III. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr 1910/11 hatte am 5. April mit einer Feier geschlossen, bei der ein von der Firma B. G. Teubner aus Anlass der Feier ihres hundertjährigen Bestehens zur Auszeich- nung eines würdigen Schülers gestiftetes Werk B. Landsberg, Streifzüge durch Wald und Flur dem Quintaner O. Kerber überreicht worden war.— Das neue Schuljahr begann Donnerstag, den 20. April mit Aufnahmeprüfungen; die Eröffnungsfeier fand um 10 Uhr statt.
Zwei Herren traten an diesem Tage in das Kollegium ein, der wissenschaftliche Hilfslehrer H. Seis und der Kandidat des höheren Lehramts R. Böhning. So konnte zum ersten Male fast der gesamte Unterricht von Lehrkräften der Anstalt gegeben werden mit Ausnahme des Zeichenunterrichts, den wie im Vorjahre der Zeichenlehrer an der Schillerschule P. Scheffler erteilte, und des Unterrichts in katholischer Religion. Dieser wurde im Anfang Mai dem Kaplan Fr. Wolf übertragen, nachdem Herr Dr. Nicolay an das Gymna- sium in Oberlahnstein berufen worden war. Herr Böhning verliess uns schon nach einem halben Jahre wieder, da er nach Beendigung seines Probejahres zum Oberlehrer am Pro- gymnasium in Hofgeismar gewählt wurde; wir sprechen ihm für seine treue Mitarbeit auch an dieser Stelle unseren aufrichtigen Dank aus, Seinen Unterricht übernahmen mit Beginn des Winterhalbjahres die beiden Kandidaten des höheren Lehramts Dr. W. Hartung und G. Pinterich.
Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler unterzog die Anstalt am 14. Juni einer eingehenden Revision und wohnte auch am 14. Februar mehreren Unterrichtsstunden bei.
Aus dem Schulleben der Anstalt in diesem dritten Berichtsjahre sei noch folgendes hervor- gehoben: Der Unterricht wurde ausgesetzt am 10. Mai, dem 40. Jahrestage des Frankfurter Friedens, auf dessen Bedeutung der Anstaltsleiter am Tage vorher bei einer Schulfeier hingewiesen hatte. Der Sommerspaziergang fand am 27. Juni statt; die Quintaner bestiegen von Cronberg aus den grossen Feldberg und kehrten am Abend über die Spinnerei Hohe- mark zurück, von der die Sextaner am Vormittag ausgegangen waren, um die Saalburg zu besuchen. Beide Touren waren vom Wetter weniger begünstigt als die Odenwaldwan- derung der Quartaner, die von Bensheim aus über Schönberg, Fürstenlager und Auerbacher Schloss nach dem Melibokus wanderten und auf dem Abstieg nach Jugenheim das Felsen- meer besichtigten. Nach den Sommerferien musste der Unterricht wiederholt ganz oder teilweise wegen der ungewöhnlichen Hitze ausgesetzt werden. Der 2. September wurde in der bereits herkömmlichen Weise in Schwanheim gefeiert; eine Schnitzeljagd führte vom Staatsbahnhof nach dem Schwanheimer Turnplatz, wo die Wettspiele stattfanden; die als Sieger hervorgegangenen Schüler: Oswald und Bart(IV), Müller und Schorr(V), Schmieder und Christmann(VI) wurden bei der Preisverteilung auf der Mainwiese mit Eichenkränzen ausgezeichnet. Am 30. September wurde des hundertjährigen Geburtstages der Kaiserin Augusta im Unterrichte gedacht. Am gleichen Tage nahmen wir in einer gemeinsamen Feier Abschied von der Schillerschule und ihrem Direktor Herrn Dr. Bojunga, nicht ohne dem Gefühl aufrichtigen Dankes für die 2 ½ Jahre lang gewährte Gastfreundschaft Ausdruck zu geben. Die Herbstferien waren dem Umzug gewidmet und der Einrichtung im neuen Schulgebäude, über dessen Einweihung am 16. Oktober im ersten Teil dieser Mitteilungen
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