25 werden kann, so wird es nicht ausbleiben, dass bei ihrer Bewegung Brucherscheinungen zu Tage treten, örtliche Zeugnisse von der thatsächlichen zusammenhängenden Bewegung der gesammten Fläche. Solche örtliche nicht in die säculare oder richtiger allgemeine Erscheinung gehörige Vorkommnisse oder Katastrophen sind z. B. der Einsturz des Rin von Kutsch.
Die Senkung kann aber auch da keine andauernde sein, wenn überhaupt jener Land- theil in der Aufwärtsbewegung begriffen ist. Und es gleicht sich ja bekanntlich auch bei der erwähnten Erdstelle das Niveau wieder langsam aus, weil die retrograde Bewegung durch die allgemeine bedingt ist.—
Schreitet nun nach unserer Theorie die Hauptwoge der feurig-flüssigen Masse gegen- wärtig von Süd-Westen nach Nord-Osten zum Norden vor, so sind die Haupterhebungen ebenfalls innerhalb der angegebenen Richtung zu suchen. Alle Länder unter ihr folgen der Aufwärts- bewegung in höherem oder geringerem Grade, je nachdem der von unten her auf sie ausgeübte Druck ein grösserer oder geringerer ist.
Die mächtigste Schwankung wird in jenen Durchmesser, der mit der fortschreitenden Welle die nämliche Richtung hat, zu liegen kommen, während hingegen ihre Aussenränder je weiter vom Kreismittelpunkte entfernt, um so geringer die Merkmale ihrer Bewegung der über sie lagernden Erdrinde mittheilen werden. Daher kann sie an den Küsten der Länder oft kaum bemerkbar sein, während das innere Festland heftig auf und nieder schwankt. Es weisen also die Küsten die Merkmale der säcularen Bewegung überhaupt nur nach, sie zeigen sie nur an, werden aber für uns dadurch die Registratoren einer Erscheinung, deren vorzüglichster Sehauplatz weit ab von ihnen im festen Lande zu suchen ist. Daraus aber folgt mit Nothwendigkeit, dass überall dort, wo die Küste eine Hebung angibt, landeinwärts dieselbe sich bis zu einem gewissen Grade immer steigern muss, und ebenso, dass dort, wo eine Senkung der Meeresufer beobachtet wird, diese Senkung instets zunehmendem Massstabe sich dem der entsprechenden Küste angehörigen Lande oder Erdtheile mittheilt..
Heben sich somit die Küsten des asiatischen Continents im Norden, und das geschieht, wie wir in der Einleitung zu zeigen versucht, so folgt dieser Bewegung der übrige Continent soweit, als er mit seinen einzelnen Theilen nicht in die Region der Gegenbewegung hineinragt. Diese scheint ihn aber kaum zu berühren.
Wenn der Süden Europas der- Hebung angehört, so ist das ebensogut von seinem dort gelegenen Festlande anzunehmen und zu behaupten. Hat aber der Süden an der Aufwärts- bewegung Antheil und thut dasselbe auch der Norden, so ergiebt sich, dass der ganze Erdtheil diesem Bestreben anheimfällt, und dass die Senkungen zwischen den zwei Hauptbewegungen gelegen, so unbedeutend sind, dass sie wol den oben erwähnten örtlichen Störungen zugezählt werden können.
Somit hebt sich der ganze Continent Europa, dafür aber sinkt zur Her- stellung des gestörten Gleichgewichts ein anderer in die Tiefe: Australien.
Das Alter unseres Erdtheils ist somit noch ein sehr jugendliches, und noch tobt und wüthet in den Tiefen seiner Ränder ein heftiger Kampf um. den innern Ausgleich zu vollziehen; ist der aber einmal vorüber, dann kehrt auch ihm der Friede zurück, um der ruhigen und stetigen Arbeit Platz zu machen, deren sich bereits Asiens Eismeer-Gestade erfreuen.
Dieser Gang, dieses Fortschreiten und Entwickeln, dieses Untergehen und Wiedererstehen, ist ein uralter, seit der Bildung der ersten Erdrinde bestehender, der so lange sich fortsetzen muss und wird, als überhaupt unser Planet in seinem Innern nicht in vollkommene Erstarrung
übergegangen ist.— Gar viele Stadien hat ein Erdtheil zu durchlaufen, gar oftmals schlägt die Musterschule 1877. 4


