Aufsatz 
Der römische Steinsaal (Lapidarium) des Historischen Museums der Pfalz zu Speyer. Nebst Anhang: Die schönsten antiken Bronzefiguren des Museums
Entstehung
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Die aus dem Gebiete der heutigen Pfalz stammenden

antiken Bronzefiguren.

1. Gladiatorenkopf, sonst Kentaurenkopf genannt, bei Schwarzenacker im Bliestal gefunden, im Museum zu Speyer, Abbildung S. 83.

Die Augen wie die Zähne sind von Silber eingesetzt und der Kopf von herrlichem Edelrost überzogen. Er wiegt 8 Pfund 35 Gramm und diente zuletzt als Gewicht zu einer römischen Schnellwage.

Er gehört seiner Durchführung nach in die alexandrinische Zeit, genauer wohl in das 1. Jahrhundert vor Chr.(Zeit des Laokoon) und stellt wohl einen erschöpften Gladiator dar, auf dessen Gesicht körperliche Ermattung und Seelenschmerz zugleich zum Ausdruck kommt. Vgl. den Gladiator(Faustkämpfer) in den Thermen des Diokletian, 1885 in der Via Nazionale zu Rom gefunden.

2 Römische Porträtbüste, bei Hafenbauten im Rhein in der Nähe von Ludwigshafen um 1872 gefunden, im Museum zu Speyer. 18,5 cm hoch. Abbildung S. 84.

Man erkennt auf den ersten Blick die scharf ausgeprägten Züge der Klaudischen Kaiserfamilie, Tiberius; Klaudius, Nero kommen infolge anderer charakteristischer Merkmale, die an unserer Büste fehlen, nicht in Betracht, wohl aber weist letztere große Über- einstimmung mit Darstellungen des Germanikus und Kaligula auf, In der Be- handlung des Haares, in der Wiedergabe der Nase und des Mundes wie der gesamten Gesichtszüge finden sich auffallende Aehnlichkeiten mit dem Kopf einer Marmorstatue im Louvre, die den Germanikus mehr nach der Wirklichkeit als in idealer Darstellung wieder- gibt. Nur zeigt unser Kopf nicht die breite Stirnbildung des Germanikuskopfes, dafür aber einen freundlichen, man möchte sagen sogar kindlichen Zug um die Mundpartie, der ihn einer Darstellung des Augustus(Büste der Münchener Gilyptothek) ungemein ähnlich erscheinen läßt. Man wird daher nicht fehl gehen, in unserer Büste den Sohn des Germanikus, den Kaiser Kaligula, zu sehen, der zugleich als Sohn der Enkelin des Augustus seine mütterliche Abkunft aus dem Geschlecht der Julier nicht verleugnet.

Vgl. auch eine Bronzebüste des Kaligula in Paris, die in der Durchführung des Haar- details und vor allem der Nase mit unserer Bronzebüste genau übereinstimmt.

3. Apollostatuette, beim Umbau des Regierungsgebäudes zu Speyer in einer Tiefe von 4 m unter Brandschutt gefunden(1876), im Museum zu Speyer. 44 cm hoch.

Abbildung S. 85.

Weist der Körperbau auf eine Originalvorlage aus der Zeit des Praxiteles und auf die Typen hin, die jener Künstler mit seinen Schülern für Apollo geschaffen, so erinnert Haartracht und auch Haltung sehr an eine echt archaische Statuette des Apollo von Naxos, im Berliner Museum, die wohl auf eine Statue der archaischen Zeit zurückgeht.

Solche Werke der archaischen Kunst, große wie kleine, wurden in der späteren Zeit, bes. in der römischen Kunst, seit Augustus stark nachgeahmt, teils aus antiquarischer Liebhaberei teils aus Fälschungszwecken(religiöser Aberglaube). Ein solch nachgeahmtes (archaistisches) Werk, wohl aus dem 1. Jahrh. nach Chr., ist auch diese Speyerer Bronze,

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