch den schon I 255 beeinflusst ist. In diesen Stellen liegt ein stilistischer Gegensatz zu Hom. II. I 520. Zu et tremefacta solo tellus vgl. Servius: loquente Jove stupor elementorum ostenditur per mutationem naturae; nam quidquid in aeterno motu est quievit, et contra terra mota est semper immobilis.

464 473 ist das reinmenschliche Empfinden, der reinmenschliche Gedankenaustausch zwischen Zeus und Hercules zu beachten. Man fühlt, dass der oberste der Götter und der Fleros, der alle anderen überragt, sich verstehen. Das Scenische ist nur durch atque oculos Rutulorum reicit arvis für den Vater der Götter und Menschen recht menschlich angedeutet, vgl. II. 13, 3. Vielleicht schwebte dem Dichter Il. 16, 431 ff. vor, aber die wehmütige, resignierte Stimmung und der Hinweis auf den Nachruhm als Verlängerung der Existenz fehlen dort.

XI.

531596. Diana befindet sich gegen ihre Ge-

wohnheit mit ihren Gespielinnen superis in sedibus.

Denn der Dichter muss ihr die Möglichkeit bieten, die Vorgänge auf dem Kampfplatz zu beobachten. Durch den Mund der Göttin macht er uns mit der Geschichte der Kamilla bekannt. Hierin liegt nicht gerade ein Vor- zug der Komposition; man meint, diese Dinge müssten der Opis bekannt sein. Aber die Gemütsbewegung der Diana, die Einzelheiten der Erzählung und unser Inter- esse an der eigenartigen Erscheinung der Kamilla und den gezeichneten Verhältnissen täuschen uns über diese Unebenheit hinweg. Zu nigro circumdata turbine Vs. 596 bemerkt Servius: quia ad moerorem et luctum descendit und vergleicht gegensätzlich VIII 603, auch turbine scheint auf das Unheil hinzuweisen. Mit insonuit veranschaulicht es die Bewegung der Lüfte, die durch das Herabeilen der Nymphe verursacht wird; Verg. Og. I 406 u. 409 heisst der aether ebenfalls levis.

Wohin sich Opis begiebt, erfahren wir hier nicht, 836 sitzt sie hoch oben im Gebirg und schaut menschlich gedacht interrita dem Kampf zu. Dem Kunstepos entspricht ihr Hinweis auf den dichterischen Nachruhm der Kamilla. Das Eingreifen der Opis will der Dichter wirkungsvoll gestalten, er zeichnet zunächst den Schauplatz in landschaftlicher und geschichtlicher Hinsicht, schildert anschaulich die Vorbereitung zum Schuss, die Katastrophe tritt ein, und Aruns haucht ver- lassen sein Leben aus. Opis begiebt sich dann mit Flügeln aethereum in Olympum. Gleichwohl erreicht der Dichter damit keine besondere Wirkung(wie Hom. Il. II) denn die Sache ist für den Fortgang der Handlung