Aufsatz 
Vergilstudien : 1. Teil. Die Götter in der Aeneis
Entstehung
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weitere Reflexion erwähnt wird, unterscheidet Vergil zwischen göttlichem und menschlichem Sehen und lässt dabei offenbar den Feuchtigkeitsgehalt der Luft eine Rolle spielen.

IV.

Vs. 90128 ist die Unterredung zwischen Juno und Venus wohl in Beziehung zu llias 14, 153 225 zu setzen. Hier wird Juno überlistet, dort Venus. Bei Vergil vermissen wir die Scenerie, auch die näheren

Umstände des Treffens und Scheidens fehlen; ihm ist-

nur die den Gang der Handlung fördernde Intrigue und das Rhetorische die Hauptsache, das epische Beiwerk ist ihm gleichgültig.

219 ff. Im Gegensatz zu I ist die zweite Entsendung des Hermes reich an konkreten Zügen. Sie entspricht etwa der hom. Vorlage. Gleichwohl findet sich manches Charakteristische. Die Schuhe des Gottes sind geflügelt, Hermes wird unter Hinweis auf das düstere Schattenreich als Psychopompos gezeichnet, mit etwas Realismus werden die Wolken turbida genannt. Bei Homer ist der Vor- gang selbstverständlich. Vergil hebt hervor, dass Hermes auf seinen Stab vertraut. Dieser ist also offenbar nicht nur Heroldsstab. Die Oertlichkeit ermöglicht die Erwäh- nung des den röm. Autoren interessanten Atlas. Dabei liess sich auch die Verwandtschaft des Hlermes und Atlas erwähnen. Für die Zeitgenossen des Dichters war das hinc(näml. v. Atlas) toto praeceps se corpore ad undas misit effektvoller als die entsprechende schlichte Wen- dung der hom. Darstellung. Homer erwähnt nur die Buchten, Vergil das Gestade und die humiles scopuli, er wählt den Ausdruck volat aequora iuxta, statt des hom.er benetzt sich das dichte Gefieder mit Meerwasser. Der hom. Kalypso erscheint Hermes in seiner wahren Gestalt, und sie erkennt ihn als Gott.

Bei Vergil liegt ein Nachdenken über Theophanien vor, wenn es heisst mortales visus medio sermone reli- quit et procul in tenuem ex oculis evanuit auram. Aehn- liches kommt auch bei Homer gelegentlich vor, wenn ein Gott, wie hier im Gegensatz zur Vorlage, einem Menschen erscheint. Aber in medio sermone und procul liegt gleichwohl ein Gegensatz zur Einfachheit des hom. Stiles.

555 ff. erscheint Hermes abermals. Hier hat der Dichter das seinen Zeitgenossen bekannte Hermesideal der Plastik vor Augen.

693 ff. wird lris in Verbindung mit der naturwissen- schaftlich richtig aufgefassten Naturerscheinung des Regen- bogens eingeführt, vgl. 701 Servius zu adverso lumine nicht homerisch.

V.

Iris greift Vs. 605 auf Wunsch der Juno in die Handlung ein, auch hier in Verbindung mit dem Regen- bogen. Ein konkreter Anlass liegt nicht vor, Juno ent- sendet sie multa movens, Iris handelt selbständig, haud ignara nocendi. Für die Auffassung sind bezeichnend ventosque aspirat eunti 607 und nulli visa 610.

779 826 treffen Venus und Neptun zusammen. Ihr Zusammentreffen ist ohne konkrete Züge. Die Reden neh- men Bezug auf Dinge, die in der Ilias u. der Aeneis er- zählt sind. Während Venus zum Schluss unberücksichtigt

bleibt, ist die Entfernung des Neptun glanzvoll geschil- dert. Im Gegensatz zu J begleitet ihn sein ganzes Gefolge. 835 ff. ist eine stimmungsvoll ausgeführte Variation zu Homer. Od. 3, 278 83. Der Tod des Steuer- mannes erscheint hier mehr seinem Beruf angepasst, vgl. Od. 5, 270 ff. Vielleicht deuten Palinurus und Misenus auf ein Schwanken des Dichters bezüglich der endgültigen Gestaltung des Vs. 81415 angedeuteten Ereignisses.

VII.

Vs. 10 bringt Vergil wenn auch aus der Ferne Circe in eine Beziehung zu seinem Helden. Die Ver- schiedenheiten von Homer ergeben sich zum Teil aus der von ihm geschaffenen Situation, so durfte der Palast nicht in einer Schlucht gelegen sein. Die Tiere, die bei Homer ruhig sind, müssen hier toben, sonst hätte ja Aeneas nichts von ihnen gemerkt, zudem waren dem Römer der damaligen Zeit die wilden Tiere(die ursi sind nicht homerisch) in der Leidenschaft aus den Spielen geläufig. Das sera sub nocte erhöht das Unheimliche (und bildet einen Kontrast zu Vs. 8 90). Dass Circe Cedernholz brennt, erinnert an Kalypso, dass es nocturna in lumina geschieht, ergiebt sich aus der Situation.

Bei terga ferarum empfindet man den Gegensatz zur aufrechten Haltung des Menschen vgl. Ov. Met. I 85 86.

arguto Vs. 14 entspricht im Unterschied von Homers

gleichmässiger Berücksichtigung der Einzelheiten Vergils Vorliebe für vereinzelte realistische Züge. In der Erklärung des inaccessos ist Servius pedantisch, Vergil hat Sinn für abgeschiedene, unbetretene Waldeinsamkeit. magnorum ululare formae luporum im Gegensatz zu den schlichten hom. Beiwörtern ergiebt sich aus dem Pathos des Dichters und seinem Streben, hier die Fern- wirkung zu erzielen. Der erzählende Dichter zeigt sich in der Verbindung dieser beiden Züge, denn von den magnae formae weiss nur er, ebenso wie nur er das arguto wahrnimmt. In tectis superbis verrät sich der Römer der augusteischen Zeit.

286 ff. greift abermals juno in die Gestaltung der Dinge ein. In der Rolle, die sie spielt, liegt eine Ueber- spannung des Poseidonmotivs aus der Odyssee. Hier geht sie von Argos aus, schwebt mit ihrem Wagen in der Luft, beobachtet aus schwindelnder Höhe(I 223 ff.) die Vorgänge, hält einen wirkungsvollen Monolog, citiert Allecto(die näheren Umstände bleiben uns unbekannt) und giebt ihr den Auftrag, den Krieg zu erregen. Dann verlieren wir sie bis zu ihrem Eingreifen Vs. 622 aus den Augen, während sich unsere Aufmerksamkeit dem Wirken der Allecto zuwendet.

VIII.

Vs. 30 erscheint dem Aeneas im Traum Tiberinus, entsprechend dem späteren Kunstideal der Flussgötter.

Vs. 369 406. Nach einer stimmungsvollen Ein- führung der Nacht werden wir in den Palast der Venus und des Vulkan versetzt. Zwei hom. Motive sind ver- bunden(Vulkan und Thetis, Täuschung des Zeus.) Ho- mer bietet llias 18 eine durch die Situation bedingte, an intimen Zügen reiche Darstellung der Verhältnisse; Thetis kommt, wird durch Charis begrüsst, wartet bis die Rüs- tung fertig ist, und geht weg. Bei Vergil liegen die