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Glutwoge an seine Wände, bevor Gebirge und Hochebenen, Tiefländer und Flussthäler sich auf ihm gebildet haben. Und weil eine Continentbildung nicht mit einem Schlage sich vollziehen kann, so müssen Grenzen oder Ruhepunkte der Bewegung auf allen Erdtheilen vorhanden sein, die die Handhabe darbieten, ihren Gang überallhin zu verfolgen und zu constatiren.
Eine solche Handhabe liefern vor allem die Gebirge der Erde.
Bei der Entwicklung unserer Theorie war im Verfolge derselben geschlossen worden, dass Gebirge sich nur an den Grenzen der grössten Senkung und Hebung bilden können, und dass sie stets in der Richtung der fortschreitenden Woge auftreten müssen und ihre Ausdehnung von der des Widerstandes abhänge, den sie zu überwältigen habe.
Auf diese Weise wird Südamerika zum ältesten Continent neben Australien, und seine Gebirge entstanden mit dem allmäligen Untergange jenes grossen westlichen Erdtheils, dessen Reste als Inseln heute den Stillen Ocean bevölkern. Ebenso ist dies der Fall bei dem Kong- Gebirge, den Westghats und dem Bergland von Hinter-Indien.
Der gesammte asiatische Continent ist das Produkt der Bildung sich begegnender, wider- strebender Wogen. Der Untergang des grossen Südwestlandes drängte dieselben nordöstlich und verursachte die Erhebung des Himalaya und des Bolordagh und in der Folge auch die des Altai- und Sajanischen Gebirges. Zur Zeit dieser Erhebung wogte noch die See innerhalb der beiden Züge, sie wurde erst verdrängt, als auch der Polynesische Continent seinen Niedergang begann, mit ihm wurde die nordöstlich fortströmende Woge von ihrer Richtung nach Norden zu abge- lenkt, und diesem Umstande verdanken wol die nach dieser Weltgegend streichenden grösseren Gebirgszüge ihre Entstehung. Aber zugleich füllte sich das Becken zwischen Himalaya und Altai, oder richtiger gesagt, es hob sich aus der See empor und drängte diese ostwärts.
Die Seen auf dem Hochlande von Tübet sind die uralten Marken der hier stattgefundenen Erdbewegung und ihres Fortschreitens, und dort, wo heute die Wellen des Tengrinoor fluten, wogte einst ein ebenso tiefes Meer wie heute zwischen Europa und Afrika.— Das Mittellän- dische Meer muss demselben Schicksale anheimfallen wie jenes. Im Osten ist es der feurig- flüssigen Woge gelungen, einen grossen Continent trocken zu legen; sie arbeitet langsam aber stetig fort und so wird es ihr möglich sein, dasselbe auch im Süden und Westen unseres Erd- theils zu erzielen.
Schon ist der Anfang gemacht, langgestreckte, aufstrebende Halbinseln ragen wie bei dem östlichen Continent in den Süden hinein, ein gewaltiger Gebirgswall bildet den Rückgrat des neu erstehenden Landes.
Beim Beginne dieser Aufwärtsbewegung Europas baute sich der Aral auf in noth- wendiger Folge des entwickelten Gesetzes. Eine andere Consequenz der Bewegung muss die allmälige Austrocknung des Aral- und Kaspisees, des Asowischen und Schwarzen Meeres sein.
Besehen wir uns aber die Karte, so zeigt diese uns die genannten stehenden Gewässer fast unter denselben Breiten wie die völlig ausgetrockneten central-asiatischen.
Wir wissen ferner, dass der Oxus früher seine Gewässer dem Kaspisee zusandte, ja dass dieser sogar mit dem Aral zusammenhing grade so, wie jener einstmals mit dem Asow- und Schwarzen Meere. Ihnen droht somit dasselbe Geschick, das ihre östlichen Nachbarn bereits ereilt hat..
Die zunehmende Landbildung von Osten nach Westen zu hatte natürlich auch ein Ver- schieben der Gewässer zur Folge, denn wir können wol nicht sagen, dass grosse zusammen- hängende Wassermassen durch Hebung des Bodens, auf dem sie ruhen, dem»Austrocknen« anheimfallen müssen, sie werden vielmehr erstlich verschoben, d. h. in tiefere Erdstellen gedrängt


