Aufsatz 
Der Zeichenunterricht an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt / von Richard Hölscher
Entstehung
Einzelbild herunterladen

F. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Personalangelegenheiten.

Dem Jahresberichte für das Jahr 1894/95 ist nachzutragen, dass der Kollege Dr. Baur seit dem Winter 1894 an der Technischen Hochschule dahier als Privatdozent für Mathematik zugelassen worden ist.

Kollege Prof. Dr. Forbach nahm im April v. J. auf Veranlassung der Behörde an dem archäologischen Ferienkursus in Dresden Teil.

Kollege Dr. Anthes war während des Sommersemesters in seiner Eigenschaft als Streckenkommissar der Reichs-Limes-Kommission wiederholt auf Urlaubsreisen; er wurde durch die Accessisten Brod, Sohn und Peters vertreten.

Kollege Ritsert war vom 5. Juni an bis zu den Sommerferien zu militärischer Dienst- leistung einberufen und musste daher gleichfalls vertreten werden. Accessist Brod war vom 15. Mai bis zum 29. Juni vertretungsweise am Gymnasium zu Mainz verwendet.

Durch Verfügung mit Wirkung vom 16. Juni wurde Assessor Hensing an das Lehrer- seminar in Friedberg versetzt, und durch Allerhöchstes Dekret mit Wirkung vom nämlichen Tage Kollege Dr. Ihne von dem Progymnasium und der Realschule zu Friedberg an unsere Anstalt berufen.

Dr. Egon Ihne, geboren zu Rheinbach am 3. Juni 1859, besuchte das Realgymnasium zu Siegen, studierte 1877 80 in Giessen und Bonn Naturwissenschaften und gehörte drei Jahre lang dem pädagogischen Seminar in Giessen an. Nachdem er sodann von Herbst 1884 bis Ostern 1885 an der Viktoriaschule zu Darmstadt provisorisch verwendet gewesen, wirkte er von Ostern 1885 bis zum 16. Juni 1895(und zwar seit dem 22. November 1885 als definitivy angestellter Lehrer) an dem Pro- gymnasium und der Realschule zu Friedberg. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen beziehen sich auf die Botanik, insbesondere auf die Pflanzenphänologie.

Kollege Dr. Ihne war für die letzte Woche vor den Herbstferien zum Zwecke der Teilnahme an der Naturforscherversammlung in Lübeck beurlaubt.

Zu Beginn des Wintersemesters trat der Accessist Liebrich als Volontär ein, wurde aber bereits im Januar I. J. zur Verwendung an der Realschule in Gernsheim abberufen. Kollege Mendelssohn war im Oktober v. J. zur Abhaltung eines Unterrichtskursus für Orga- nisten einige Tage lang beurlaubt.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 11. Februar l. J. wurde Prof. Dr. Forbach zum Direktor der höheren Mädchenschule in Offenbach ernannt. Nur ungern sahen ihn Amts- genossen und Schüler von der Anstalt scheiden, der er seit ihrem Bestehen als vortrefflicher Lehrer und liebenswürdiger Kollege angehört hatte. Unsere besten Wünsche begleiteten ihn in die neue ehrenvolle Stellung.

Zu seinem Nachfolger wurde, gleichfalls durch Allerhöchstes Dekret vom 11. Februar I. J., der Grossh. Gymnasiallehrer Dr. Wilhelm Büchner bestimmt.

Dr. Wilhelm Büchner, geboren zu Raibreitenbach im Odenwald am 25. Februar 1866, besuchte von 1877 bis 1884 das Gymnasium zu Darmstadt und studierte von 18841889 in Leipzig, Giessen und Göttingen. 1889 trat er in das pädagogische Seminar zu Worms ein, wirkte vom Januar 1890 bis zum Herbst 1891 an dem Gymnasium in Mainz und wurde im Herbst 1891 an das Gymnasium und die Realschule in Offenbach berufen. Seine definitive Anstellung erfolgte im Herbst 1894. Der Lehramtsaccessist Schäfer wurde vom 26. Februar J. J. an mit der Vertretung eines Lehrers am Gymnasium in Bensheim beauftragt.

2. Schulfestlichkeiten.

Noch in das Schuljahr 1894/95 fiel der Festakt, den wir zur Feier des 80. Geburts- festes des Fürsten Bismark am 1. April 1895 begingen. Kollege Hölscher verdiente sich bei dieser Gelegenheit den lebhaftesten Dank der Anstalt durch die Stiftung eines von ihm selbst gezeichneten lebensgrossen Brustbildes des unvergleichlichen Staatsmannes, das bei der Feier selbst unserem Saale zum schönsten Schmuck gereichte und seitdem seinen Platz im Klassen- zimmer der Oberprima gefunden hat.