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2. Mittheilungen an das Elternhaus.
Das Schuljahr, über welches in diesen Blättern Bericht erstattet wird, war für die Ge- schichte der Musterschule bedeutungsvoll. Aus kleinen Anfängen in der ersten Zeit dieses Jahr- hunderts war allmählich eine vollständige Realschule und eine höhere Töchterschule herangewachsen. Als ich die Schulleitung im Herbst 1867 übernahm, umfasste jene 9 Classen, deren oberste in 2 getrennte Abtheilungen zerfiel, diese 8 Classen, gleichfalls mit 2 getrennten Abtheilungen der ersten Classe; besucht wurde jene von 402 Schülern, diese von 348 Schülerinnen. Immer wachsender Andrang von Schülern und Schülerinnen nöthigte uns, alle Classen bis zu den oberen hin in je 2 Abtheilungen zu zerlegen, das gesteigerte Ziel beider Anstalten vergrösserte ausser- dem die Classenzahl, so dass im Sommer 1876 die Realschule mit ihrer Vorschule in 20 getrenn- ten Abtheilungen 622 Schüler, die Mädchenschule in 18 getrennten Abtheilungen 590 Schülerinnen zühlte. So war natürlich trotz der Ausnützung aller Räume und trotz manches unangenehmen Nothbehelfes das alte Schulhaus zu„klein geworden, und wir hatten zur Verlegung von 14 Classen der Knaben- und Mädchenschule an das Bockenheimer Thor schreiten müssen. Ein solcher Zustand konnte nicht dauern; überdies hatte die Verbindung der Anstalten für beide Geschlechter, welche Anfangs bei einfacheren Verhältnissen und geringerer Schülerzahl viel Vor- theile mit sich brachte, allmählich manche Missstände in ihrem Gefolge; vor allen Dingen aber wurde die Aufgabe der Leitung der ganzen doppelten Doppelanstalt für einen Mann zu gross. So lieb mir nun auch die Thätigkeit an der Mädchenschule immer war, so gern ich auf ver- schiedenen Stufen derselben unterrichtete, hatte ich doch selbst auf die vollständige Tren- nung hinarbeiten müssen. Nachdem dann im Herbst des vorigen Jahres das neue schöne Ge- bäude für die Mädchenschule vollendet, war, fand diese Trennung statt, der alte Name»Muster- schule« und das alte Haus blieben der Realschule, während die Mädchenschule unter dem Namen »Elisabethenschule« in das neue Schulhaus an der Göthestrasse einzog. Es ist nun nicht die Aufgabe dieses Berichtes, sich auch auf die Mädchenschule zu erstrecken, nur einige Worte werden jedoch auch an dieser Stelle gestattet sein. Mit Befriedigung darf ich es hier, wie bei dem Abschiede von den Amtsgenossen und den Schülerinnen, noch einmal aussprechen: die Mädchenschule ist vollständig in ihrem Classensystem ausgebaut, auf einen in seinen Grund- zügen sicheren Lehrplan gegründet, aus meinen Händen in die bewährten Hände des ältesten Lehrers der Anstalt, des Herrn Director Weismann übergegangen, der sich schon als Lehrer seit vielen Jahren die Verehrung der Schülerinnen erworben hatte; er führt sie in dem Geiste fort, in dem wir neun Jahre zusammen arbeiteten. Unterstützt von der Lehrergemeinschaft, mit deren treuer Hülfe die gedeihliche Entwickelung der Schule erreicht worden, wird er der- selben das Vertrauen, das sich schon früher an seine Person knüpfte, zu erhalten wissen. Mir aber ist es ein Bedürfniss, auch an dieser Stelle den Behörden und den früheren Amtsgenossen aufrichtigen Dank auszusprechen für die Unterstützung, die sie mir in meiner schwierigen Auf-


