Aufsatz 
Über die Ausdehnung der säkularen Bewegungen des festen Erdbodens : 1. Teil
Entstehung
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und dann allerdings, wenn dabei der Zusammenhang einzelner Wassermassen mit ihrer Ge- sammtheit aufgehoben wurde, die zurückbleibenden durch Verdunstung vermindert, und dies zwar um so rascher, je weniger durch Zuflüsse der Abgang ersetzt wird. Das Phänomen der Land- hebung findet darin eine Unterstützung. Das Abfliessen des Wassers eines Meeres geht aber dorthin vor sich, wo ihm Raum und Platz und die natürliche Lage nicht im Wege stehen. Wurde nun durch Emporwachsen des Landes dem Aral-, Kaspi- und Schwarzen Meere der Raum von Osten her eingeengt, so musste es nach Westen einen Ausweg suchen, was es auch that durch Zer- trümmerung der ihm am Bosporus entgegenstehenden Hindernisse; seine Wasser ergossen sich ins Aegäische und Mittelmeer, wodurch deren Spiegel bedeutend gehoben und vieles Land vom Meere bedeckt wurde.¹) Auch diese beiden konnten in einem engen Raum eingezwengt, die Fluten dreier Meere nicht beherbergen, mit vereinter Kraft schufen sie sich einen Ausweg durch die Pforte von Gibraltar in den Atlantic.

Daraus folgt zugleich: Europas Gerippe war schon aufgebaut, als den Westen Asiens noch die See beherrschte; eine Landverbindung mit Kleinasien hat bestanden, und ihre Zer- störung erfolgte nicht in Folge einer Senkung, sondern einer Hebung von Osten her. Die Hebung von Osten her wirkt ununterbrochen fort, zieht sowohl Land- wie Meeresboden in ihren Kreis und muss schliesslich zur Entwässerung des Aral- und Kaspisee, des Schwarzen und Asowischen Meeres führen.

Alle Binnenmeere müssen aus unserem Erdtheile nach und nach verschwinden, der Hebel, das aufsteigende Land drückt sie nach Westen. Einstmals stand das Weisse Meer mit der Ostsee in Verbindung; sie ist längst aufgehoben, nur Reste des früheren Zusammenhanges führt uns die Karte in der Finnischen Seenplatte, im Ladoga- und Onegasee vor Augen. Sieg- reich dringt die Hebung vor, sie zwang die Wogen des einstigen Sarmatischen Meeres einen Ausweg nach Norden oder Westen zu suchen, der Durchbruch geschah nach Westen, Land ver- schwand, aber nicht in Folge einer Senkung, sondern einer Ueberflutung, die Urwälder an der Ostsee fielen ihr zur Beute, die Landverbindung zwischen dem Norden und der Mitte wurde aufgehoben, die Gewässer gruben die Tiefen der Nordsee und bahnten sich Wege nach Nord und West. So ging das Land zwischen Brittanien und Scandinavien zu Grunde, so durchbrachen die Wassermassen die einstige Landenge von Calais, um sich in den Ocean zu stürzen. Des- halb können wir an diesen Erdstellen von keinen Senkungen sprechen, es sind nur Ueberflutungen, die aber wieder schwinden müssen beim Vorwärtsschreiten der allgemeinen Hebung.

Diese allgemeine Hebung dehnt sich aber stetig über das gesammte asiatisch-europäische Festland aus und umfasst auch Afrikas Norden und Mitte.

Das Meer der Sahara floss jedenfalls nach Westen zu ab, denn im Nordosten hob sich das Land, drängte die salzigen Gewässer nach dem Westen hin und schied so für lange Zeit den Indischen vom Atlantischen Ocean. Länger dauerte die Verbindung mit dem Mittelmeere, bis endlich auch diese durch fortschreitende Hebung des Landes an der Syrte zu Nichte gemacht wurde. Der Meeresarm, der bis Gabes in die Wüste ragte, verschwand, und langsam, aber sicher gehen die»Schotts« ihrem Ende entgegen.

Wenn nun aber auf der Ostseite der Erde diese grosse Wasserverdrängung stattgefuw. den hat und gegenwärtig noch stattfindet, so ergiebt sich daraus, dass der Ocean nach neuem Raum

¹) Ritter sagt: Würde der Spiegel des Aegäischen Meeres um sechshundert Fuss gehoben, so erschienen an Stelle des heutigen griechischen Festlandes lauter Inseln, deren Anordnung wenig verschieden wäre von der Gruppierung der gegenwärtig den Archipel bildenden Eilande.