Profeſſor Dr. Kius mußte zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit noch weiter bis Pfingſten in allen Unterrichtsſtunden vertreten werden. Mit der Vertretung wurde Kandidat Becker beauftragt, wobei jedoch einige Verſchiebungen des Unterrichts ſtattfanden. Vom 29. Mai an wurde Profeſſor Kius noch in 9 Stunden vertreten, vom 1. Auguſt an gab er wieder ſeinen geſamten Unterricht. Kan⸗ didat Becker blieb als unbeſoldeter Hilfslehrer an der Anſtalt.
Durch Miniſterialverfügung vom 21. März wurde Profeſſor Stoll zum Mitgliede der wiſſen⸗ ſchaftlichen Prüfungs⸗Commiſſion für Kandidaten des höheren Lehramtes in Marburg ernannt.
Am 3. April beteiligte ſich das Lehrerkollegium an der Beerdigung des wiſſenſchaftlichen Hilfs⸗ lehrers v. Seidel vom hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium, der im Jahre 1897 auch am Friedrichs⸗Gym⸗ naſium aushülfsweiſe Unterricht erteilt hatte(ſ. Jahresbericht von 1898 S. 14).
An dem vom 15. bis 20. Mai in Frankfurt aM. abgehaltenen Kurſus für die Erlernung der Volks⸗ und Jugendſpiele nahm Oberlehrer Prätorius teil.
Am 19. Mai fand unter großem Beifall der Anweſenden im Hanuſchſaal eine Aufführung von Wallenſteins Lager durch Oberſekundaner der Anſtalt ſtatt, auch ſpielte das Schülerorcheſter einige Stücke, und danach war ein geſelliges Zuſammenſein in dem genannten Saale.
Nach der Schlußandacht vor den Pfingſtferien wurden 8 Exemplare des Buches„Unſer Kaiſer“, die der Anſtalt von der vorgeſetzten Behörde überwieſen waren, folgenden Schülern als Prämien ein⸗ gehändigt: Jahrmärker(li), Ide(Ie), Brill(III), Wörner(II2), Krüger(IIIl), Appel(IIIe), Becker (IV), Weith(V).
Am 21. Mai, dem 1. Pfingſttage ſtarb nach kurzem Leiden der zu Michaelis 1895 in den Ruhe⸗ ſtand getretene Profeſſor Dr. Zuſchlag, tief betrauert von ſeinen früheren Kollegen und Schülern. Am 26. Mai wurde er von einem zahlreichen Trauergefolge zur letzten Ruheſtätte geleitet.
Wegen des erſten Geſangwettſtreits deutſcher Männergeſangvereine, der hier ſtattfand, fiel der Unterricht während der ganzen Pfingſtwoche aus. Am Donnerstag den 25. Mai beteiligten ſich die Lehrer des Gymnaſiums und die Schüler der Klaſſen Prima bis Tertia an der Aufſtellung zum Empfang der Majeſtäten bei Allerhöchſtderen Einzuge zum Geſangwettſtreit und wurden von Sr. Majeſtät dem Kaiſer beſonders huldvoll durch Zuwinken begrüßt. Profeſſor Kius gehörte mit zu dem von Sr. Majeſtät ernannten Ortsausſchuß für dieſen Geſangwettſtreit.
Am 29. Mai beſuchte Herr Geheimrat D. Dr. Lahmeyer eine Unterrichtsſtunde des Kandidaten Kühnemuth, am 11. September den Unterricht der beiden Kandidaten Kühnemuth und Michels, am 15. Februar eine Stunde des Kandidaten Bödeker.
—
Am 5. Juni machten ſämtliche Klaſſen unter Führung ihrer Ordinarien die üblichen Klaſſen⸗ ausflüge bei ſehr günſtigem Wetter.
Am 10. Juni kehrte Kandidat Michels nach einer achtwöchigen militäriſchen Dienſtleiſtung an die Anſtalt zurück..
In den erſten Tagen der Juliferien machte der Primanergeſangverein unter Führung des Oberlehrers Dr. Brede einen Ausflug in die Rhön.
Vom 1. Auguſt an war der viſſenſchaftliche Hilfslehrer Dehnhardt zu einer achtwöchigen mili⸗ täriſchen Dienſtleiſtung eingezogen. Es vertrat ihn in den 9 Religionsſtunden Kandidat Deutſch vom hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium, in den übrigen 15 Stunden Kandidat Becker.


